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Manching bei Ingolstadt Aufnahmelager für Balkan-Flüchtlinge eröffnet

In einer ehemaligen Kaserne in Manching bei Ingolstadt werden künftig 500 Flüchtlinge untergebracht, die nur geringe Chance auf ein Bleiberecht haben. Die bayerische Sozialministerin Emilia Müller (CSU) hat das erste Aufnahmezentrum für Balkan-Flüchtlinge eröffnet.

Stand: 01.09.2015

An insgesamt drei Standorten im Raum Ingolstadt sollen künftig rund 1.500 Balkan-Flüchtlinge in speziellen Lagern untergebracht werden: in der Max-Immelmann Kaserne in Manching sowie in zwei Containerdörfer in Ingolstadt.

Schnelle Abschiebung in Heimatländer

Die zuständigen Behörden wollen dort eng zusammenarbeiten. Dadurch sollen abgelehnte Asylbewerber so schnell wie möglich wieder in ihre Heimat zurück geschickt werden. Dafür sollen zusätzlich 200 Staatsdiener arbeiten. Für sie entstehen gerade neue Büroräume. Bayerns Sozialministerin Müller erhofft sich vom Aufnahmelager in Manching eine zügige Abwicklung der Asylverfahren.

"In Manching sind alle Beteiligten unter einem Dach versammelt. Hier arbeiten Verwaltung, Ausländerbehörde, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie das Verwaltungsgericht Hand in Hand. Denn kurze Wege beschleunigen die Verfahren."

Emilia Müller

Das Aufnahmelager

Die Verfahren sollten im Idealfall wenige Wochen dauern, sagte Müller dem Bayerischen Rundfunk am Dienstag. Damit soll ein klares Signal in die Herkunftsländer gesendet werden, dass es keinen Sinn mache, sich auf den Weg zu machen.

"Ich bin zuversichtlich, dass sich die Botschaft schnell herumspricht. Das allein wird nicht reichen. Um Asylmissbrauch zu verhindern, müssen die Leistungen für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern gekürzt werden. Ferner müssen wir den Kreis der sicheren Herkunftsstaaten ausweiten."

Emilia Müller

Überblick:

Mitarbeiter der Ausländerbehörde, des Amtes für Migration und Flüchtlinge und sogar Verwaltungsrichter haben ihre Büros dort bereits bezogen, auch Ärzte sind hier tätig. Im neuen Zentrum ist alles gebündelt: Erstaufnahme, Registrierung, medizinische Untersuchung sowie das weitere Verfahren. Ziel ist es, das Verfahren möglichst zügig abzuwickeln. Flüchtlinge aus den aktuell in Bayern ankommenden Zügen aus Ungarn sind bisher nicht eingetroffen. Laut Regierung von Oberbayern ist dies auch bisher nicht vorgesehen.

Im Regelfall sollen die Flüchtlinge nach spätestens sechs Wochen wieder in ihre Heimat zurückfliegen. Rund 240 Asylbewerber vorwiegend aus dem Westbalkan sind inzwischen eingezogen, ihre Zahl soll noch auf 500 steigen. Außerdem wird es zwei weitere Containerdörfer in Ingolstadt mit weiteren 1.000 Plätzen geben, eines davon ist bereits eröffnet, es ist am P-3-Gelände an der Manchinger Straße.

Bundesweite Kritik an Abschiebelagern

Ein zweites solches Zentrum wird in Bamberg entstehen. Das bayerische Kabinett hatte die Schaffung derartiger Einrichtungen im Juli beschlossen - und dafür in Bayern und auch bundesweit viel Kritik auf sich gezogen.

Der Bayerische Flüchtlingsrat nannte die Einrichtung ein "Sonderlager mit Abschiebeflughafen". Denn auch unter den Flüchtlingen vom Balkan gebe es nach Aussagen des Flüchtlingsrates viele, die einen Anspruch auf Schutz vor Verfolgung hätten, wie etwa die Roma.

"In Manching werden Flüchtlinge qua Herkunft kaserniert und isoliert, um sie am Fließband abzuschieben. Das individuelle Asylrecht verkommt zur Farce, wenn Asylanträge ohnehin nur summarisch geprüft werden und Asylsuchende kaum mehr eine Chance haben, Beratung und Rechtsmittel zu nutzen. Vor allem Minderheitenangehörige aus den Balkan-Staaten haben häufig wichtige Schutzgründe. Dass diese in einem Abschiebezentrum geltend gemacht werden können, ist kaum zu erwarten."

Ben Rau vom Bayerischen Flüchtlingsrat

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