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Geisterstadt in Freimann Die schwierige Sprengstoffmittel-Räumung

In Freimann mussten etwa 200 Menschen ihre Häuser für längere Zeit verlassen. Die schwierige Beseitigung der Kampfmittel läuft. Die gesperrte Straße im Evakuierungsgebiet wirkt jetzt wie eine Geisterstadt.

Von: Martin Breitkopf

Stand: 21.03.2017

Die Vögel pfeifen, bunte Krokusse spitzen aus der Erde, an der Tür hängt Osterdeko. Doch weit und breit ist kein Mensch, die Rollläden runtergelassen, die Häuser verlassen – die Kieferngarten Siedlung wirkt wie eine Geisterstadt, ein Sperrgebiet. Direkt nebenan geht das Leben aber weiter -  Manfred Hackl bringt gerade den Müll raus – sein Haus grenzt direkt ans Evakuierungsgebiet:

"Das letzte bewohnte Haus ist es. Da ist die Grenze so gezogen worden – keine Ahnung warum so, aber mir ist es lieber im eigenen Haus als im Hotel, aber man hat ein mulmiges Gefühl und einsam ist es geworden. Schlafstörungen habe ich deswegen nicht aber ein bißchen ein komisches Gefühl hat man halt einfach."

Manfred Hackl

Dafür steht Familie Hackl jetzt unter Polizeischutz – rund um die Uhr! Direkt vor dem Haus schieben Sicherheitsleute Wache. Hier darf keiner rein. In einem Radius von 100 Metern um die Sprengstofffundstelle herrscht Lebensgefahr. Keiner weiß, wieviel Tonnen Minen, Granaten und Munition hier lagert.  Dementsprechend vorsichtig gehen die Experten vom Kampfmittelräumdienst voran.

"Ein Baggerfahrer von einem Minibagger hebt eine Schaufel aus dem Erdreich – legt diese beseite – anschließend sind dann vier Mann vom Kampfmittelräumdienst dabei die einzelnen Munitionsstücke aus dem Erdreich rauszusuchen, deshalb ist die Arbeitszeit sehr sehr lange, weil die nur mit kleinen Schaufeln und Besen diese Munitionsstücke raussuchen."

Johannes Schorer von der Berufsfeuerwehr München

Im Zweischichtbetrieb wird von Sonnenaufgang bis -untergang – Eigentlich sollte der Spuk nur 10 Tage dauern – doch es gibt Komplikationen. Das Haus, in dessen Garten der Sprengstoff gefunden wurde,  ist jetzt auch noch einsturzgefährdet. Das stellt Sprengstoffexperte Heinrich Scho vor eine neue Herausforderung.

"Die Bausicherheit ist ein sehr großes Problem, weil ein Teil des Gebäudes im Becken drin steht mit dem Fundament, das wir wegbrechen müssen. Dafür haben wir einen Spezialisten und einen Statiker, um das abarbeiten zu können."

Sprengstoffexperte Heinrich Scho

Zwar läuft die Beseitigung der Kampfmittel aus dem Weltkrieg II. weiter doch halt langsamer und es bleibt brandgefährlich in der Siedlung.  Rund 200 Anwohner sind evakuiert – die meisten wohnen jetzt im Hotel. Andere wie  Manfred Kohl  sind bei Freunden untergekommen. Ruhig schlafen könnte er in seinem Haus sowieso nicht mehr.

Das Evakuierungsgebiet im Stadtteil Freimann

"Wenn ich weiß, dass ich auf einem Pulverfass wohn', dann hätte ich keine ruhige Minute mehr, weil es kann ja irgend eine Kleinigkeit sein und dann fliegt man in die Luft . Natürlich macht man sich Sorgen. Aber es ist halt mal so: man kann es nicht ändern, aber es wird ja auch mal vorbei gehen."

Manfred Kohl

Wie lange es aber noch dauert, bis die Tonnen von Sprengmittel beseitigt sind, weiß keiner genau.

Die Betroffenen brauchen jetzt also vor allem Geduld – und die Siedlung in Freimann bleibt bis auf weiteres eine Geisterstadt.


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Kommentare

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Bürger, Dienstag, 21.März, 22:18 Uhr

4.

Wie ich der Berichterstattung entnehmen durfte handelt es sich bei den Baugrundstück um Erbpacht das nur für 99 Jahre verpachtet wird und dann eventuell wiederverlängert.
Und so mit ist die Hausbesitzerin nicht für die Kosten verantwortlich da Ihr das Grundstück nicht gehört.

  • Antwort von Andrea, Mittwoch, 22.März, 17:38 Uhr

    hi Bürger

    Zu Ihrem Punkt:

    "Und so mit ist die Hausbesitzerin nicht für die Kosten verantwortlich da Ihr das Grundstück nicht gehört. "

    Nein, das Grundstueck gehört ihr, weil Ihre Eltern es in den 1950ger Jahren von der Stadt gekauft haben. Es wurde damals als Baugrundstueck ausgegeben. Aber in Wahrheit war es ein alter Truppenuebungsplatz mit jede Menger Material an Waffenmuell und Schuetzengräben und sowas... Außerdem weiss ich ueber die Tz dass dort damals tatsächlich wohl Truppen trainiert haben. Nur welche das waren, weiss wohl niemand.
    Von daher ist dass hier wilder Waffenmuell, den irgendwelche unbekannten Truppen damals nach Kriegsende hier zurueckgelassen haben und die sich nicht um die ordnungsgemäße Entsorgung gekuemmert haben.
    Darueber hinaus denke ich, dass man nur ueber alte Archive und Militärarchive (wegen eventuellen Militärgeheimnissen) das was rausfinden könnte. Aber zu diesen Archiven haben Otto-Normalbuerger wohl keinen Zugang.

  • Antwort von Andrea, Mittwoch, 22.März, 17:41 Uhr

    Von daher sollte die Bayerische Landesregierung mal ueber die Bundesregierung versuchen herauszufinden, ob es ueber dieses Gelände noch Dokumente in alten Archiven gibt, um herauszufinden welche Truppen das damals hier einfach zurueckgelassen haben und ob es etwaige Rechtsnachfolger dieser Truppen gibt. Denn denen sollte man diese Entsorgung in Rechnung stellen und nicht mehr den heutigen Buergern Deutschlands.
    Die heutigen Generationen sind nicht mehr die Schuldigen und nicht mehr die Täter von damals. Die heutigen Generationen sind schon wieder die Kinder, die Kindeskinder, Enkel und Urenkel von diesen damaligen Generationen.
    Und genau deswegen gehört dieses Kriegsfolgengesetz - weil es alt, ueberkommen und nicht mehr zukunftsfähig ist - auf den Muell und ein komplett neues Gesetz gemacht, welches den Rechtsnachfolgern dieser damaligen Truppen die Kosten auferlegt und nicht mehr Deutschlands Buergern.

  • Antwort von Andrea, Mittwoch, 22.März, 17:44 Uhr

    @ Bürger

    Weiterhin ist das mediale Echo ueber diesen Fall schon jetzt riesig, weil viele Medien schon davon berichten:

    Sueddeutsche Zeitung, Antenne Bayern, TZ, Merkur und viele andere.

    Von daher: Time for Change und her mit einem neuen Gesetz bezueglich solcher Altlasten aus alten Tagen fuer die die heutigen deutschen Generationen keinerlei Verantwortung mehr tragen. Von daher sollte diese Rentnerin jede Zahlung ablehnen, sich einen Anwalt nehmen und im schlimmsten Fall die Bayerische Landesregierung und die Stadt Muenchen notfalls bis rauf zum Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagen. So geht man mit solchen Sachen um, um hier endlich neue modernere Gesetze durchzubekommen.

    Denn diese Arbeitsverweigerungshaltung der GroKo von der ich heute in der Tagesschau gelesen habe, geht so wirklich nicht.

  • Antwort von Bine, Samstag, 25.März, 11:34 Uhr

    Die größte Groteske ist doch, das im damaligen Kaufvertrag explixit Kosten für Munitionsräumung aufgeführt werden - Der Käufer durfte also davon ausgehen, NICHTauf einem "Munitionslager" zu bauen...

E. Jäger, Dienstag, 21.März, 18:22 Uhr

3. Sprengstoff in Freimann

Bitte um mehr Hintergrund-Informationen. Warum baut jemand sein Haus auf ein Munitionslager? Und warum wird das erst heute entdeckt??
Hinweis der Redaktion: Eine Antwort auf Ihre Frage finden Sie hier: http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/freimann-granaten-munition-raeumung-102.html Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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MTO, Dienstag, 21.März, 16:46 Uhr

2. War das nicht bekannt ...

... was da bis 1945 auf diesen Grundstücken war? Nachdem ich die Berichte in der Zeitung und hier verfolgt habe, müsste meiner Meinung nach bekannt gewesen sein, dass da auf den Grundstücken was mit Munition gelaufen ist. Einige älter Leute aus meinem Bekanntenkreis haben mir erzählt, was sie damals als Kinder bei Kriegsende erlebt haben: die sich in Auflösung befindliche Wehrmacht hat ihre Waffen und Munition in irgendwelchen Löchern entsorgt, Erde drüber - aus den Augen, aus dem Sinn. Die Amerikaner haben die Waffen der kapitulierten Wehrmachtssoldaten eingesammelt und auf die gleiche Weise entsorgt. So wird man immer mal wieder auf so Zeug stoßen.

Gugger, Dienstag, 21.März, 16:18 Uhr

1. Sprengstoff


Die Frau soll die Bergung bezahlen!?

  • Antwort von Leonia, Dienstag, 21.März, 17:00 Uhr

    Es gibt verschiedene Ansätze, die Familie von den Kosten zu entlasten. Eines davon ist ein Spendenkonto, das der Ortsverband der SPD eingerichtet hat. Außerdem sind verschiedene Stellen im Gespräch. Ich glaube nicht, dass die das am Ende wirklich bezahlen müssen. Und hoffe, dass das Haus Stand hält.