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Nach Phallus-Skandal Transsexuelle und Faschingsverein versöhnen sich

Amanda Reiter hat sich diskriminiert gefühlt, als sie von dem Faschingsumzug in ihrem Heimatort Lenggries hörte. "Spaßvögel" thematisierten auf verletzende Weise ihre Transsexualität. Jetzt haben sich Reiter und die Vorstände des Faschingsvereins versöhnt.

Von: Julia Binder

Stand: 27.02.2016

Amanda Reiter und Michael Gascha (Vorstand des Faschingsvereins Lenggries "Mia sans") | Bild: BR/Julia Binder

Amanda Reiter, die vergangenes Jahr ihr Geschlecht umwandeln ließ, machte den Wagenbauern deutlich, wie sehr sie sich persönlich verletzt fühlt durch den Faschingswagen: Dort setzte eine große Schere unterhalb eines aus dem Wagen ragenden Phallus zum Schnitt an.

"Eine transsexuelle Frau öffentlich an den Pranger zu stellen, ist Diskriminierung."

Amanda Reiter

Werbung um Verständnis für Transsexuelle

Sie wolle gegen die Burschen oder den Faschingsverein nicht rechtlich vorgehen, sondern lieber für Verständnis für homo- und transsexuelle Menschen werben.

"Das ist gottgegeben, das haben wir uns nicht ausgesucht. Mein privates Leben als Faschingsscherz ist nicht geeignet, das ist ein No Go."

Amanda Reiter

Die 24 Burschen und der Vorstand des Faschingsvereins entschuldigten sich alle persönlich bei Amanda Reiter. Sie hätten nicht so weit gedacht, dass ihr Wagen so verletzend wirke und sie bereuen "den Schmarrn" zutiefst.

Entschuldigung angenommen

Diese ehrlich gemeinte Entschuldigung nahm Amanda Reiter gerne an. Sie will weiter offen mit ihrer Transsexualität umgehen. Damit möchte sie auch Vorbild sein für die vielen trans- oder homosexuellen Menschen, die ihre Sexualität aus Angst oder Scham verstecken. Aus den Fehlern, die beim Faschingsumzug in Lenggries gemacht wurden, könne jetzt gelernt werden, so die Einschätzung aller nach der offenen Aussprache.


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Sarah H., Sonntag, 28.Februar, 23:52 Uhr

4. Spassvögel ??

Gesetzt den Fall der Bürgermeister wäre bei einer Herzschrittmacher-OP verstorben, was hätten die denn dann auf dem Wagen gehabt ?? Ein medizinisches Problem darf doch niemals zum Fasching thematisiert werden ... ??
Gute Lösung Amanda, ich denke nicht das ich so nachsichtig gewesen wäre.

LG Sarah

Alexia, Samstag, 27.Februar, 23:12 Uhr

3. Wortwahl

"Amanda Reiter, die vergangenes Jahr ihr Geschlecht umwandeln ließ, ..."
Nein. NEINNEINNEINNEINNEIN!
Die Prozedur, welcher sich Amanda Reiter unterzieht ist keine Geschlechtsumwandlung sondern eine Angleichung. Das wichtigste Geschlechtsorgan sitzt nicht zwischen den Beinen sondern zwischen den Ohren. Sie ist nie ein Mann gewesen, welcher sich "umwandeln" ließ. Das ginge auch garnicht. Was aber geht ist eine Angleichung des Körpers an das eigene Geschlecht, sowie ein Wechsel zu einem Namen, welcher (anders als der bei der Geburt zugewiesene) zum eigenen Geschlecht passt.

noli me tangere, Samstag, 27.Februar, 17:20 Uhr

2. Niedrige Duldungsschwelle

Was an so einem Faschingswagen witzig sein soll, muss sich nicht erschliessen.
Dennoch mögen die Narren viel Gestaltungsfreiheit haben. Guter Geschmack darf aber nicht ueber Bord geworfen werden.Wenn aber bei allem Tun die Schere im Kopf wirkt, und man nun ja keinem auf den Schlips treten will, erstirbt bald jegliche Kreativität.

Francesco, Samstag, 27.Februar, 10:42 Uhr

1. So geht's

So stelle ich mir Konfliktlösung vor. Respekt !!!