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Zugunglück Bad Aibling Bergungsarbeiten weitgehend abgeschlossen

Die Bergungsarbeiten an der Unfallstelle in Bad Aibling konnten bis auf einen Waggon abgeschlossen werden. Frühestens Mitte der Woche soll die Unglücksfahrt rekonstruiert werden. Die Unglücksursache ist weiterhin offen, viele Zeugen sind noch nicht vernommen worden.

Von: Martin Binder und Christoph Dicke

Stand: 14.02.2016

Fünf Tage nach dem Zugunglück bei Bad Aibling ist die Unfallstelle weitgehend freigeräumt. Vor allem der Regen hatte den Helfern die Arbeit erschwert. Der reguläre Zugverkehr zwischen Holzkirchen und Kolbermoor kann wohl nicht vor Mitte nächster Woche wieder aufgenommen werden. Zwischen Rosenheim und Holzkirchen ist bis auf Weiteres ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

200 Meter Gleise müssen erneuert werden

Zu Beginn der Woche soll zunächst mit der Reparatur der beschädigten Schwellen im direkten Unfallbereich begonnen werden. Die Gleiserneuerung auf der Bahnstrecke zwischen Kolbermoor und Bad Aibling wird bis mindestens Mitte kommender Woche dauern. Ein Polizeisprecher sagte, der Gleiskörper sei auf einer Länge von etwa 200 Metern kaputt und müsse komplett ausgetauscht werden. Erst danach könnten Oberleitungen installiert und Testfahrten durchgeführt werden. 

Rekonstruktion der Unglücksfahrt

Es ist geplant, zwei Züge aufeinander zufahren zu lassen, um den Unfall nachzustellen. Die Simulationsfahrt dürfe man sich nicht so vorstellen, dass zwei Züge aufeinander zu rasen oder auf "Tuchfühlung" gehen, so die Polizei. Vielmehr fahren Züge gleichen Typs in Rosenheim und Bad Aibling nacheinander los, Signale werden überprüft und weitere Einrichtungen in den Zügen und im technischen System.

Unfall auf gleicher Strecke vor 71 Jahren

Kurz nach Ende des II. Weltkriegs gab es laut Oberbayerischem Volksblatt schon einmal einen Frontalzusammenstoß zweier Züge unweit der Unfallstelle. Vor rund 71 Jahren mussten die Lokführer wegen ausgefallener Telefonanlagen zwischen den Bahnhöfen Bad Aibling und Kolbermoor offenbar auf Sicht fahren. Fünf Kriegsheimkehrer wurden bei dem Zusammenstoß getötet.

Polizei sagt nichts zu Spekulationen um Fahrdienstleiter

Die Ermittler sind derzeit immer noch dabei, die dritte Blackbox auszuwerten. Sie ist zwar durch den Aufprall beschädigt worden, enthält aber laut Polizei noch brauchbare Daten. Die Auswertung der beiden anderen Boxen ergaben laut Experten keine Hinweise darauf, dass Signale missachtet wurden. Die Polizei wollte Medienberichte, nach denen der Fahrdienstleiter vor dem Zugunglück noch eiligst Kontakt mit den aufeinanderrasenden Zügen aufnehmen wollte, weder dementieren noch bestätigen. "Wir wissen es schlicht nicht", sagte eine Sprecherin dem Bayerischen Rundfunk. Der "Spiegel" hatte am Freitag berichtet, dass der Fahrdienstleiter im Stellwerk von Bad Aibling versucht habe, die Züge per Spezial-Notruf an die beiden Lokführer zu stoppen.

Keine ernsthaften Verletzungen beim Bergungsteam

Feuerwehr und Rettungsdienste erklärten, dass es während des gesamten Einsatzes bislang keine ernsthaften Verletzungen bei den Helfern gegeben habe, obwohl sie teilweise unter sehr schwierigen und gefährlichen Bedingungen arbeiten mussten. Die Feuerwehr Bad Aibling war am Samstag – nach über vier Tagen Dauereinsatz – wieder eingerückt, an der Unfallstelle steht mittlerweile nur noch ein Rettungswagen zur Sicherung des verbliebenen Bergeteams.

Zustand der Schwerverletzten unverändert

Zur Unglücksursache will sich die Rosenheimer Polizei nach wie vor nicht äußern. Viele Zeugen konnten wegen der Schwere ihrer Verletzungen noch nicht befragt werden, sagte ein Sprecher. Es könne noch Wochen dauern, bis Klarheit über die Unfallursache herrsche. Eine 50-köpfige Sonderkommission arbeitet an dem Fall. Das Unglück soll in der kommenden Woche auch Thema im Verkehrsausschuss des Bayerischen Landtags sein.

Nach wie vor sind einige der Schwerverletzten in kritischem Zustand. Bei dem Unglück am Faschingsdienstag waren 17 Menschen schwer verletzt worden. 63 Menschen erlitten leichte Verletzungen. Am Donnerstag erlag ein 47-jähriger Mann aus dem Landkreis München seinen schweren Verletzungen. Er ist das elfte Todesopfer.

Ökumenischer Gedenkgottesdienst am Sonntag

Mit einem Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche St. Georg in Bad Aibling erinnerten am Sonntag Nachmittag die katholische und die evangelische Kirche an die Opfer des Zugunglücks. Erzbischof Reinhard Kardinal Marx und Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, die Ständige Vertreterin des evangelischen Landesbischofs, feierten den ökumenischen Gottesdienst gemeinsam mit Angehörigen der Opfer, Unfallbeteiligten, Rettungs- und Hilfskräften. Das Bayerische Fernsehen, B5 aktuell und BR24 übertrugen den Gottesdienst live.


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