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Kompromiss mit Stadtrat Bad Aiblinger Feuerwehr nimmt sich Auszeit

Die Wogen in Bad Aibling scheinen sich zu glätten. In der Stadtratssitzung verlas Bürgermeister Felix Schwaller eine Resolution. Darin sprach er den freiwilligen Helfern ausdrücklich Respekt und Anerkennung aus. Trotzdem wollen die Feuerwehler ihren Dienst für ein paar Tage niederlegen, ein großer Streik ist jedoch abgewendet.

Von: Julia Binder

Stand: 26.02.2016

Als deutliches Zeichen an die Stadt fuhren die Feuerwehren aus Bad Aibling und dem benachbarten Kolbermoor gestern Abend mit den Einsatzfahrzeugen vor das Bad Aiblinger Rathaus. Über 40 Feuerwehrmänner- und frauen hatten sich versammelt. Dann wurde in der Sitzung eine Resolution verlesen, in der die "großartige ehrenamtliche Arbeit" der Feuerwehr gewürdigt wird.

Psychosoziale Nachsorge am Wochenende

Die Feuerwehrler wollen das Wochenende nun für psychosoziale Nachsorge nutzen. Denn immer noch leidet mindestens die Hälfte der Mannschaft laut Kommandant Wolfram Höfler unter enormen psychischen und physischen Folgen des dramatischen Zugunglücks vom Faschingsdienstag.

Für das Wochenende wird die Feuerwehr aus dem benachbarten Kolbermoor den Dienst in Bad Aibling übernehmen. Dafür hatte Wolfram Höfler rechtzeitig gesorgt. Denn er wolle auf keinen Fall, dass die Bürger und die Kurstadt nicht geschützt seien, so der Kommandant.

Künftig bessere Zusammenarbeit?

Über 40 Feuerwehrmänner- und frauen versammelten sich im Bad Aiblinger Rathaus.

Wie es nach dem Wochenende weitergeht, steht noch nicht fest. Höfler geht aber davon aus, dass dann die Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr und der Stadtverwaltung deutlich besser funktionieren wird und der Ärger beigelegt werden kann.

Die Wogen scheinen sich auch deshalb zu glätten, weil Bürgermeister Felix Schwaller verkündete, dass der umstrittene Referent für Hilfsdienste seine Arbeit im Bereich der Feuerwehr ruhen lassen wird. Dieser Referent hatte laut Feuerwehr-Kommandant Wolfram Höfler seit 20 Jahren für Streitigkeiten zwischen der Bad Aiblinger Feuerwehr und dem Stadtrat gesorgt. Nun, das wird in der Resolution deutlich, ist einzig und allein der Erste Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ansprechpartner bei Fragen zu Gebäuden, Geräten und Fahrzeugen der Feuerwehr.

Streit um einen Userkommentar

Hintergrund der Auseinandersetzung war ein Streit um einen Userkommentar in einem Onlineportal. Der anonyme Schreiber hatte Mitgliedern des Stadtrates vorgeworfen, dass sie sich in den Tagen des Zugunglücks bei den Einsatzkräften nicht hätten blicken lassen. Es habe wie immer der Rückhalt für die Freiwilligen der Feuerwehr durch den Stadtrat gefehlt.

Der Stadtrat vermutete hinter dem Leserbriefschreiber den Kommandanten der Feuerwehr, Wolfram Höfler. Dieser sollte sich dafür entschuldigen. Dies lehnte der Kommandant aber ab.

"Ich entschuldige mich nicht für etwas, was ich nicht geschrieben habe, auch wenn ich den Leserbrief inhaltlich unterschreiben kann."

Feuerwehrkommandant Wolfram Höfler zum BR

Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr hatten wiederholt darüber geklagt, seit Jahren den Respekt und die Unterstützung des Stadtrates vermisst zu haben.

"Wir fordern Respekt! Ein Beispiel hat mich tief erschüttert: Ich sitze bei einer Stadtratssitzung vor verschlossener Türe, werde nach eineinhalb Stunden nicht in die Sitzung gelassen. Nur der Sachbearbeiter kommt raus und erklärt mir: Einstimmig abgelehnt! Eine Begründung gibt es nicht, und ich könnte nach Hause gehen. Da habe ich gesagt, einem Hund würde man wenigstens eine Schale Wasser rausstellen."

Feuerwehrkommandant Wolfram Höfler

Wichtige Arbeit beim Zugunglück

Bei der Zugkatastrophe am 9. Februar waren Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Aibling schon nach wenigen Minuten am Einsatzort, sie haben Verletzte gerettet, Tote geborgen und danach noch tagelang die Bergungsarbeiten der verunglückten Züge begleitet und gesichert.


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Dieter Leimkötter, Freitag, 26.Februar, 14:10 Uhr

14. Ehrenamt und Pflichtaufgabe

Es ist Aufgabe der Gemeinde, für den Brandschutz zu sorgen. Dazu unterhält sie eine Feuerwehr. Hierzulande ist in Orten unter 100.000 Einwohnern, und das sind nunmal die überwiegende Anzahl der Orte, eine Freiwillige Feuerwehr im Einsatz. Wir als Freiwillige übernehmen den Einsatzdienst im Auftrag der Gemeinde und der Bürger gerne. Der Großteil der Bevölkerung und viellecht auch der Gemeinderäte scheint gar nicht bewußt, wie viel wir leisten. Die Wehr, in der ich tätig bin, fährt im Jahr zu rund 400 Einsätzen! Tag und Nacht, bei Wind und Wetter. Und das funktioniert nur mit zeitgemäßer Ausrüstung, guter Ausbildung und einer adäquaten finanziellen Ausstattung, für die wiederum auch die Gemeinden zuständig sind. Ein Großteil der Gemeinden schätzt daher auch die Arbeit der Wehren und leistet Unterstützung wo sie können. Es ist traurig, das das in Bad Aibling anscheinend nicht der Fall ist. Ich habe Respekt vor den Kameraden, die bereit sind, hier ein Zeichen zu setzen.
Dieter Leimkötter

Thomas Borchert, Freitag, 26.Februar, 12:04 Uhr

13. An Heuchelei nicht zu überbieten, oder?

Die Funktionsfähigkeit einer Stadt, hängt sehr stark von der FFW ab und bedarf einer fürsorglichen Pflege, der man nicht mit einer Hochnäsigkeit begegnen kann und darf!
Eine FFW ist keine Funktionseinheit, sondern es handelt sich um Menschen, die das Erlebte auch erst einmal aufarbeiten müssen und zwar mit Hilfe eines KIT, Auszeit und des Stadtrates!
Das man bisher noch nicht auf solch einen Gedanken gekommen ist, den Kommandanten wie ein kleinen Jungen behandelt und sich noch über einen Kommentar beschwert, zeigt unter welcher narzisstischen Persönlichkeitsstörungen dieser Stadtrat leidet ohne zu merken, dass nicht der Stadtrat etwas wichtiges ist, sonder erst durch die FFW gemacht wird!
Denn, müsste nun der Stadtrat wegen der Auszeit der FFW, diese Aufgabe übernehmen, dann würde man doch auch erwarten, das genügend Pempaswindeln zur Verfügung stehen.
Mal einen ganz großen Respekt an die FFW Aibling ausgesprochen, weil die Ersten vor Ort den schwierigsten Job haben!!!
T. Borchert

Schraufstetter Alois, Freitag, 26.Februar, 10:20 Uhr

12. Zugunglück

Meinen ausdrücklichen Respekt vor dieser Leistung. Es wird immer betont, dass der Bürgermeister der Chef der Feuerwehr ist. Das ist nicht so. Der Kommandant ist eigenständig und darf in der Rechtsauffassung nicht von der Politik in Abhängigkeit sein. das wäre fatal! Chef der Feuerwehr ist ausnahmslos der Kommandant. Der Bürgermeister ist der Chef der Liegenschaft, hat aber im Einsatzgeschehen und auf das Führen der Wehr keinen Einfluss. Viele Gemeinden haben die Referenten abgeschafft, so auch in Deggendorf. Unmittelbarer Ansprechpartner für die Feuerwehr muss und darf nur der Bürgermeister selbst sein. Bei der Feuerwehr gibt es auch keine Wünsche! Die Technik ändert sich stetig und somit auch das notwendige Handwerkszeug. Wünsche sind notwendige Bedarfsanforderungen zum Nutzen der Geschädigten. Ich selbst bin als Einsatzleiter gar nicht unglücklich, wenn der Kreis am Unfallort klein bleibt. Trotzdem brauchen wir die Politiker auch vor Ort, um unsere Ziele zu verstärken.

Dietmar P., Freitag, 26.Februar, 10:15 Uhr

11. Feuerwehr

Ich frage mich, warum der "Freistaat Bayern" sich nicht hinter seine Ehrenamtlichen Feuerwehrleute stellt? Es wäre doch nur richtig, wenn Politiker mal etwas für die tun, die ihre Kraft und ihre Gesundheit für die Allgemeinheit aufs spiel setzen. Ein Stadtrat kann so einfach übergangen und die richtigen Leute geehrt werden.

Nachdenklicher, Freitag, 26.Februar, 09:40 Uhr

10. Streit um einen anonymen Userkommentar

Sehr bedenklich, was anonyme User da anrichten können und das die Beteiligten überbewerten. Anonymes Geschreibsel darf nicht den selben Stellenwert haben, wie Meinungen hinter der jemand persönlich steht. Letztlich muss jemand dafür Verantwortung tragen, dann hat es eine reale Bedeutung und Wert.
Die anonyme Meinung ist erst im Falle straf- oder zivilrechtlich Relevanz personifizierbar. Nur dann kann man die scheinbare Anonymität auflösen. In diesem Fall wohl war das nicht gegeben. Deshalb ist für mich so eine Wertung unbedeutend.
Anonyme Beschuldigungen oder Wertungen müssen in der Leserwahrnehmung differenziert werden. Der Stellenwert solcher Meinungsbekundungen sind Ausdruck von Tendenzen, Strömungen oder Richtungen. In den Social Medias kommt das ja noch häufiger vor. Russische Trolle tun ihr übriges. Gerüchte und Manipulation bestimmen das Netz?

Die Frage ist, was solche verantwortungslose Schreiber damit noch alles bewirken können?