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Rechter Terror "Akte Zschäpe – letztes Rätsel des NSU"

Bei den Ermittlungen rund um die Morde des NSU gab es Pannen über Pannen. Das zeigen auch neue Recherchen der ARD.

Von: Tim Aßmann

Stand: 01.11.2015

Beispiel Mordfall Boulgarides. Der Deutschgrieche wurde 2005 in seinem Schlüsseldienst in München erschossen. Das Geschäft gab es zum Tatzeitpunkt erst seit Kurzem. Wie fanden die Mörder ihr Opfer? Gab es örtliche Helfer? Auf diese Fragen hat Yvonne Boulgarides, die Witwe des Opfers, auch nach rund zweieinhalb Jahren NSU-Prozess keine aus ihrer Sicht glaubhaften Antworten.

Der Tatort

"Die Aufklärung über den Mord an meinem Mann... auf einer Qualitätsskala von 100% würde ich sagen fünf bis zehn Prozent. Nichts!! Ich weiß heute nicht mehr als ich damals wusste."

Yvonne Boulgarides

Der NSU. Das waren aus Sicht der Bundesanwaltschaft drei Personen. Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die beiden Männer begingen nach Ansicht der Ermittler auch alle Morde. Alleine. Auch 2007, als in Heilbronn die Polizistin Michele Kiesewetter erschossen wurde. Bundesanwalt Herbert Diemer vertritt im NSU-Prozess die Anklage.

"Wir gehen davon aus, dass Böhnhardt und Mundlos vor Ort den Anschlag auf die beiden Polizeibeamten verübt haben und dass es keine ortskundigen oder vor Ort lebenden weiteren Beteiligten gibt."

Herbert Diemer

Die Zwei-Täter-These

Ist der Kiesewetter-Mord also aufgeklärt? "Nein, das ist er für mich nicht", sagt Clemens Binninger, er saß für die CDU im ersten Untersuchungsausschuss des Bundestages.

"Ich bin auch nicht der gleichen Meinung wie der Generalbundesanwalt, der ja immer sagt, alle Verbrechen, auch das in Heilbronn, wurden nur von Mundlos und Böhnhardt begangen, die zwei alleine, sonst niemand dabei. Da habe ich meine Zweifel."

Clemens Binninger

TV-Tipp


"Die Akte Zschäpe – Die letzten Rätsel des NSU“ heute Abend um 21.00 Uhr in Kontrovers im Bayerischen Fernsehen.

Solche Zweifel gibt es viele rund um die NSU-Taten – wohl auch, weil die Tatortarbeite der Polizei häufig nicht optimal lief. So wurde zum Beispiel das Wohnmobil, in dem sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach Ansicht der Ermittler in Eisenach das Leben nahmen, abgeschleppt – vor einer intensiven kriminaltechnischen Untersuchung. Das war ein gravierender Fehler, sagt der Kriminologe Thomas Feltes nun in der ARD-Dokumentation.

  • Tim Aßmann | Bild: BR/Tim Aßmann Tim Aßmann

    Berichtet vom NSU-Prozess von Anfang an. Schreibt auch die br.de/NSU-Protokolle. Reporter und Redakteur "Politik und Hintergrund"


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