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KZ-Außenlager Landsberg "Denkmal von nationaler Bedeutung"

Wie soll man mit den Bauten des KZ-Außenlagers Landsberg umgehen? Darüber wurde in Landsberg über 30 Jahre diskutiert. Jetzt werden die Überreste des KZ-Außenlagers offiziell zum "Denkmal von nationaler Bedeutung" erhoben.

Stand: 17.05.2013 | Archiv

Mit den Morden und dem Terror der Nazizeit ist kein Ort in Oberbayern so eng verbunden wie Dachau. Aber: Die Geschichte des dortigen Konzentrationslagers ist nicht nur auf Dachau beschränkt. Außenstellen des Lagers gab es überall in Oberbayern - die beiden größten davon in Mühldorf und in Landsberg/Kaufering.

Dort sind drei solcher Gebäude erhalten geblieben, südöstlich von Landsberg, wenige Meter neben der B 17. In jedem dieser Erdbunker waren bis zu 150 Frauen aus dem KZ Dachau zusammengepfercht, die zu Zehntausenden für die Rüstung arbeiten mussten. Hier sollten Hitlers Wunderwaffen gebaut werden, wie zum Beispiel der Düsenjet Messerschmidt 262.

Von Weitem sehen sie aus wie längliche Grashügel, erst beim genauen Hinsehen wird klar, das sind alte Gebäude: von Erde und Gras bedeckt, vorne eine Tür und zwei Fenster. Manfred Deiler von der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung geht hinein und blickt auf ein zweieinhalb Meter hohes Gewölbe aus Thonröhren.

"Das Besondere hier ist tatsächlich die Bauweise mit diesen Tonröhren, die wir an keinem anderen Ort in der Bundesrepublik vorfinden. Filigrane Architektur, gebaut für den Massenmord. Ein Ausdruck des Zynismus der Nazis."

Manfred Deiler von der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung

Deiler kämpft seit Jahren dafür, dass diese Reste erhalten und zum Denkmal erklärt werden. Die Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege brachte den Durchbruch. Jetzt steht ein gesicherter Finanzierungplan und die Grundvoraussetzung für ein Dokumentationszentrum am historischen Ort. Deiler hofft, dass damit in Landsberg die Diskussionen um die KZ-Außenlager endlich beendet sind. Denn dieses Thema polarisiert bis heute.

"Die Außenlager rufen uns ganz deutlich die Verflechtung der Menschen vor Ort in dieses KZ-System in Erinnerung. Wenn man nach der Geschichte der Außenlager fragt, fragt man auch immer nach der Verantwortung der Menschen vor Ort."

Ulrich Fritz von der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten

Bis zu 150 Frauen waren in einer Tonne untergebracht.

In Landsberg wollen sich die Menschen der Geschichte ihrer Stadt stellen. Für Manfred Deiler ist die Stimmung heute eine andere als noch vor 20 oder 30 Jahren. Er hat die Pläne für ein Dokumentationszentrum schon in der Schublade. Insgesamt 700.000 Euro hat er dafür beisammen. Was Landsberg geschafft hat, könnte jetzt auch Vorbild für die Reste des KZ-Außenlagers in Mühldorf am Inn sein. Dort hatte der Bund noch vor wenigen Wochen eine finanziellen Unterstützung abgelehnt. Die Landsberger jedenfalls haben die Geschichte ihres Ortes angenommen. Als Mahnung für die Zukunft.


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