NSU-Prozess


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NSU-Prozess Nach Ausstieg geschwiegen

Carsten S. hat auch nach seinem Ausstieg aus der Neonazi-Szene nicht über seine Kontakte zu den untergetauchten Terroristen gesprochen. Außerdem ist inzwischen klar: Gegen Beate Zschäpe gibt es weitere Ermittlungen.

Stand: 18.06.2013 | Archiv

 Der Angeklagte Carsten S. sitzt am 04.06.2013 im Gerichtssaal in München neben seinem Anwalt Jacob Hösl und verbirgt sein Gesicht hinter einer Kapuze. | Bild: picture-alliance/dpa

Es geht um den Anschlag mit einer Rohrbombe in Nürnberg im Jahr 1999. Wie die Bundesanwaltschaft dem Bayerischen Rundfunk bestätigt hat, wird deshalb gegen die Angeklagte Beate Zschäpe ein neues Ermittlungsverfahren eingeleitet - wegen versuchten Mordes.

Der Anschlag konnte bisher nicht aufgeklärt werden. Der Verdacht, dass auch hinter dieser Tat die Terrorzelle NSU stecken könnte, hat sich aus einer Aussage des Angeklagten Carsten S. ergeben. Nach den Worten von Carsten S. hatten die Terroristen Böhnhardt und Mundlos davon gesprochen, dass sie "irgendwo in Nürnberg in einem Laden eine Taschenlampe hingestellt" hätten. Taschenlampe - das ist im Jargon der Szene ein Begriff für einen Zündsatz. Theoretisch könnte der Anschlag nun noch in das derzeitige NSU-Verfahren vor dem OLG München einbezogen werden.

Carsten S. hielt dicht

Carsten S. hat auch nach seinem Ausstieg aus der Neonazi-Szene nicht über seine Kontakte zu den untergetauchten Terroristen gesprochen. "Für mich war klar, dass ich nichts sage", sagte S. am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München. Der 33-Jährige hat zugegeben, dem untergetauchten Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe eine Waffe besorgt zu haben - höchstwahrscheinlich jene Pistole der Marke "Ceska", mit der die Terroristen neun Menschen ermordeten. Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben hatte Carsten S. nach dessen Aussagen nach dem Untertauchen der drei zu seinem Mittelsmann gemacht. S. berichtete, er habe noch zu seiner aktiven Zeit in der Neonazi-Szene mit Tino Brandt über den Kontakt gesprochen. Brandt war V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes. Eine Observation von S. blieb aber ohne Ergebnis.

Nur selten schweigsam

Symbolbild: Der Schriftzug "NSU" vor der Deckenkonstruktion des Prozesssaales | Bild: BR, picture-allliance/dpa, Montage: BR zur Übersicht Der NSU-Prozess Die Anklage. Die Opfer. Der rechte Terror.

Der Prozess wird Geschichte schreiben. Wir schreiben mit, was in "Saal 101" passiert. Der NSU-Prozess im Originalton Radio, im Video, im Tagebuch der BR-Gerichtsreporter: [mehr]

Zuletzt war S. nur gegenüber den Verteidigern von Ralf Wohlleben schweigsam. Bevor er deren Fragen beantworte, solle sich Wohlleben erst selbst zur Sache äußern. Er begründete sein Verhalten damit, er wolle Waffengleichheit herstellen. Auch Wohlleben solle umfassend aussagen, "dass nicht nur ich mich nackig mache, sondern er auch".

"Ich fasse es nicht. Wir lassen uns nicht erpressen."

Wohllebens Verteidiger Olaf Klemke

Aufregung im Bayerischen Landtag

Im NSU-Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags hat ein Polizeibeamter für Aufsehen gesorgt, der das Kürzel "NSU" schon im Jahr 2007 bei einer Dienstbesprechung gehört haben will. Allgemein bekanntgeworden war die Abkürzung erst nach Auffliegen der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" im November 2011. Ein anderer Beamter, der damals der Sonderkommission Bosporus angehörte, widersprach der Darstellung - auch in einer direkten Gegenüberstellung mit seinem Kollegen.


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