7

Seit im Erdinger Moos geflogen wird Der Flughafen München und die Ausgleichsflächen

Vor 25 Jahren wurde der Flughafen eröffnet. Für mehrere Tausend Hektar, die dadurch überbaut wurden mit Pisten und Gebäuden mussten Ausgleichsflächen gefunden werden. Geglückte und weniger geglückte Beispiele

Von: Birgit Grundner

Stand: 17.05.2017

Ausgleichsflächen für den Flughafen München im Erdinger Moos | Bild: BR / Birgit Grundner

Früher wurde das „Erdinger Moos“ auch „Gemüsegarten Münchens“ genannt. Die Moosbauern haben dort Kräuter angebaut, Pfefferminze zum Beispiel, und in die Stadt geliefert. Zwischen den Feldern gab es artenreiche Wiesen und Feuchtgehölze.

1500 Hektar benötigt der Flughafen München - ohne dritte Startbahn

Der Flughafen hat insgesamt 1.500 Hektar geschluckt und nach den Vorgaben der Regierung von Oberbayern für damals 58 Millionen D-Mark fast 350 Hektar Ausgleichsflächen geschaffen – eine Auflage im Genehmigungsbescheid. Ausgleich – das bedeutet beim Naturschutz: Aufwertung, erklärt der zuständige Mann am Flughafen, Klaus Bauernfeind:

"Aufwertung heißt: Ich nehme einen Ackerstandort oder eine intensive Wiese und versuch', die Fläche wieder abzumagern oder auf einem Ackerstandort eine artenreiche Wiese anzusäen und die so zu pflegen, dass sie eine ökologische Funktion erfüllen kann. Damit die überbauten Flächen hier am Flughafen, die vorher diese biologische Funktion erfüllt haben, woanders wieder neu entstehen können."

Klaus Bauernfeind

Zum Beispiel in der Nähe von Eichenried südlich des Flughafens. Dort hat die Flughafen München GmbH neben einer alten Pfeifengraswiese eine Fläche erworben.

"Die dermaßen artenreich wurde, dass mittlerweile fünf Orchideeenarten auf dem Standort leben, Schmetterlinge sich dort tummeln."

Klaus Bauernfeind

Manches ist gelungen, sagt auch Christian Magerl, Freisinger Kreisvorsitzender beim Bund Naturschutz, anderes eher nicht. Ein Beispiel:

"Südlich vom Flughafen wollte man Amphiebienbiotope anlegen, hat aber die Grundwasserabsenkung falsch berechnet. Da laichen vielleicht einzelne Amphibien drinnen ab, aber dass man größere Gewässer geschaffen hätte, war nicht. Das hat sich gebissen mit der Flugsicherheit: Weil Wasserflächen Wasservögel anziehen und Wasservögel sind ein Sicherheitsrisiko für den Flugverkehr, wenn die in die Turbine geraten."

Christian Magerl

Amphibienbiotope sind rar - auch um den Flughafen

Gut die Hälfte aller Ausgleichmaßnahmen erfüllt ihren Zweck nicht, resümiert Magerl, die Bilanz von FMG-Mitarbeiter Bauernfeind fällt deutlich positiver aus.

"Die Ausgleichsflächen san definitiv gelungen. Man muss allerdings dazu sagen, dass 25 Jahre eine sehr kurze Entwicklungszeit sind und zum Beispiel unsere Wälder, die wir hier hinter uns sehen, nach 25 Jahren ihre volle Funktionalität noch nicht erreichen, die brauchen ungefähr 80 Jahre. Bei den Wiesen geht das relativ schnell. Also grad auf Böden, die mineralisch geprägt sind, kann man nach 25 Jahren schon von guten Erfolgen sprechen."

Klaus Bauernfeind

Wenn die dritte Startbahn kommt, muss der Flughafen weitere Ausgleichsflächen anlegen. Gut 1500 Hektar hat die FMG dafür schon angekauft – die Ansprüche sind gestiegen.

"Also früher kann man durchaus sagen, dass 10 Prozent Ausgleich gereicht haben, aber heute sind wir bereits bei einem Wert von eins zu eins. teilweise auch schon darüber."

Klaus Bauernfeind

Christian Magerl steht vor dem Kreuz und blickt auf die Wiese, die der BN der Nutzung entzogen hat.

Der Bund Naturschutz und Christian Magerl wollen dagegen die dritte Startbahn nicht „ausgleichen“, sondern verhindern – auch mit einem gut 1000 Quadratmeter großen Sperrgrundstück. Die BN-eigene Wiese nahe Freising würden für den Startbahnbau gebraucht, die Naturschützer werden sie aber nicht freiwillig hergeben.

"Die ist natürlich für Arten, die Feuchtflächen brauchen hoch wertvoll. Für Arten, die stark rückläufig sind, wie der Kiebitz oder der große Brachvogel, die hier brüten. Also wir haben hier ein ökologisch hochwertvolles Gebiet und es ist ein Unding, dass man hier eine dritte Start und Landebahn plant"

Christian Magerl


7

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Selim, Mittwoch, 17.Mai, 11:22 Uhr

1. Der Handel mit Ausgleichsflächen

sollte einmal überprüft werden.
Bayernweit.
Wie ist der Soll- und der Istzustand dieser Flächen?
Gibt es überhaupt eine Kontrolle?
Gibt es eine flächenübergreifende Kartierung dieser Ausgleichsflächen?
Den Zweck solcher Flächen zu vergessen, kann nämlihc manchmal ganz praktisch sein, wenn keiner mal nachschaut, was daraus geworden ist.