10

Bayern-Fans in Turin Landrat Bernreiter entsetzt über willkürliche Polizeigewalt

Er war selbst unter den gefilzten Fans vor dem Stadion in Turin: Bayerns Landkreistagspräsident Christian Bernreiter hat sich bei Kanzlerin Merkel über die willkürliche Gewalt der italienischen Polizei gegen Bayern-Fans beschwert. Fünf Anhänger saßen bis Donnerstag in Haft.

Von: Harald Mitterer und Christoph Dicke

Stand: 25.02.2016

Christian Bernreiter (CSU) ist entsetzt über das Vorgehen italienischer Sicherheitskräfte beim Champions-League-Spiel des FC Bayern München in Turin am vergangenen Dienstag. Bernreiter, der selbst Opfer des Vorgehens wurde, spricht von "Willkür und leider auch körperlicher Gewalt", der Fußballfans aus Bayern aber auch Südtirol augeliefert gewesen seien. Bei den Einlasskontrollen sei es zu demütigenden und furchteinflößenden Szenen gekommen, berichtet der Landrat dem Bayerischen Rundfunk.

Fans hatten "Angst um Leib und Leben"

Harrsche Kritik an italienischer Polizei: Überzogene Einlasskontrollen in Turin?

Er selbst habe am vergangenen Dienstag das Turiner Stadion um 18.15 Uhr betreten wollen, eingelassen worden sei er nach den tumultartigen Szenen mit Sicherheitskräften erst fünf Minuten nach Anpfiff um 20.50 Uhr. So wie dem Landrat ging es vielen Fans des FC Bayern München. Die Beteiligten hatten Angst um Leib und Leben, so Bernreiter. In einem Brief an Merkel bittet er die Kanzlerin, bei den zuständigen Stellen dafür zu sorgen, dass sich solch "ungeschicktes und provozierendes Verhalten staatlicher Organe von EU-Mitgliedsländern" nicht mehr wiederholt. Wenn ein Unglück durch so ein Verhalten der Sicherheitskräfte passiere, sei es zu spät.

Fünf Bayern-Fans zwei Tage in Haft

Die vor dem Spiel verhafteten Bayern-Fans sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Ihnen wird "Gewalt, Bedrohung und Widerstand gegen die Polizei in besonders schwerem Fall" vorgeworfen. Die Beschuldigten, wovon laut italienischer Polizei vier zur umstrittenen Ultra-Gruppierung "Schickeria" gehören, hätten nicht nur einen Ordner bedroht, sondern fünf Polizisten leicht verletzt. Nach BR-Informationen hat ein Richter die fünf Anhänger - nach zwei Tagen zum Teil in Einzelhaft ohne Licht und Waschmöglichkeit - freigelassen. Der Prozess ist in einigen Wochen. Christian Bernreiter will sich dann gern als Zeuge zur Verfügung stellen, wie er dem Bayerischen Rundfunk sagte.

Angeblich Herausgabe von "Schickeria"-Fahne verweigert

Thomas Müller beschwert sich während des Spiels gegen Juventus Turin. Auch abseits des Platzes wird über das Spiel diskutiert. | Bild: pa/dpa/Peter Kneffel zum Artikel Ärger um Kontrollen in Turin Fußball-Fan Bernreiter bittet Merkel um Hilfe

Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter (CSU) hat der Kanzlerin wieder einen Brief geschrieben. Diesmal nicht wegen der Flüchtlingskrise. Bernreiter war beim Spiel des FC Bayern in Turin und beklagt "körperliche Gewalt" der italienischen Polizisten. [mehr]

Der Vater eines inhaftierten 23-Jährigen aus München hat dem Bayerischen Rundfunk bestätigt, dass die Ordner in Turin die rund 2.000 Bayern-Anhänger beim Einlass so gründlich gefilzt hätten, dass viele erst im Laufe der ersten Halbzeit ins Stadion gelangt seien. Das habe zu massivem Unmut unter den Fans geführt. Sein Sohn sei mit den vier anderen Fans – darunter eine junge Frau - verhaftet worden, weil sie neben Feuerzeugen, Schirmen und anderen Gegenständen offenbar auch noch ihre Schickeria-Zaun-Fahne hätten abgeben sollen, was sie verweigerten.

Laut Polizei sollen die Mitglieder der Gruppe "Schickeria" aber versucht haben, die Sperren beim Stadioneingang zu durchbrechen, wodurch die fünf Polizisten verletzt worden seien. Auch der 23-jährige Fan wurde am Knie verletzt. Laut italienischer Nachrichtenagentur ANSA erhielten die fünf Inhaftierten Stadionverbot.

Juve-Sprecherin: "Übliche Kontrollen"

Möglicherweise will der FC Bayern bei der Europäischen Fußballunion (UEFA) gegen die drastischen Einlasskontrollen protestieren. Eine offizielle Stellungnahme des Vereins liegt noch nicht vor. Italien hat generell die Kontrollen bei Fußballspielen verschärft, weil es in der italienischen Liga immer wieder zu Fan-Krawallen gekommen ist. Eine Sprecherin von Juventus Turin hat am Mittwoch erklärt, die Kontrollen wären im Rahmen des Üblichen für Champions-League-Spiele gewesen. Die Umsetzung liege aber bei den Sicherheitskräften.

  • Christoph Dicke, Reporter im Bereich Aktuelles/Landesberichte/Bayern für Hörfunk, Fernsehen und Online | Bild: BR / Markus Konvalin Christoph Dicke

    BR-Reporter im Bereich Aktuelles/Landesberichte/Bayern für Hörfunk, Fernsehen und Online


10

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Anja, Samstag, 27.Februar, 11:44 Uhr

7. Über was genau will er sich nun beschweren???

Darüber das die Polizei ein paar "Fans" festgenommen hat?!

Mit verlaub, auf die(...) möchte ich mit meiner Familie sowieso nicht treffen! Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

googlemal, Freitag, 26.Februar, 23:51 Uhr

6. Ball flach halten

Sport1.de schreibt: "... wurden die Busse direkt nach dem Aussteigen der Anhänger geschlossen und die Fahrer dazu gedrängt, den Parkplatz schnell zu verlassen. Fans, die ihre Tickets noch im Bus hatten, kamen nicht mehr an ihre Eintrittskarten. Nachdem einige Bayern-Fans zunehmend die Geduld verloren, drohte die Lage zu eskalieren. Die Polizei umstellte die Busse. Die Zahl der Ordner sei zudem für ein Champions-League-Spiel mit entsprechendem Fanaufkommen viel zu gering gewesen."
In Italien "wohnt" der Vatikan, ergo: höchste Terrorgefahr. Also wurden die Busse möglichst schnell durchgewunken. Wurde in Deutschland nicht kürzlich ein Spiel sogar abgesagt, wegen einem verdächtigen Krankenwagen? Ein paar Fans randalierten, weil ihr Ticket noch im Bus war. Vielleicht im Bus auf der Fahrt schon mal ein, zwei Bier gezwitschert? Polizei und einige der Ordner wurden vom Eingang abgezogen zum Krisenherd. Sie waren für diese Situation unterbesetzt. Kennen wir so was nicht auch? Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

A. Sauer, Freitag, 26.Februar, 13:21 Uhr

5. Kontrollen in Turin

Ich freue mich, dass das Thema endlich "auf den Tisch" kommt. Diese Schikane durch Polizei und die Ordner an den Einlasskontrollen gibt es schon seit Jahren. Auch wenn es heißt, dass in Italien stärker kontrolliert wird, ist dies kein Grund, Fans wie den letzten Dreck zu behandeln. In Turin waren nur zwei enge Eingangstore geöffnet, teilweise wurde minutenlang niemand durchgelassen. Hinter den Kontrollen standen 30 Polizisten in voller Montur, ausgerüstet für einen SEK-Einsatz! Ich selbst kam fast pünktlich zum Anpfiff ins Stadion, viele aber haben die ersten 20-25 Minuten verpasst, obwohl sie früh genug da waren. Mich hat gewundert, dass die Bayern-Fans so ruhig geblieben sind.
Eine Anmerkung: Bei vielen anderen Spielen, z.B. beim CL-Endspiel in Madrid, beim Uefa-Cup Spiel in Getafe, erst vor kurzem in Piräus gab es Polizei-Gewalt gg. Bayern-Fans. Da wurden sogar Frauen und Kinder geschlagen. Wenn man sich wehrt sieht man möglicherweise das Spiel nicht bzw. wird verhaftet...

Honk, Donnerstag, 25.Februar, 18:45 Uhr

4. *Zur Willkür der Polizei*

Tja andere Länder andere Sitten, Herr Bernreiter da waren sie halt zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Polizei in Italien hat sicher nur ihren Job richtig gemacht, in DE wäre ein härteres Durchgreifen in manchen Situationen sicher auch angebracht, ein Polizist in De muss bevor er eine Überprüfung durchführt erst mal im Gesetzbuch nachschlagen wie er den vermeintlichen zu behandeln hat. Herr Bernreiter sie jammern auf hohem Niveau, sie sind echt zu bedauern.

  • Antwort von wallner xaver, Donnerstag, 25.Februar, 22:49 Uhr

    Wenn sie auch diese Schikanen über sich ergehen lassen hätten müssen,dann wäre ihr Kommentar mit Sicherheit anders. Kontrolle muss sein aber keine SCHIKANE!

BayernHuhn, Donnerstag, 25.Februar, 18:04 Uhr

3. Ach? Mal selbst Willkür erlebt?

Bernreiter sollte lieber erst mal über die Willkür in seiner Behörde nachdenken. Mit Ruhm bekleckern die sich nicht.

  • Antwort von berni, Samstag, 27.Februar, 15:30 Uhr

    was hat das eine mit dem anderen zu tun.

    Bernreiter hat endlich Tatsachen an die Öffentlichkeit gebracht, die wir Fan's (Fan's nicht Hooligans) schon lange erleben.