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Biber nagt an Kläranlage Über 300.000 Euro Schäden im Landkreis Donau-Ries

Der Biber richtet große Schäden an. Er ist inzwischen zum Problem geworden – der Grund: der Nager, der wieder hier angesiedelt wurde, hat keinen natürlichen Feind mehr. Wie groß die Schäden sind, das wollte der Kreisverband des BBV Donau-Ries wissen.

Stand: 19.09.2016

Biber können ein Problem sein | Bild: Judith Zacher / BR

Der Kreisverband hat jetzt bei den Gemeinden, Landwirten und dem Wasserwirtschaftsamt angefragt. Etwa 1000 Biber gibt es nach Schätzungen im Landkreis Donau-Ries. Die Summe allein für das Jahr 2015 ist erheblich: Über 300.000 Euro wurden ausgegeben, um Schäden zu beheben, die der Nager angerichtet hat. Wirklich gefährlich war die Lage  an der Fremdinger Kläranlage im Ortsteil Hausen. Dort hatte der Biber am Damm der Kläranlage gebuddelt. Da war dann schnelles Handeln erforderlich.

"Die Ränder an der Kläranlage drohten zu brechen, weil der Biber massiv reingebaut hat. Wir mussten dann mit schwerem Gerät und viel Mühe Wasserbausteine verbauen, um die Dämme zu sichern. Weil sonst droht die Gefahr, dass der Inhalt von dem Klärbecken in den Mühlbach und dann in den Belzheimer Weiher geht. Und das wäre für die Natur natürlich ein riesiger Schaden gewesen."

Bürgermeister Frank Merkt

In diesem kritischen Fall  hat die Gemeinde eine Abfanggenehmigung bekommen. In die Falle ist der Biber jedoch bis heute nicht gegangen. Nicht nur etwa, weil der Biber so schlau ist. Bürgermeister Frank Merkt vermutet, dass oft übereifrige Tierschützer nachts die Falle von Hand geschlossen haben. Die einen also wollen ihn schützen, die anderen wollen ihn weg haben – zumindest weg von ihren Feldern. Auch der Landwirt Josef Faußner hat schon einiges erlebt hat in Sachen Biber:

"Ich bin eingebrochen mit dem Schlepper, das ist nicht vorhersehbar. Bei einem Kollegen war Totalschaden, das passiert aus heiterem Himmel. Die Gänge sind bis zu 30 Meter lang. Die gehen Meter ins Feld rein, auf einmal bricht man ein."

Landwirt Josef Faußner

Die Schäden werden zwar größtenteils erstattet, allerdings mit hohem Bürokratieaufwand. Hilfe beim Ausfüllen der Formulare bekommen die Bauern vom Biberbeauftragten vor Ort. Auch wenn Wege einbrechen, können Schäden geltend gemacht werden. Die Fraßschäden treten da eher in den Hintergrund – aber: Ein weiteres Problem sind die aufgestauten Bäche, bei denen das Wasser über die Ufer tritt. Ist es zu nass, können die Felder nicht bewirtschaftet werden. Außerdem laufen unter vielen Feldern im Landkreis Entwässerungsrohre, so genannte Drainagen:

"Wenn der Biber am Graben aufstaut, dann staut sich das Wasser zurück. Und die Drainagen können nicht auslaufen, verschlammen und verstopfen dann irgendwann. Und die Drainagefunktion ist dann nicht mehr gegeben."

Kreisobmann Karlheinz Götz

Aber nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch der Naturschutz kommt in manchen Fällen mit dem Biber in Konflikt: So wollte Bürgermeister Frank Merkt  in Zusammenarbeit mit der Forstwirtschaft eine ehemalige Fichtenmonokultur aufforsten – naturschutzfachlich und waldwirtschaftlich sinnvoll, als Mischwald. Eine teure Maßnahme, für die es hohe Förderungen gab. Doch dann kam der Biber.

"Als die Pflanzen richtig im Anwuchs waren, hat der Biber die in einer Nacht zunichte gemacht."

Bürgermeister Frank Merkt 

Die Gemeinde entschied danach, dem Biber die Fläche zu lassen, quasi als Ausgleichsfläche für ein Baugebiet. Man hatte gehofft, dass andere landwirtschaftliche Flächen verschont bleiben, aber der Biber hielt sich nicht an diese Hoffnungen.
 

"Er bleibt nicht auf den Flächen, sondern es ist die ureigenste Eigenschaft des Bibers, sich auszubreiten."

Bürgermeister Frank Merkt

Deshalb hat der Bauernverband gewisse Forderungen formuliert:

"Dass man den Biber zum einen von der europäischen Artenschutzliste streicht, und dass man ihn dann in verschiedenen Gebieten frei lassen kann und auf Fläche abschießen kann."

Kreisobmann Karlheinz Götz 

Momentan ist das Abschießen tatsächlich nicht ganz einfach. Die Genehmigung zum Abschuß bekommt man nur in Ausnahmefällen, und dann findet sich auch nicht immer gleich ein Jäger , der bereit ist, sich auf die Lauer zu legen. Biber unterliegen nicht dem Jagdrecht. Und wer als Privatmann Jäger ist, will in der Rehe oder Hasen jagen – nicht aber den eifrigen Nager.

Ausrotten wollen die Landwirte den Biber aber nicht, betont  Michael Stiller vom Bauernverband. Er schlägt vor, Flächen anzukaufen, wo der Biber leben darf und hat auch eine Idee, wie das finanziert werden könnte. Wer eine Straße baut oder ein Bau- oder Gewerbegebiet ausweist, muss derzeit eine Ausgleichsfläche ausweisen. Stattdessen aber wäre es auch denkbar, Geld in einen Fond zu zahlen.

"Mit diesem Geld werden dann größere Flächen von Seiten des Staates erworben und dort wird dann Lebensraum für die Biber geschaffen."

Michael Stiller vom Bauernverband

Bleibt die Frage, wer dem Biber dann sagt, wo diese Fläche aufhört. Denn vermutlich schmecken die Bäume ein paar Meter weiter mindestens genauso gut ... Noch vor 50 Jahren galten die Biber in Bayern als ausgestorben.


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Kommentare

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hans meier, Dienstag, 20.September, 19:35 Uhr

4. Biber sind der größte Glücksfall für Mensch und Natur überhaupt

Jede zweite Tier- und Pflanzenart ist in Deutschland auf der roten Liste, d.h. also vom Aussterben bedroht. Jede Dekaden werden es 10% mehr, dank unserer Landwirte! Der Biber ist der größte Naturschützer, seine Arbeit für Fauna und Flora absolut unbezahlbar. So profitieren hunderte Tier- und Pflanzenarten nachweislich von den Lebensräumen die der Biber wieder neu erschafft, das ist Fakt und von der Wissenschaft zweifelsfrei nachgewiesen. Aus diesem Grunde geht es beim Schutz des Bibers nicht nur um den Schutz dieser Tierart selbst sondern vor allen Dingen um den Schutz des Lebensraumes der von Bibern geschaffen wird und somit auch um den Schutz von unzähligen Tier- und Pflanzenarten die davon profitieren. Ergreifen sie doch Präventionsmaßnahmen, aber das wäre ja Arbeit, da jammert man lieber und hofft auf ein Geldtöpfen, gell?
Schon Einstein sagte: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

hans meier, Dienstag, 20.September, 19:28 Uhr

3. Hexenjagd des BBV

Wie im Mittelalter wie bei der Hexenjagd. Der BBV zeigt auf Einladungen zum Bibermanagement Nutrias statt Biber und weiß natürlich ganz genau wie viele Biber es gibt, im Gegensatz zu den Fachleuten! Alles sehr kompetent! Wird höchste der krankhaft subventionsabhängigen Agrarindustrie die Umwelt, Natur, Lebensgrundlagen und Gesund zerstört, Profitgier über Allgemeinwohl stellt die Subventionen zu streichen, das Gejammer ist nicht mehr zu ertragen. die Schäden der Landwirte sind monetär nicht mehr zu beziffern, aber auf den Biber deuten. Es geht doch nur darum noch mehr Geld von den Steuerzahlern zu bekommen, sonst nichts! Die ach so hohen Biberschäden sind übrigens 0.04€ pro bayrischem Bürger und Jahr, absolut nicht der Rede wert, aber natürlich sind die Lobbyisten nicht an Fakten interessiert. Hauptsache Hexenjagd. Ein 30m langer Tunnel, ja ja, die Erde ist eine Scheibe und der Himmel ist rosarot, liegt wohl eine Verwechslung mit einem Abwasserkanal vor ;-)

überleger, Montag, 19.September, 20:35 Uhr

2. Biber ohne Lebensraum

Vielleicht hätte man sich vor der Wiederansiedlung des Bibers mal Gedanken darüber machen sollen, wo er vor seiner Ausrottung gelebt hat. Da gab es noch unbegradigte Flüsse mit großen Auen, in denen es keine Rolle spielte, wenn der Biber sich flußbautechnisch betätigte. Was haben wir heute? Flurbereinigte Agrarwüste mit kanalisierten Wasserläufen. Wo bitte soll da Lebensraum für Biber sein? Aber es gibt ja zum Glück "Experten" wie Sand am Meer, die sich mit ihren unglaublich expertenhaften Ratschlägen ins Rampenlicht rücken und allen weismachen wollen, das die Menschheit den Murks, den sie in ihrer glorreichen Vergangenheit angerichtet hat, selbsständig wieder ausbügeln könne. Es gibt keine Umkehr mehr, außer der Schöpfer selbst greift ein (Offenbarung 21:5 - Und der, der auf dem Thron saß, sprach: „Siehe! Ich mache alle Dinge neu.“)!!

websaurier, Montag, 19.September, 16:06 Uhr

1. Der Obmann...

"Ich bin eingebrochen mit dem Schlepper, das ist nicht vorhersehbar. Bei einem Kollegen war Totalschaden, das passiert aus heiterem Himmel. Die Gänge sind bis zu 30 Meter lang. Die gehen Meter ins Feld rein, auf einmal bricht man ein."

Bla, Bla, Bla
Wenn die Bauern mal kapieren würde, dass man nicht bis auf einen Meter an die Bachläufe heranpflügt, wäre das Risiko auch gleich geringer...
Die Schäden durch die Landwirte übersteigen die 300.000 Euro um ein Vielfaches !

  • Antwort von Wolf, Montag, 19.September, 19:02 Uhr

    Auf meiner Arbeitsstrecke liegt mal wieder jeder zweite Leitpfosten auf der Straße da die anliegenden Landwirte am liebsten bis zur Teerkannte ackern....frag mich wer das zahlt? Wahrscheinlich bekommen die auch noch Subventionen für einen Naturbelassen Feldrain....jaja,das gibts!