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Nach Unglück von Bad Aibling Reguläre Züge wieder ab morgen Früh

Der Meridian auf der Mangfalltalbahn fährt ab morgen wieder nach Fahrplan. Das Zugunglück von Bad Aibling wird nicht nachgestellt. Im Landtag entbrannte eine Diskussion über die Sicherheit der Bahn in Bayern. Am 16. April bedankt sich die Stadt bei den vielen Helfern.

Von: Hans Häuser und Dagmar Bohrer-Glas

Stand: 19.02.2016

Die Bayerische Oberlandbahn hat angekündigt, dass in den ersten Tagen jeder Meridian-Zug mit einem Fahrgastbetreuer besetzt sein wird:

"Die ersten Züge am Samstagmorgen werden der Meridian 79561 mit Abfahrt in Holzkirchen um 6.37 Uhr und der Meridian 79560 mit Abfahrt in Rosenheim um 6.40 Uhr sein."

 Meldung der Pressestelle Meridian

Bayern bedankt sich für die Unterstützung Tirols

Bei der Bewältigung des Zugunglücks in Bad Aibling hat Staatsminister Marcel Huber (Mitte) sich im Namen der bayerischen Staatsregierung beim Tiroler Landeshauptmann Günther Platter und seinem Stellvertreter Josef Geisler für die grenzüberschreitende Hilfe gedankt.

Insgesamt 150 Kräfte vom Roten Kreuz der Bezirke Kufstein, Kitzbühel und Schwaz, der Bergrettung Mayrhofen, der Grubenwehr Tirol sowie vier Hubschrauber samt Besatzung standen am Faschingsdienstag beim Zugunglück in Bad Aibling bereit. Dabei ist - von der Alarmierung bis zum Einsatz vor Ort - alles reibungslos verlaufen, so die Presseerklärung der Tiroler Landesregierung. Bayern und Tirol führen regelmäßig grenzüberschreitende Katastrophenübungen durch.

Bad Aibling sagt Danke

Bad Aibling veranstaltet am 16. April ein Fest für alle, die beim Zugunglück geholfen haben. Das Organisationsteam will rund 800 Menschen aus Bayern und Österreich einladen - auch die Mitarbeiter der betroffenen Krankenhäuser.

"Das Fest ist als Geste von Bürgern aus der Region für den selbstlosen und unermüdlichen Einsatz gedacht", heißt es in der Ankündigung des Organisationsteams. Darin sitzen Vertreter der Stadt, der Arbeiterwohlfahrt, des Gewerbeverbands und des Vereins "Mut & Courage Bad Aibling", der die Idee für das Fest hatte. Als Location ist die Ausstellungshalle der Stadt vorgesehen.

Bahn-Sprecher: Eingleisig nicht unsicherer als zweigleisig

Im Verkehrsausschuss des Landtags bemühten sich Bahnvertreter am Donnerstag um den Eindruck, die Lage im Griff zu haben: Der Rettungseinsatz sei vorbildlich gelaufen. Es gebe gute psychologische Betreuung, Entschädigungszahlungen seien auf dem Weg.

Laut Klaus Dieter Josel von der Deutschen Bahn ist die Hälfte der 6.000 Streckenkilometer in Bayern eingleisig, wie auch der Abschnitt bei Bad Aibling. Man könne nicht die Aussage treffen, dass diese weniger gesichert seien als zweigleisige. Belege dafür nannte Josel aber nicht.

Konsequenzen aus dem Unglück wollen die Bahnbetreiber erst nach Abschluss der Ermittlungen ziehen. Zur Diskussion stehen Radarsysteme für die Züge, die aber wohl rechtlich schwer umzusetzen wären - und eine verbesserte Kommunikation zwischen Lokführern und Fahrdienstleitern.

Abgeordnete Haderthauer alarmiert

Christine Haderthauer von der CSU reichte die Aussage nicht, dass immer der Mensch das letzte Wort haben müsse. Dass Fahrlässigkeit genüge, um Sicherheitssysteme außer Kraft zu setzen, habe sie erschreckt, so Haderthauer.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt gegen den 39-jährigen Fahrdienstleiter wegen fahrlässiger Tötung. Er soll mit einem Sondersignal einen verspäteten Zug auf die eingleisige Strecke geschickt haben - aus Sicht der Ermittler ein Verstoß gegen die Vorschriften mit fatalen Folgen. Bei dem Unglück am Faschingsdienstag starben elf Menschen, rund 80 wurden verletzt.


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Besserwessi, Freitag, 19.Februar, 07:32 Uhr

11. Können wir langsam das Besserwessigehabe einstellen?

Da gibt es doch glatt noch Leute, die immer noch missionsartig die Bahnterminologie verbreiten wollen. Es hat ja nun jeder kapiert, dass es Ersatzsignal heisst und nicht Sondersignal. Spielt für den Laien aber keine Rolle. Auch Blackboxen oder EFR mit seiner DSK ist nun im letzten Winkel Bayerns angekommen. Aber auch das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Wir wissen ja, das sich die Hobbymärklinexperten mit investigativ und Innovationsanteil ambitioniert und erfinderisch einbringen wollen. Es ist ja nun gut. Einige Experten oder einfacher ausgedrückt "Leute vom Fach" fanden sich aber tatsächlich in den Kommentarspalten.und haben viel abenteuerlichen Mist und Spekulation bereinigt. Das war sehr hilfreich. Man darf nicht vergessen, dass Journalisten auch nicht sofort das Bahnlatinum bzw. die Betriebsvorschriften und Technik kennen. Somit denke ich, war es ein sinnvoller Beitrag von Leuten vom Fach. Konfus wird es, wenn sich die "Möchte-gerns" und Halbwisser einmischen.
Meine Meinung!

Oliver S., Donnerstag, 18.Februar, 21:48 Uhr

10.

"... Man könne nicht die Aussage treffen, dass diese weniger gesichert seien als zweigleisige. Belege dafür nannte Josel aber nicht..."

Was soll dieser Quatsch? Welche Belege sollte Hr. Josel denn dafür liefern, dass eingleisige Strecken genauso sicher sind, wie zweigleisige? Zudem kann es einen solchen Unfall auf einer zweigleisigen Strecke genauso geben. Denn auch diese werden zuweilen eingleisig befahren, z.B. wenn ein Zug liegen geblieben ist, an Baustellen, etc.

Und eines müssen wir schmerzlicher Weise wohl akzeptieren: 100 % Sicherheit in der Technik ist unmöglich. Die Technik kann noch so modern und neu sein, es wird immer irgend ein kritisches Ereignis geben. Und am Ende steht über der Technik doch noch der leider nicht unfehlbare Mensch. Könnte am Beispiel Leit- und Sicherungstechnik der Mensch nicht eingreifen, dann würde im Fall von Störungen der Betrieb still stehen und es könnten defekte Fahrzeuge nicht einmal mehr abgeschleppt werden.

Tommy, Donnerstag, 18.Februar, 20:55 Uhr

9. Bad Aibling sagt am 16. April Danke

Eine nette Geste und ein Dankeschön für die professionelle, gefährliche und belastende Arbeit aller Helfer!

  • Antwort von Gott vergelt's, Donnerstag, 18.Februar, 21:39 Uhr

    Natürlich ist das alles gut und richtig.
    Ob den Helfern aber wirklich nach "feiern" zu Mute ist, fällt mir schwer zu glauben. Zu "feiern" gibt es doch überhaupt nichts. Dennoch sollen sich die Leute mit ihren Familien zusammensetzen und über das Geschehen miteinander reden. Vielleicht hilft das ja auch.

Richard, Donnerstag, 18.Februar, 20:44 Uhr

8. Diverse

Erstens:

Die Aufzeichnung der Zugfahrt findet eben nicht auf "sogenannten Blackboxen" statt. Das Bauteil heißt Datenspeicherkassette (DSK). Das betreffende Signal heißt auch nicht Sondersignal, sondern "Ersatzsignal". Alles Dinge, die man wissen kann, wenn man die PK vom 16.02. angesehen hat.

Nun zur Sicherheit:

Radar? Ernsthaft? Die Ideen werden langsam lächerlich. Ein Fahrdienstleiter hat einen ganzen Haufen Prüfschritte abzuarbeiten, bis er ein Ersatzsignal stellen kann, eben weil die Schaltlogik im Stellwerk in dem Fall nicht mehr aufpasst. Das Vergessen eines der Prüfschritte führt eben nicht zu dem Unfall, da muss schon mehr missachtet werden. Zweigleisige Strecken sind auch nicht per se sicherer, da auch dort in vielen Fällen beide Gleise für beide Richtungen benutzt werden können.

  • Antwort von Tommy, Donnerstag, 18.Februar, 22:18 Uhr

    Umgangssprachlich ist es ok wenn von Blackbox gesprochen wird. Das Gerät ansich heißt Elektronische Fahrtenregistrierung EFR. Als Speichermedium dient heute neben der Datenspeicherkassette DSK10 die hier verwendete DSK20 mit einer PCMCIA-Flashcard.
    Der Begriff Sondersignal wurde aber auch auf der PK verwendet, was aber nicht sehr glücklich gewählt ist. Gemeint war das Ersatzsignal Zs 1 aus der Gruppe der Zusatzsignale.
    Mehr Technik bedeutet nicht unbedingt mehr Sicherheit. Mehr Technik führt aber zu mehr Störungen. Hier muss dann eine Abwägung stattfinden.

  • Antwort von Enrico Pelocke, Freitag, 19.Februar, 03:06 Uhr

    Die Bezeichnung Sondersignal steht zwar nicht im Signalbuch und nicht in der Fahrdienstvorschrift. Aber dieses Signal wird nicht im Regelbetrieb angewendet, sondern bei Abweichungen vom Regelbetrieb, also bei Sonderfällen. Deshalb ist die Bezeichnung Sondersignal nicht falsch.

  • Antwort von Stussminister, Freitag, 19.Februar, 10:47 Uhr

    Danke für die richtige Erklärung der Begriffe aus dem Bahngeschaeft.
    Aber soll man den Journalisten die unzutreffende Terminologie um die Ohren hauen, wenn noch nicht einmal ein Bundesminister für Verkehr weiß, was und
    worüber er redet?

Michael BERNHARD, Donnerstag, 18.Februar, 15:39 Uhr

7. Konsequenzen aus dem Zugunglück bei Bad Aibling

Durch diesen schrecklichen Unfall haben 11 Menschen ihr Leben verloren, über 80 Menschen wurden, zum Teil schwerst, verletzt. Ob diese Katastrophe auf menschliches Versagen zurückzuführen ist oder ob eine technische Ursache dafür ursächlich gewesen wäre spielt für mich eine untergeordnete Rolle.
Fakt ist, dass dieser Unfall geschehen ist, weil er geschehen konnte- auf einem eingleisigen Streckenabschnitt.
Ich richte deshalb an alle Verantwortlichen die Frage, ob es heutzutage noch zeitgemäß ist, Züge auf eingleisigen Strecken fahren zu lassen.
Auch wenn es die hundertprozentige Sicherheit nie geben kann, müssen wir alles dafür tun, um menschliches wie technisches Versagen so weit wie möglich auszuschließen.
Anfangen könnte man u. a. damit, die heute noch eingleisigen Streckenabschnitte zweigleisig auszubauen, um diesen Risikofaktor auszuschalten.

  • Antwort von Mickel, Donnerstag, 18.Februar, 16:00 Uhr

    Auf zweigleisigen Strecken wird es aber auch keine 100% Sicherheit geben und was nun?

    So tragisch der Unfall auch ist so selten sind solche Unfälle, jetzt in übertriebenen Aktionismus zu verfallen wäre falsch.

    Wissen sie eigentlich wie dicht manche Häuser an den Gleisen stehen also all diese Häuser abreißen und Schienen hinklatschen die keiner braucht?

  • Antwort von Manfred, Donnerstag, 18.Februar, 16:54 Uhr

    2-gleisige Strecken sind NICHT sicherer als eingleisige. - Grobe Fahrlässigkeit oder Missachtung der Vorschriften kann auch dort ganz schnell zu einem fatalen Unfall führen.
    Abgesehen davon, dass viele 2-gleisige Strecken sowieso im Wechselbetrieb genutzt werden, also auf jedem Gleis können Züge in beiden Richtungen fahren.
    (Das alles wurde hier aber schon x-mal erklärt. *seufz*)

  • Antwort von Klugscheisser, Freitag, 19.Februar, 07:18 Uhr

    Wenn wir jetzt immer noch am klugsch... sind, dann will ich noch ein paar andere Tragödien erwähnen. Sie werden ganz gerne unter den Teppich gekehrt.

    Autofahrer sollten auch nicht betrunken Autofahren. Sie sollten die Geschwindigkeiten beachten. Sie sollten auf Bundesstrassen (eingleisigen Strecken;-) nicht verbotswidrig überholen und Frontalcrashs verursachen. Sie sollten sich nicht von Smartphones beim Fahren ablenken lassen, nicht über rote Ampeln fahren, sie sollten nicht so egoistisch fahren und die Liste ginge noch ewig weiter.

    Hat dazu auch jemand super neue tolle Innovationen für diese Fehlerquellen, die es immerhin auf 3400 Tote im Jahr bringt?
    Nein?

    In uns allen steckt ein bißchen ein Fahrdienstleiter.