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Zugunglück Bad Aibling Zahl der Toten auf elf gestiegen

Nach dem schweren Zugunglück ist die Zahl der Toten auf elf gestiegen. Einer der Verletzten verstarb in einer Klinik. Die Unglücksursache ist weiterhin unklar.

Von: Martin Binder, Dagmar Bohrer-Glas, Julia Binder u. Jochen Eichner

Stand: 11.02.2016

Bei dem Verstorbenen handelt es sich um einen 47-jährigen Mann aus dem Landkreis München. Bei dem Unglück waren 20 Menschen schwer verletzt worden. 62 Menschen erlitten leichte Verletzungen. Eindeutige Hinweise auf die Unglücksursache gibt es weiterhin nicht. Auch die dritte Blackbox ist noch immer nicht gefunden.

Teile des Zuges abgeschleppt

Am Unglücksort sind die Bergungsarbeiten wegen der Dunkelheit unterbrochen, sie sollen am Morgen bei Tageslicht fortgesetzt werden. Polizisten und Sicherheitspersonal bewachen den Unfallort. Die fahrfähigen Teile des einen Unglückszugs konnten am Mittag weggeschleppt werden. Der Zug ist vom Unfallort jetzt zurück nach Bad Aibling geschleppt worden. Anschließend wurde er in Heufeld von der Staatsanwaltschaft sichergestellt.

Die Aufräumarbeiten werden durch die gleichen Umstände erschwert wie die Rettung der Opfer: Die Unglücksstelle liegt in einem Waldstück an einer Hangkante, die steil zu einem Kanal abbricht, und ist nur schwer zu erreichen.

Die Frage nach dem Warum

Rettungskräfte gedenken der Opfer

Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen davon, dass noch Wochen dauern könne, bis Klarheit über die Unfallursache herrsche. Eine 50-köpfige Sonderkommission arbeitet an dem Fall. Das Unglück soll in der kommenden Woche auch Thema im Verkehrsausschuss des Bayerischen Landtags sein.

Bisher gebe es keine Hinweise auf einen technischen Fehler oder auf Fehler bei der Signalbedienung durch einen der Lokführer, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Ein Polizeisprecher vor Ort sagte, ein Fehler oder Vergehen - etwa des diensthabenden Fahrdienstleiters - könne zwar nicht ausgeschlossen werden. Doch sei der Fahrdienstleiter bereits unmittelbar nach dem Zusammenstoß befragt worden. Daraus ergebe sich noch "kein dringender Tatverdacht", so Polizeisprecher Jürgen Thalmeier.

Politiker vor Ort

Ministerpräsident Seehofer im Rathaus von Bad Aibling

Gestern besuchten zahlreiche Politiker aller Parteien den Unglücksort. "Das Schicksal ist grausam. Wenn's weit weg ist, meint man immer, das kann uns nicht treffen", sagte Seehofer, der den Einsatzkräften dankte. Für Gespräche mit Helferinnen und Helfern nahm er sich viel Zeit. Die Einsatzkräfte an der Unglücksstelle in Bad Aibling haben den Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer als ein wichtiges Zeichen der Unterstützung gewertet.

Roth: "Fürchterliche Bilder"

"Wir können uns alle gar nicht vorstellen, wie es ist, in so einem Moment, Menschen, die ums Leben gekommen sind, zu bergen. Das müssen fürchterliche Bilder sein", sagte die Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth. SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher merkte an: "Ich finde nichts schlimmer, als wenn Politiker vor Ort sind als Gaffer. Das müssen wir vermeiden. Deshalb finde ich es toll, dass es hier so gut organisiert ist."

Telefonnummern für Betroffene und Angehörige

Die Notfallseelsorge hat eine Hotline für Betroffene des Zugunglücks von Bad Aibling freigeschaltet. Noch bis Freitag (12. Februar) stehen Seelsorger unter der Nummer 0174/8434727 täglich von 9-18 Uhr für Gespräche zur Verfügung. Die Hotline richtet sich vor allem an Menschen, die nach dem Zugunglück leicht- oder unverletzt nach Hause gegangen sind, aber das Erlebte gern besprechen möchten. Bei Bedarf bietet das Team auch Hausbesuche an.

Für besorgte Angehörige ist das Polizeipräsidium Oberbayern Süd unter der Nummer des Bürgertelefons 08031-2003180 erreichbar.

Ökumenischer Gedenkgottesdienst am 14. Februar ab 16 Uhr

Mit einem Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche St. Georg in Bad Aibling erinnern die katholische und die evangelische Kirche an die Opfer des Zugunglücks vom vergangenen Dienstag. Kardinal Reinhard Marx und Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, die Ständige Vertreterin des Landesbischofs, halten den ökumenischen Gottesdienst gemeinsam mit Angehörigen der Opfer, Unfallbeteiligten, Rettungs- und Hilfskräften. Das Bayerische Fernsehen überträgt live aus Bad Aibling.

Bilder vom Aschermittwoch

Bilder vom Unglücksort

Hier stießen die Meridian-Züge zusammen


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Hans Weiser, Dienstag, 16.Februar, 15:07 Uhr

25. Zugunglück Bad Aibling

Wären solche Unfälle mit vollelekrtonischem Zugverkehr zu verhindern?
Der schwachpunkt Mensch den hätte man nur zur Kontrolle u. könnte keine Fehlentscheidungen mehr treffen.

  • Antwort von Widersprecher, Mittwoch, 17.Februar, 17:50 Uhr

    Nein. Dann gäbe es andere Ursachen.
    Ihr zweiter Satz ist der Widerspruch kn sich. Kontrolle haben und keine Entscheidjngen treffen geht nicht. Wenn ich die Kontrolle über Maschinen jeder Art behalten will, muss ich die letzte Entscheidungsinstanz sein.
    Sonst würden wir Robotern unterstehen. Das birgt wiederum andere Gefahren.

    Die Technik ist schon gut so wie sie ist. Bei Autofahrern und den wesentlich häufigeren Unfällen mit Toten, fordern Sie da auch so drastische Konsequenzen in der Anwendung Auto?

Michael S., Freitag, 12.Februar, 12:30 Uhr

24. Betreuung der Unfallofper

Ich war am 8.6.1975 in einem der Abteile beim Zugunfall in Warngau mit über 40 Toten. Eine Betreung nach dem Unfall gab es nicht. Nach meinen letzten Erste-Hilfe-Leistungen hat mich ein Krankenwagen noch in Holzkirchen abgesetzt. Eine Bekannte aus Bad Tölz hat mich dann abgeholt. Die Nachbetreuung war eine Kombination aus Zigaretten und ausreichend was zu trinken. Am nächsten Tag dann mit dem Bus nach Holzkirchen und mit dem Zug weiter nach Rosenheim bzw. nach Brannenburg zur Bundewehr. Heute benötigt jeder gleich einen Notfallseelsorger für seine Bedürfnisse. Hauptsache man kommt irgendwie in den Vordergrund. Übrigens, 14 Tage später dann Zusammenbruch in München, 12 Tage Krankenhaus mit schweren Prellungen, Rippenanbruch, Gehirnerschütterung u.s.w. Das ganze ging auch ohne irgendeine Betreuung. Nach dem Krankenhaus wieder zum Dienst und weiter geht es. Auch bei späteren Rettungseinsätzen, Bergung von Toten aus dem Gebirge oder Lawinen wurde kein Notfallseelsorger benötigt.

  • Antwort von Victor, Freitag, 12.Februar, 13:41 Uhr

    Toll, dass Sie das berichten. Das finde ich sehr anrührig, dass auch ein Opfer zu Wort kommt.
    Die Entwicklungen sind voran geschritten und ich denke es ist gut, dass heutzutage mehr Nachsorge betrieben wird. Immerhin gab und gibt es die posttraumatische Belastungsstörung, die schon Vietnamkrieger in den Freitod getrieben haben. Insofern haben Sie wohl ohne Hilfe zurück ins Leben gefunden. Anderen gelingt das oft nicht.
    Sie werden wohl der Einzige hier im Forum sein, der das Leid am besten ermessen kann. Danke für ihren Beitrag. Es wird dem einen oder anderen helfen.

    Viele Grüsse
    Vitor

Schmarrenerzaehler, Freitag, 12.Februar, 10:43 Uhr

23. Captain Alex from the flightdeck

B L A C K B O X - ich kann das nicht mehr hören. Wir sind hier bei der Eisenbahn und nicht bei der Fliegerei.Selbst wenn ein fachlich unbedarfter Verkehrsminister derartiges Zeug schwafelt, zeigt das nur, wie fern ihm das Bahnwesen ist. Bei der Bahn wird deutsch gesprochen, aber auch diese Nomenklatur kennt der Mautminister nicht. Aber als politischer Katastrophentourist die Helfer von der Arbeit abhalten und dummes Gequatsche in die Mikros blasen, das bringt der gerade noch fertig. Mit welch hochkarätigem Personal ist der Staat doch gesegnt (oder gestraft)!

  • Antwort von Märchenexperte, Freitag, 12.Februar, 11:56 Uhr

    ...und im nächsten Leben kommen wir alle als kleine Bahnexperten auf die Welt, ja?
    Wie kann man sich an solchen Nebensächlichkeiten aufregen. Wichtigtuer!
    Dumm ist mindestens auch das oben verfasste. Gott, was haben Sie für Umgangsformen?

  • Antwort von Ludwig, Freitag, 12.Februar, 13:52 Uhr

    Schmarrenerzähler - besser konnten Sie ihren Kommentar nicht schmücken.
    Für die englisch wenig bewanderten: EFR Elektronische Fahrtenregistrierung, früher auch Lokschreiber genannt, sonst auch OTMR On-Train-Monitoring-Recorder oder TER Train event recorder bezeichnet. Ist aber doch sch... egal, oder?

Anna, Freitag, 12.Februar, 07:14 Uhr

22. Zugunglück

Fragen an die Hauptverantwortlichen/Schuldigen:
Warum werden eingleisige Strecken überhaupt zugelassen?
Auf Autobahnen sind die Strecken getrennt.
Sind Bahnreisende weniger Wert?

  • Antwort von Mickel, Freitag, 12.Februar, 09:23 Uhr


    Wie kann man man ne Strassenverkehr mit Schienenverkehr vergleichen.

    Diese ganzen selbsternannten Sicherheitsexperten die bei solchen Unglücken immer auftauchen sind echt eine Plage.

    Da passiert einmal in weiß Gott wievielen Jahren ein Zugunglück auf einer eingleisigen Strecke und sofort meinen welche das diese weniger sicher sind.
    Jeden Tag sterben in Deutschland im Durchschnitt fast so viele Leute im Strassenverkehr wie bei diesem Unglück aber keiner redet davon das Auto abzuschaffen. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von Trotzkopf, Freitag, 12.Februar, 10:03 Uhr

    Und trotzdem gibt es Bundesstrassen. Wollen Sie die auch alle ausbauen?
    Es gibt derzeit keinen Schuldigen. Der wäre auch nicht für die Verkehrspolitik verantwortlich. 2 Gleise richten sich nach dem Verkehrsaufkommen. Ohne Bedarf nicht bezahlbar. Forderungen sind immer schnell gesagt, aber wie sieht es dann aus, wenn ihnen z.B. jeden Monat 200.- Euro in der Kasse fehlen? Dann sinkt die Begeisterung schlagartig. Es gibt immer ein riesen Wunschkonzert nach solchen Ereignissen.

  • Antwort von tempelhofer, Freitag, 12.Februar, 10:36 Uhr

    Hat nichts mit sicher bzw. unsicher zu tun. Ist genauso sicher wie eine mehrspurige Gleisautobahn. Voraussetzung... die Prozeduren stimmen.
    --

Jan, Donnerstag, 11.Februar, 23:18 Uhr

21. Lokführer

Es wäre gut, wenn endlich der, in diesem Zusammenhang, anachronistische Begriff des "Lokführers" dem des (korrekten) Triebfahrzeugführers weichen würde. Es sind Triebwagen und nicht Lok-bespannte Züge kollidiert.

  • Antwort von Kleinlein, Freitag, 12.Februar, 03:00 Uhr

    Warum so kleinlich? Jeder normale Nichtbahnexperte, versteht den Begriff Lokführer sehr gut.