10

"Kosmetik" statt Aufarbeitung KZ-Gedenkstätte Flossenbürg kritisiert Audi

Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg kritisiert die Haltung des Autoherstellers Audi zu seiner braunen Vergangenheit. Das Vorgängerunternehmen "Autounion" hatte an sieben Standorten KZ-Häftlinge beschäftigt.

Von: Thomas Muggenthaler

Stand: 28.01.2016

Eine Montagehalle zur Zeit des 2. Weltkriegs: Hier wurden Panzermotoren gefertigt | Bild: Audi

Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit hatte am Mittwoch in dem Politmagazins "Kontrovers" des Bayerischen Fernsehens die Aktivitäten von Audi "Autokosmetik" genannt und kritisiert, Audi habe "kein wegweisendes Konzept". Das Vorgängerunternehmen von Audi, die Autounion, hat an sieben Standorten KZ-Häftlinge beschäftigt. Autounion war auch ein Rüstungsunternehmen und hatte Flakgeschosse, Panzermotoren und Torpedos produziert.

4.500 Häftlinge starben bei Arbeiten in unterirdischen Stollen

Besonders drastisch waren die Zustände in Leitmeritz in der heutigen Tschechischen Republik, dem größten Aussenlager von Flossenbürg. Dort mussten die Häftlinge ein unterirdisches Stollensystem ausbauen und Panzermotoren für die Autounion produzieren. 4.500 Häftlinge haben das nicht überlebt. Audi verweist darauf, dass der Konzern 2014 eine große Studie zur Geschichte der Autounion im Dritten Reich veröffentlicht hat. Zudem soll heuer in Ingolstadt die nach dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Richard Bruhn benannte Straße einen neuen Namen erhalten.

Gedenkstätte wartet bis heute auf von Audi angekündigte "Kooperation"

Vertreter von Audi waren auch im April 2015 bei der Gedenkveranstaltung zur Befreiung in Flossenbürg. Skriebeleit vermisst aber ein innovative Bildungskonzept für Lehrlinge und die Einbeziehung des mittleren Managments. Ihn stört, dass Audi gegenüber Medien mehrmals auf eine "Kooperation" mit der Gedenkstätte verwiesen hat. "Auf diese Kooperation warten wir bis heute", so Skriebeleit.

Das würde mehr beinhalten als immer mal wieder "Lehrlinge nach Flossenbürg zu schaufeln". Professor Wolfgang Benz hat als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der Gedenkstätte den Vorstandsvorsitzenden von Audi im April letzten Jahr angeregt, dass der Autobauer Bildungskonzepte mitgestaltet und mitfinanziert. Audi hat abgelehnt. Für Audi verwies Jürgen de Graeve darauf, dass Audi intern die Bildungskonzepte weiterentwickeln will.

Alle Regionen

Regionen Bayerns Region Unterfranken auswählen Region Mittelfranken auswählen Region Oberfranken auswählen Region Oberpfalz auswählen Region Niederbayern auswählen Region Oberbayern auswählen Region Schwaben auswählen

10