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Sonderausstellung "Angezettelt" in München Rechte Hetze mittels Aufklebern

"Refugees welcome" war ein Slogan der deutschen Willkommenskultur im Herbst 2015, zu dem es auch den passenden Aufkleber gibt – und gleich mehrere fremdenfeindliche Variationen. Das Münchner NS-Dokuzentrum zeigt in der Ausstellung "Angezettelt" Aufkleber als Mittel rechter Propaganda. Jüngstes Beispiel: Poing.

Von: Lorenz Storch

Stand: 07.03.2017

Poing im Speckgürtel von München – die Jahre 2015 und 2016. Der ganze Ort wird zugepflastert mit ausländerfeindlichen Aufklebern. Immer wieder aufs Neue. Kuratorin Isabel Enzenbach ist dem antifaschistischen Archiv Aida dankbar, dass es die Aufkleber gesammelt hat. In der Ausstellung "Angezettelt" des NS-Dokuzentrums füllen sie einen ganzen Ordner!

So etwas sei alles andere als harmlos, betont der Leiter des Dokuzentrums Winfried Nerdinger. Er erinnert an 1933, als die Nazis Geschäfte mit Aufklebern "Kauft nicht bei Juden" markierten:

"Das war so eine Art Testaktion. Da wollte das Regime herausfinden, wie die Bevölkerung darauf reagiert auf diese Ausgrenzungsaktion. Die Bevölkerung blieb passiv. Und das hat dann eben auch dazu geführt, dass schrittweise immer weiter diese Ausgrenzung betrieben wurde –  bis hin zum Holocaust."

Winfried Nerdinger, Leiter des NS-Dokuzentrums

Judenhass in der NS-Zeit, Ausländerhass heute

Nazi-Propaganda 1940

Wie stark die Parallelen vom Judenhass der NS-Zeit zum Ausländerhass von heute sind, zeigt etwa ein Aufkleber der NPD aus Augsburg aus dem Jahr 2016 – aber in Optik und Formulierung wie 1940: "Deutsche Frau! Halte Dein Blut rein! Fremde dürfen nicht nach Dir greifen!" Ein Heft mit rassistischen Klebemarken aus von 1921 warnt vor dunkelhäutigen französischen Besatzungssoldaten: "Die Negerbestialität! Die Negerpest! Die Negerherrschaft!" Das gleiche Motiv wird 1940 in Nazipropaganda beim Überfall auf Frankreich wieder aufgenommen – und findet sich auch heute wieder.

Genauso der vermeintliche "große Bevölkerungsaustausch", der Deutschland auf neuen Propagandastickern der sogenannten Identitären Bewegung droht. Beim Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund hieß die Warnung noch "Deutschenauswanderung – Judeneinwanderung!".

"Wir-Gefühl über Abgrenzung konstruieren"

Wenn Rechtsextreme heute behaupten, ihr Fremdenhass habe nichts mit Nationalsozialismus und Antisemitismus zu tun, dann stimme das ganz und gar nicht, betont Isabel Enzenbach. Sie sieht starke Parallelen:

"Dass man sich selbst definiert, indem man andere zu Fremden erklärt, von denen man sich sehr stark abgrenzt – im extremsten Fall, die man vertreiben möchte aus dem Land. Also dass man das Wir-Gefühl konstruiert über Abgrenzung. Wir sind die, denen mehr zusteht, und die anderen sollen schlechter behandelt werden. Eine Ungleichheit ist gerechtfertigt."

Isabel Enzenbach, Kuratorin

Rassistischer Aufkleber? Abreißen!

Außerdem der Appell an starke Gefühle wie Hass und Ekel, die die Vernunft ausschalten sollen. Dagegen müsse man etwas tun, betont auch Isabel Enzenbach – selbst wenn es sich "nur" um kleine Aufkleber handele. So wie in Poing vergangenes Jahr: "Wir haben die Gemeinde sensibilisiert, die Polizei eingeschaltet, den Bauhof mobilisiert, dass die auch die Aufkleber wegmachen."

Schließlich wurde ein Täter gefasst. Laut Staatsschutz ein Einzeltäter. Ob das stimmt, ist fraglich. Jedenfalls hat Poing der rassistischen Propaganda nicht einfach zugeschaut. Deshalb: Wenn man so einen Aufkleber sieht, einfach abreißen. Das ist schon mal ein Anfang.

Ausstellungs-Info

Die Ausstellung "Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute" im Münchner NS-Dokumentationszentrum, Brienner Straße 34, ist von 8. März bis 5. Juni zu sehen. Öffnungszeiten und weitere Infos auf der Homepage des Dokuzentrums.


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Ernst, Dienstag, 07.März, 19:55 Uhr

5. Französische Soldaten waren also

immer "vorbildlich"?

  • Antwort von Elsässer, Dienstag, 07.März, 20:09 Uhr

    Relativiert das irgendwas ?!
    Auf die anderen zeigen, zeigt welch Geistes Kind sie sind.

Robert, Dienstag, 07.März, 19:39 Uhr

4. Haltung

" Refugee not Welcome" ist eine politische Haltung. Genau so wie Rente mit 63, Reichensteuer, Kernkraft oder Doppelpass. Man kann dafür sein oder dagegen.

  • Antwort von Wolf, Dienstag, 07.März, 20:05 Uhr

    Nein,eben nicht! Damit sprechen sie Menschen ein gesetzlich garantiertes Grundrecht ab. "Ich scheiße auf das Grundgesetz " ist keine Meinung,sondern ein Vergehen.

  • Antwort von Liberaler, Dienstag, 07.März, 20:11 Uhr

    Rassist sein ist auch eine politische Haltung ?

  • Antwort von Rumplhanni, Dienstag, 07.März, 23:21 Uhr

    „Refugee Welcome“ schwingende Bürger!!! haben wohl auch "Refugee not Welcome" schwingende Bürger!!! zu ertragen? Ich würde mich an beidem nicht beteiligen.

    An „Zu schön für einen Schleier“ kann ich nichts kritisieren. „Schönheit kommt von innen“ - die Ausstrahlung ist Geschmackssache. Wer mit sich „im Reinen ist“, hat Charisma; man kann sich kaum verstellen. Wer sich bei Dunkelheit hinter Sonnenbrille versteckt, hat nicht immer „ein Augenleiden“, wer sich im Sommer mit Schal und Tuch vermummt, ist nicht unbedingt krank, wer sich unter einem Schleier versteckt, nicht immer schüchtern, hat vielleicht sogar etwas zu verbergen. Nicht jede Glatze ist gewollt, ein bunt-gestyltes Büschelchen als Rest macht noch nicht „bunt und vielfältig“, geschweige denn „demokratisch“.

    Sicher gibt es Nazis! Die meisten obiger Plakate möchte ich nicht sehen! Googeln: „Öffentliche Busse mit Hitler-Bildern fahren durch Philadelphia“ Auch solche Busse möchte ich bei uns nicht fahren sehen.

  • Antwort von Rumplhanni, Dienstag, 07.März, 23:37 Uhr

    Ob POLITIKER -=Mitbürger- demokratisch sind, die nötig haben gegen andersdenkende POLITIKER -=Mitbürger- zu Demos aufzurufen, frage ich? Gegen „Rechtspopulisten“ halb Europas, die es seltsamerweise vermehrt gibt! Wer anderer politischer Meinung ist, ist Nazi?

    LINKE-Kipping/GRÜN(?)Özdemir zeigen auf E. Anschuldigungen ihr politisches „Verständnis“. In SPD sind sicher nicht nur für „Gottkanzler“ und aufgrund kläglichen „Veggie für Gäste“ 10.000 UNBEKANNTE in Partei eingetreten!

    K-Karrenbauer zur Ehe für Alle: "Wenn wir diese Definition öffnen …, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen“. Für „Verständige“ klingt das diskriminierend, für mich nicht.

    Was über 40 J teils nicht gelungen ist, fangen wir durch Sturempörte, Kleinkarierte, vermeintlich Weltoffene, angeblich Verständige und politische U-Boote von vorne an. Mit manchen Politikern und deren „Vorstellungen“ könnte ich gleich nach „Ups“ ziehen.

Rosl, Dienstag, 07.März, 18:53 Uhr

3. Der klebrige Staatsfeind

Seltsam, die Geschwister Scholl, die verbotenerweise kommunistische Flugblätter verteilt haben, gelten heute als Superhelden. Aber wenn man einen kleinen Aufkleber gegen Invasoren anbringt, ist man plötzlich ein Staatsfeind.

  • Antwort von Wolf, Dienstag, 07.März, 19:18 Uhr

    Nein,kein Staatsfeind,aber halt einfach ein kleiner,doofer Rassist.

  • Antwort von Wolf, Dienstag, 07.März, 19:23 Uhr

    Übrigens,allein der Vergleich der Geschwister Scholl mit dumpfen, braunen,feigen kleinen Nazis die rassistische und antisemitische Aufkleber verbreiten gehört schon strafrechtlich untersucht. Menschlich und sozial ist das sowieso unterste Schublade.

B.Dieter, Dienstag, 07.März, 18:09 Uhr

2. Hetze u. Hass am Beispiel von Claudia Roth.

Wenn lupenreine Antidemokraten aus der Türkei nach Deutschland kommen, um hier für die Abschaffung von Rechtsstaat und Parlamentarismus in der Türkei zu werben, dann müsse das hingenommen werden. Das mache eben die Stärke unseres Rechtsstaates aus, dass er unliebsame Auftritte, Meinungen und Botschaften aushält.
Wenn aber ein ein deutscher Lokalpolitiker, der sich im Ton gegenüber Claudia Roth vergreift, eine „unliebsame“ Meinung über sie äußert? Das geht zu weit! Das ist „Verrohung“! Dann zieht Frau Roth vor Gericht, die Debatte müsse fair bleiben und demokratisch geführt werden. Und wenn sie in der ersten Instanz scheitert, dann versucht sie es bei der nächsten, denn Schmähungen hinzunehmen, gehört nicht zu ihren Stärken. Das verlangt sie nur „unserem Rechtsstaat“ ab. An sich ganz logisch, denn die Türkei ist ihre bevorzugte Heimat incl. Villa, ist ihre Freundin und Deutschland eben nur ein "mieses Stück Scheiße"
M.f.G.

  • Antwort von Wolf, Dienstag, 07.März, 19:16 Uhr

    Erdogan ist,genauso wie Orban,ein demokratisch gewählter Regierungschef. Selbstverständlich kann man anderer Meinung sein als die beiden,das bin ich auch,aber das gibt uns nicht das Recht beide nicht einreisen zu lassen. Gleiches gilt für Putin,ein Antidemokrat reinsten Wassers. Insofern hat Frau Roth selbstverständlich recht! Und wenn Frau Roth die Justiz in Anspruch nimm ist auch das ihr gutes Recht,also was wollen sie eigentlich? Sie wollen ablenken und blenden wie immer! Ihr Kommentar hat mit obigem Artikel absolut nichts zu tun,nur der übliche Bullshit!

Hadschi Halef Omar ben Hadschi etc. etc. etc., Dienstag, 07.März, 17:02 Uhr

1. Schlimme Sache!

Wer weis, was zu Tage käme, könnte man die mancherorts angebrachten arabischen Schriftzüge lesen!

  • Antwort von Wolf, Dienstag, 07.März, 18:28 Uhr

    Was soll das jetzt? Wahrscheinlich steht auf den arabischen Aufklebern daß viele Deutsche Rassisten und Neonazis sind. Was soll es bringen ein Vergehen mit einem anderen aufzurechnen,das ist reine AfD-Denke. Hauptsache ablenken und verwirren.