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Bad Aibling und die Konsequenzen Kontrollbehörde empfiehlt vereinfachtes Notrufsystem

Die Deutsche Bahn hat noch nicht darüber entschieden, wie sie auf den Zwischenbericht des Eisenbahn-Bundesamts (EBA) zum Unglück von Bad Aibling reagieren wird. Das Amt empfiehlt als Konsequenz, die Notrufeinrichtung in den Stellwerken des Typs Bad Aibling zu vereinfachen.

Von: Lorenz Storch

Stand: 08.03.2017

Feuerwehrleute stehen am 10. Februar 2016 vor den verunglückten Meridian-Zügen bei Bad Aibling. | Bild: picture-alliance/dpa/Sven Hoppe

Ob und wie viele Stellwerke dieses Typs die Bahn nun verändern wird, ist unklar. Ein Bahnsprecher betonte auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks, dass es sich bei dem Bericht der Unfalluntersuchungsstelle des EBA um eine Empfehlung handle. Sie decke sich allerdings mit eigenen Erkenntnissen der Bahn:

"Im Hinblick auf die Umsetzung dieser Empfehlung sind wir mit dem EBA in Kontakt. Einzelheiten dieser Umsetzung können wir derzeit noch nicht nennen."

Ein Sprecher der Bahn zum BR

Der Sprecher betonte, dass das Urteil im Prozess bestätigt habe, "dass weder bei den Zügen noch an der Infrastruktur technische Vorrichtungen oder Fehler für das Unglück ursächlich waren".

Das Eisenbahn-Bundesamt ist die Aufsichts-, Genehmigungs- und Sicherheitsbehörde für Eisenbahnen und Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland; es untersteht dem Bundesverkehrsminister.

Nur noch mit einem Knopf

Das Telefon, von dem der Fahrdienstleiter die Notrufe falsch abgesetzt hat.

Der zuständige Fahrdienstleiter hatte das Zugunglück im Februar 2016 mit zwölf Toten und 89 Verletzen noch zu verhindern versucht, indem er zwei Notrufe absetzte. Er drückte jedoch in beiden Fällen den falschen von zwei Knöpfen am Notrufapparat. Seine Anweisung zum Nothalt erreichte deshalb nicht die Lokführer, sondern nur die benachbarten Stellwerke.

Das Eisenbahn-Bundesamt empfiehlt nun, an den Notrufapparaten dieser Bauart nur noch einen Knopf vorzusehen. Bisher sind "Zugfunknotruf" und "Notruf Strecke" getrennt. Künftig sollen mit einer Taste sowohl die Lokführer, als auch die Stellwerksmitarbeiter und mögliche Arbeiter an der Strecke auf einmal erreicht werden. Umsetzen müsste diese Sicherheitsempfehlung die Netzsparte der Deutschen Bahn.

Der 40-jährige Fahrdienstleiter wurde im Dezember zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Er hatte bis kurz vor dem Unglück verbotenerweise ein Spiel auf seinem Handy gespielt und war deshalb abgelenkt.


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Causa, Donnerstag, 09.März, 16:19 Uhr

2. "...müsste der Fahrdienstleiter umgehend aus der Haft entlassen werden"

Also ist spielen mit Smartphones während verantwortlicher Tätigkeiten erlaubt?

Schuldige sind immer die Institutionen oder Unternehmen, weil dort mehr zu holen ist?

Ein merkwürdiges Unrechtsbewusstsein.

Matthias Honold, Mittwoch, 08.März, 12:32 Uhr

1. Schlag ins Gesicht

Die Ausführungen der zuständigen Behörde zeigen deutlich, dass das Urteil gegen den Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG auf dem Stellwerk ein politisches Urteil war und er ein Bauernopfer der maroden Deutschen Bahn AG.

Zugleich ist die Empfehlung ein Schlag ins Gesicht der Deutschen Bahn AG, die mehr als heruntergewirtschaftet ist. Es zeigt deutlich, dass der Unfall nicht hätte passieren müssen, wenn die Deutsche Bahn AG ihre Infrastruktur nicht mit mittelalterlichen Geräten bedienen würde.

Eigentlich müsste der Fahrdienstleiter umgehend aus der Haft entlassen werden und die bei der Deutschen Bahn AG Verantwortlichen hinter Gittern wandern. Nicht nur wegen Bad Aibling.

  • Antwort von Funktional und ausfallsicher, Mittwoch, 08.März, 12:55 Uhr

    Oh, was schreiben Sie für einen Schmarrn. Der verantwortungslose Fdl hat während der Arbeit auf seinem Mobiltelefon gespielt, obwohl seine ganze Aufmerksamkeit dem Bahnbetrieb gelten sollte. Insbesondere, wenn er Zs1 stellt, muss seine VOLLE Konzentration auf der Strecke liegen, da er hierdurch Sicherungsmechanismen außer Kraft setzt.
    Der einzige Fehler, der man der Bahn machen kann ist, dass der Notruf in zwei Bereiche aufgeteilt wird, nämlich Zugfunk (an Lokführer) und Streckenfunk (an benachbarte Fdl und Streckenarbeiter). Durch die Wahlmöglichkeit entsteht eine Fehlerquelle.

  • Antwort von Paula, Mittwoch, 08.März, 13:17 Uhr

    Idiotensicherheit wird es auch in Zukunft da wo Menschen für Menschen verantwortlich sind, nicht geben. Es gibt andere Berufe, in denen man halt rumwurschteln bzw. seinen privaten Neigungen nachgehen kann, ohne dass es große Konsequenzen hat.