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Nachfolger für Max Mannheimer Abba Naor Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitee

Der KZ-Überlebende Abba Naor ist zum Vizepräsidenten des Internationalen Dachau Komitees gewählt worden. Die 1945 gegründete Organisation vertritt die Interessen der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau und ihrer Nachkommen.

Von: Thies Marsen

Stand: 20.03.2017

Der KZ-Überlebende Abba Naor, aufgenommen am Donnerstag (03.12.2009) in München (Oberbayern) bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Mit der Auszeichnung wird Chanochs langjährige Aufklärungs- und Versöhnungsarbeit gewürdigt, die er als Zeitzeuge u.a. an Schulen leistet. | Bild: picture-alliance/dpa, Foto: Tobias Hase dpa/lby

Mit seinen 88 Jahren ist Abba Naor einer der letzten noch lebenden ehemaligen KZ-Häftlinge. Im Internationalen Dachau-Komitee tritt er nun die Nachfolge des im September verstorbenen Max Mannheimer an.

Abba Naor an der Tür der KZ-Gedenkstätte Dachau

Er wolle für eine bessere Zusammenarbeit sorgen zwischen Komitee Staatsregierung und Gedenkstätten-Stiftung, kündigte Naor an.

Abba Naor war noch fast ein Kind, als er von seiner Heimat Litauen aus in den Dachauer KZ-Außenlagerkomplex Kaufering bei Landsberg deportiert wurde, wo zehntausende Juden für die Nazis Zwangsarbeit leisten mussten. Abba Naor schuftete als 16-Jähriger im sogenannten Lager XI in Utting am Ammersee für die Firma Dyckerhoff & Widmann.

Reaktionen auf den Tod Max Mannheimers

Stadt München

"Der Tod von Max Mannheimer ist ein großer Verlust für unsere Gesellschaft und insbesondere für die Stadt München. [ ... ] Max Mannheimer war als Überlebender des Holocaust einer der wichtigsten Mahner und Versöhner in einer Person und ein herausragender Botschafter des demokratischen Deutschlands. Unermüdlich ist er in den letzten Jahrzehnten unterwegs gewesen, um die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wach zu halten und gerade junge Menschen für diese Zeit zu sensibilisieren. Sein Motto war, wie es das Motto von uns allen sein muss: Wir dürfen nicht vergessen.“
Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in einer Pressemitteilung

KZ-Gedenkstätte Dachau

"Wir verlieren einen guten Freund. Einen Mann, der sich wie keinZweiter mit seiner ganzen Person eingebracht, um gegen das Vergessen anzukämpfen und gleichzeitig als Versöhner aufzutreten." Kinder erreichte er mit den Worten: "Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon."
Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann zum BR

Bundesregierung

"Kanzlerin #Merkel trauert um Max #Mannheimer – Holocaustüberlebender, Mahner gegen das Vergessen + großer Versöhner. Wir schulden ihm Dank."

Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert

Bayerische Staatsregierung

"Der Tod Max Mannheimers ist ein schmerzlicher Verlust. [...] Als Holocaust-Überlebender hat Max Mannheimer unermüdlich gegen das Vergessen angekämpft und gleichzeitig sein Leben in den Dienst der Versöhnung gestellt. Dabei hat er mit leidenschaftlichem Engagement eine Brücke gerade zu den jungen Menschen gebaut.
Max Mannheimer war mir stets ein wertvoller Gesprächspartner. In zahlreichen Begegnungen habe ich ihn als eine einzigartige Persönlichkeit kennengelernt. Unvergesslich bleibt mir unsere gemeinsame Reise nach Israel vor vier Jahren. Von Max Mannheimer stammt der Satz: ‚Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.‘ Dieser Satz Max Mannheimers bleibt unser Auftrag heute und in Zukunft. Das ist unsere Verantwortung."
Ministerpräsident Horst Seehofer in einer Pressemitteilung

Kulturstaatsministerin Grütters

"Mit Max Mannheimer verliert die Bundesrepublik eine tief beeindruckende, herausragende Persönlichkeit. [...] Zeitzeugen-Stimmen wie diejenige Max Mannheimers haben großen Anteil an der Erinnerungskultur, die Deutschland mühsam erlernt hat. [...] Wir werden ihm immer dankbar bleiben für seinen unschätzbaren Beitrag bei der Aufarbeitung dieses dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte und für sein Engagement zur Wiederannäherung zwischen Deutschen und Juden in der Bundesrepublik und der Welt. Deutschland muss sich in Zukunft auch ohne die großen Zeitzeugen wie Max Mannheimer in der historischen und moralischen Bewältigung seiner jüngeren Geschichte bewähren."
Pressemitteilung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters

Internationale Auschwitz Komitee

"Max Mannheimer war ein Überlebender des Grauens, der die Menschen trotz aller bitteren Erfahrungen liebte." Christoph Heubner, Vizepräsident des Komitees erklärte in einer Mitteilung: "Viele dieser jungen Menschen hat er in ihrer Entscheidung für die Demokratie, gegen den Antisemitismus und gegen den Hass entscheidend geprägt."

Stiftung Bayerische Gedenkstätten

"Das ist ein unersetzlicher Verlust! Max Mannheimer hat Großartiges für Frieden, Versöhnung und Demokratie geleistet!“

Stiftungsdirektor Karl Freller, CSU

Bündnis 90/Die Grünen

"Sehr traurig & zugleich beglückt, dass ich ihn so nah kennenlernen durfte! Was für ein Mensch! Wirklich #Tränen&Lachen zugleich."
Claudia Roth, Grüne, Bundestags-Vizepräsidentin via Twitter

"Er war ein Großer und Deutschland hat ihm viel zu verdanken. #Shoa #niewieder #Verantwortung"
Tweet von Katrin Göring-Eckardt

SPD

"Max Mannheimers Mahnen und sein Leben sind für uns alle Verpflichtung und Auftrag zugleich." Vorsitzender der Bayern-SPD Florian Pronold

Max Mannheimer Studienzentrum

"Max Mannheimer ist gestern Nachmittag verstorben - wir verlieren so viel mehr, als nur den Namensgeber unserer Einrichtung."

MMSZ bei Twitter

Nach der Befreiung durch die US-Armee lebte Abba Naor zunächst im Landsberger Lager für "Displaced Persons. Danach wanderte er nach Israel aus, kämpfte im Unabhängigkeitskrieg und arbeitete schießlich für den Geheimdienst.

Zeitzeuge für die Nazi-Gräuel

Trotz der schrecklichen Erfahrungen blieb er in engem Kontakt mit Deutschland. Er lebte hier auch einige Jahre und berichtet seit den 1990er Jahren regelmäßig als Zeitzeuge von seinen Erlebnissen – vor Schulklassen und bei Gedenkveranstaltungen.

Auch als vor zwei Jahren Bundeskanzlerin Merkel an der Gedenkveranstaltung zum 70.Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau teilnahm, war es Abba Naor, der im Namen der Überlebenden das Wort ergriff..


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