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Zugunglück von Bad Aibling Laut Dobrindt kein technisches Versagen

Nach dem Zugunglück von Bad Aibling gebe es weiter keine Hinweise auf technisches Versagen, so Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Am Dienstag wollen sich Staatsanwaltschaft und Polizei zur Unfallursache äußern.

Stand: 15.02.2016

"Tatsache ist, dass nach den Daten, die wir haben, ein technischer Fehler nicht vorgelegen hat," sagte Dobrindt in München. Im Laufe dieser Woche werde es, wenn die Gleise repariert sind, Kontrollfahrten geben. Damit soll nach den Worten des Verkehrsministers überprüft werden, ob die von den Fahrtenschreibern aufgezeichneten Daten "validierbar", also beweiskräftig, sind. Am Freitag war auch die dritte Blackbox gefunden worden. Ergebnisse sollten Ende dieser oder Anfang nächster Woche vorliegen.

Bei diesen Testfahrten wird der Unfall simuliert. Laut Polizei fahren Züge gleichen Typs in Rosenheim und Bad Aibling nacheinander los. Dabei werden Signale überprüft sowie die Technik im Zug und die Sicherheitstechnik entlang der Strecke.

Doch menschliches Versagen?

Für Dienstagnachmittag (14.00 Uhr) ist eine Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft und Polizei in Bad Aibling angekündigt worden. Mit Spannung wird erwartet, ob die Ermittler Informationen bestätigen, wonach die Ursache für den Zusammenstoß der beiden Züge menschliches Versagen war. An der Pressekonferenz nehmen der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese aus Traunstein, Rosenheims Polizeipräsident Robert Kopp und weitere Ermittler teil.

Eishockey-Benefizspiel in Bad Aibling

Für die Opfer und Hinterbliebenen des Zugunglücks findet am Dienstag in Bad Aibling ein Eishockey-Benefizspiel statt. Die Star Bulls Rosenheim spielen gegen das Landesligateam der Aibdogs. Beginn ist um 19.00 Uhr in der Eishalle von Bad Aibling. Die Eintrittsgelder und die Erlöse aus dem Getränke- und Speisenverkauf werden in voller Höhe gespendet, teilen die Star Bulls mit.

Weiterhin Busse statt Meridian

Ein Mann stellt am Valentinstag eine Kerze zum Gedenken an die Opfer auf.

Am Unglücksort neben dem Mangfallkanal haben am Montag die Sanierungsarbeiten begonnen. 120 Meter Gleisanlagen müssen repariert, 180 Meter Schwellen ausgetauscht und einige Tonnen Schotter verbaut werden.

Die Reparaturen an den Gleisanlagen seien, so die Bahn, auch Voraussetzung, um den letzten beschädigten Zugteil, der neben dem Gleis am Hang liegt, bergen zu können. Dazu muss der 160 Tonnen Schwerlastkran, der bereits an der Strecke ist, direkt an das Zugteil heranfahren können. Das ist erst nach der Gleisreparatur möglich. Und erst wenn das Zugteil abtransportiert ist, kann die Bahn die Oberleitungen wieder aufbauen.

Der reguläre Zugverkehr zwischen Holzkirchen und Kolbermoor kann laut Deutscher Bahn wohl nicht vor Mitte nächster Woche wieder aufgenommen werden. Zwischen Rosenheim und Holzkirchen fahren solange Busse. Die Bayerische Oberlandbandbahn (BOB), die die Strecke mit Meridian-Zügen betreibt, wird in den Morgenstunden von sechs bis acht Uhr und um die Mittagszeit zusätzliche Busse einsetzen.

BOB sichert Opfern und Verletzten Hilfe zu

Die BOB hat Fahrgästen der Unglückszüge und Mitarbeitern Unterstützung zugesagt. Details nannte das Unternehmen am Sonntag nicht. Über die vergangenen Tage habe man mit den Betroffenen Kontakt aufgenommen, hieß es lediglich.

Elf Tote und zahlreiche Verletzte

Auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim waren am Faschingsdienstagmorgen zwei Meridian-Regionalzüge mit etwa Tempo 100 frontal zusammengestoßen. Elf Menschen starben, rund 80 weitere wurden verletzt. Das Unglück soll am Mittwoch auch Thema im Verkehrsausschuss des Bundestags sein.


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