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Frage nach Ursache bleibt Schweres Gerät für die Bergung im Einsatz

Nach dem schweren Zugunglück gehen in Bad Aibling die Bergungsarbeiten weiter. Polizisten und Sicherheitspersonal bewachen den Unfallort. Zwei Black Boxen sind mittlerweile ausgewertet. Unsere Reporter berichten im Liveblog.

Von: Dagmar Bohrer-Glas, Julia Binder und Jochen Eichner

Stand: 10.02.2016

"Das Schicksal ist grausam. Wenn's weit weg ist, meint man immer, das kann uns nicht treffen", sagte Seehofer, der den Einsatzkräften dankte. Für Gespräche mit Helferinnen und Helfern nahm er sich viel Zeit.

Ministerpräsident Seehofer im Rathaus von Bad Aibling

Die Einsatzkräfte an der Unglücksstelle in Bad Aibling haben den Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer als ein wichtiges Zeichen der Unterstützung gewertet. Wolfram Höfler, der Einsatzleiter der Feuerwehr von Bad Aibling, sagte dem BR nach dem Besuch:

"Es ist nicht nur Wahlkampf, sondern man hat das Gefühl, es ist ehrliches Interesse und ehrlicher Wille zur Unterstützung."

Feuerwehreinsatzleiter Wolfram Höfler

Laut Höfler war der Besuch Seehofers gut organisiert, so dass die noch immer laufenden Arbeiten an der Unglücksstelle nicht behindert wurden.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner fügte hinzu: "Für mich ist es besonders tragisch, weil es meine direkte Nachbargemeinde ist. Ich bin hier in die Schule gefahren."

Die Ereignisse im Liveblog

Liveblog

Roth: "Fürchterliche Bilder"

Trauer um Opfer in Bad Aibling | Bild: Bayerischer Rundfunk zum Video Unglück in Bad Aibling Politiker vor Ort

Zahlreiche Politiker haben heute den Schauplatz des Zugunglücks vom Faschingsdienstag besucht. Bei den Helfern vor Ort kam das gut an. [mehr]

"Wir können uns alle gar nicht vorstellen, wie es ist, in so einem Moment, Menschen, die ums Leben gekommen sind, zu bergen. Das müssen fürchterliche Bilder sein", sagte die Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth. SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher merkte an: "Ich finde nichts schlimmer, als wenn Politiker vor Ort sind als Gaffer. Das müssen wir vermeiden. Deshalb finde ich es toll, dass es hier so gut organisiert ist."

Beim Frontalzusammenstoß der beiden Meridian-Züge auf der eingleisigen Strecke sind gestern Morgen zehn Menschen ums Leben gekommen. Rund 80 wurden verletzt.

Telefonnummern für Betroffene und Angehörige

Die Notfallseelsorge hat eine Hotline für Betroffene des Zugunglücks von Bad Aibling freigeschaltet. Noch bis Freitag (12. Februar) stehen Seelsorger unter der Nummer 0174/8434727 täglich von 9-18 Uhr für Gespräche zur Verfügung. Die Hotline richtet sich vor allem an Menschen, die nach dem Zugunglück leicht- oder unverletzt nach Hause gegangen sind, aber das Erlebte gern besprechen möchten. Bei Bedarf bietet das Team auch Hausbesuche an.

Für besorgte Angehörige ist das Polizeipräsidium Oberbayern Süd unter der Nummer des Bürgertelefons 08031-2003180 erreichbar.

Schwierige Bergung der Zugwracks geht langsam voran

Experten versuchen seit dem Morgen, die dritte Blackbox aus den Trümmern zu holen. Die anderen beiden Fahrtenschreiber wurden gestern gefunden. Sie werden beim Eisenbahn-Bundesamt ausgewertet.

Die Züge sind ineinander verkeilt

Die Bergung der Züge ist eine komplizierte Aufgabe, da die Unglücksstelle in einem schwer zugänglichen Waldstück nahe der Kläranlage von Bad Aibling am Mangfallkanal liegt. Zwei Kranzüge der Bahn stehen bereit. Sie kommen jedoch erst seit dem Nachmittag zum Einsatz, als die Staatsanwaltschaft die Unglückstelle teilweise freigeben hat. Sie gilt juristisch als Tatort, an dem noch Spuren gesichert werden.

Ein Kranzug auf dem Gleis zur Unglücksstelle

Jetzt wird mit den Spezialzügen der Deutschen Bahn begonnen, die ineinander verkeilten Unglückszüge langsam auseinander zu ziehen. Laut Polizeisprecher Jürgen Thalmeier versuchen die Ermittler danach, in die vorderen Bereiche der beiden Züge zu kommen. Das war bisher nicht möglich. Auch hier wird nach Beweisen gesucht, werden Gegenstände der Reisenden aufgesammelt und die genauen Sitzpositionen der Passagiere rekonstuiert. Die Bergungsarbeiten werden von den Ermittlern genau dokumentiert, es muss sicher gestellt werden, welche Schäden durch den Unfall und welche durch die Bergung entstanden sind. Einer der Kräne versucht momentan auch, den letzten Teil des aus Kolbermoor gekommenen Zuges wieder auf die Schienen zu stellen. Die Bergungsarbeiten sollen heute abend noch bis 22.00 Uhr gehen, morgen früh geht es dann um 06.00 Uhr weiter, so ein Sprecher der Feuerwehr Bad Aibling.

Bilder vom Aschermittwoch

Bewegender Gedenkgottesdienst in Bad Aibling

Trauergottesdienst am Dienstagabend in Bad Aibling

Bei einem Trauergottesdienst in Bad Aibling haben Angehörige, Freunde und Nachbarn am Dienstagabend der Opfer gedacht. "Ein großes Dunkel hat sich heute über Bad Aibling gelegt", sagte Pfarrer Georg Neumaier. Am Ende brannte am Altar ein Lichtermeer. Viele Besucher weinten.

Spekulationen zur Unglücksursache

Von menschlichem Versagen spricht das Redaktionsnetzwerk Deutschland, das mehrere überregionale Zeitungen mit Recherchen versorgt. Ein Mitarbeiter der Bahn soll das automatische Signalsystem außer Kraft gesetzt haben, um einen verspäteten Triebwagen auf der eingleisigen Strecke durchzuwinken.

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd hat diese Meldungen aber am Dienstagabend als "reine Spekulationen" bezeichnet und erklärt: "Das können Sie in den Papierkorb werfen. Wir stehen erst am Anfang der Ermittlungen und können nicht irgendwelche Gerüchte bestätigen." Heute Morgen wiederholte ein Sprecher diese Aussage:

"Wir stehen ganz am Anfang der Ermittlungen. Es wird Wochen oder Monate dauern, bis wir zur Unfallursache Auskünfte geben können."

Ein Sprecher der Rosenheimer Polizei am Aschermittwoch

Bilder vom Unglücksort

Hier stießen die Meridian-Züge zusammen


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