15

Arnspitze bei Mittenwald Langsam kehrt der Bergwald zurück

Es war ein Jahrhundertbrand: Vor 70 Jahren stand der Wald unterhalb der Arnspitze in Flammen, zweieinhalb Monate lang. Langsam, ganz langsam holt sich die Natur den Hang zurück - und bannt die Lawinengefahr. Eine Ortsbesichtigung.

Von: Georg Bayerle

Stand: 01.09.2017

Ende August 1947 hatte sich der Himmel über Mittenwald verdunkelt. Quälend lange zweieinhalb Monate ging der Ascheregen über dem Luftkurort nieder. Rund drei Quadratkilometer Bergwald brannten. Wochenlang hatten die Bewohner Angst, dass das von warmen Südwinden angefachte Feuer auf die Marktgemeinde übergreifen könnte.

Erst der Novemberschnee erstickte das Feuer

Hier stand vor 70 Jahren noch Wald

Über 12.000 Meter Schlauchleitungen haben Feuerwehren, die sogar aus Augsburg und Regensburg kamen, am Berg verlegt, 50 Pumpen wurden zu den Brandherden hochgeschleppt. Die Mittenwalder halfen mit, wo sie konnten. Am Ende hat nur der erste Schnee im November das Feuer wirklich erstickt. Zurück blieb ein kahler, verwüsteter Bergrücken.

Noch heute trifft man auf verkohlte Holzreste

Hans Reiser kennt sein Jagdrevier seit 30 Jahren

Noch heute sind die Spuren sichtbar. Aber es hat sich stellenweise auch neuer Wald gebildet. Wir sind unterwegs mit dem Revierjäger Hans Reiser, der das Gebiet seit 30 Jahren kennt. Gut 800 Höhenmeter über dem Isartal führt ein Gamswechsel in die steile schuttige Flanke.

Auch siebzig Jahre nach dem Großbrand stoßen wir auf schlackeartige Aschereste und verkohlte Holzstücke im Boden. Bis heute ist unklar, wodurch das Feuer ausgelöst wurde. Am Ende war die Südostflanke kahl, eine Wüste aus Asche und Fels.

"Da siehst du Schuttkegel, Erosionsrinnen, kleine Böden und Köpfe. Da hat sich Wald langsam wieder aufgebaut - nach 70 Jahren schaut's ganz gut aus."

Revierjäger Hans Reiser

Der Bergwald hat sich mehr als die Hälfte zurückgeholt

Langsam kehrt das Grün zurück

Stellenweise wie in einem Zwergengarten gruppieren sich Bonsaiartige Nadelbäume nebeneinander und krallen sich auf den steilen, felsigen Untergrund fest, auf dem sie wachsen. In der Flanke aus Baumgruppen und Felswüste stoßen wir auch auf jene Keimzellen, wo das Forstamt unmittelbar nach dem Brand neue Bäume gepflanzt hat. Von diesen Waldinseln aus hat die Vegetation allmählich wieder Fuß gefasst. Nach 70 Jahren ist mehr als die Hälfte der rund drei Quadratkilometer großen Brandstelle wieder bewachsen:

"Manchmal bloß zentimeterweise kämpft der Wald um's Überleben, viele Jahre mehr als im Tal. Die Natur gibt nicht auf. (...) Man muss froh sein - das wäre eine Katastrophe, wenn Geröll und Lawinen das Tal gefährden würden."

Revierjäger Hans Reiser

Auf der Tiroler Seite bedroht erodierter Berghang die Mittenwaldbahn

Genau das lässt sich auf der Tiroler Seite beobachten, wo vom kahlen Berghang immer wieder Lawinen die B 2 und die Mittenwaldbahn bedrohen. Der Streifzug nach 70 Jahren zeigt die langsame aber beharrliche Widerstandskraft der Natur. Er zeigt aber auch, wie massiv die Wunden sind, die durch ein Feuer geschlagen werden und wie langsam sie verheilen.

Einen Film über die Ortsbegehung zeigt das BR-Fernsehen am Samstag, 2. September, um 17:45 in der Sendung "Zwischen Spessart und Karwendel".


15