NSU-Prozess


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Aussage im NSU-Prozess Wohlleben bestreitet Waffenbeschaffung

Überraschung am 251. Verhandlungstag: Auch der Angeklagte Ralf Wohlleben sagte aus. Ausführlich berichtet er, wie sich die rechtsradikale Szene in den 1990er-Jahren formierte. Und dann kommt er auf die ominöse Mordwaffe zu sprechen.

Von: Johannes Mayer

Stand: 16.12.2015 | Archiv

Der Angeklagte Ralf Wohlleben sitzt am 25.02.2015 im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München (Bayern). | Bild: picture-alliance/dpa/Andreas Gebert

Erkennbar nervös war der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben, als er seine vorbereitete Erklärung verlas. Nach vier Jahren Untersuchungshaft habe er Wortfindungsprobleme und stottere - deswegen der vorbereitete Text. Er verlas ihn dann so hektisch, dass ihn das Gericht aufforderte, langsamer zu sprechen.

Wohlleben bestreitet Beihilfe zum Mord

Reportertagebuch

Oliver Bendixen | Bild: Bayerischer Rundfunk zum Artikel NSU-Prozess, 251. Verhandlungstag Punktsieger Wohlleben

Zwei Verhandlungstage nach der Zschäpe-Erklärung hat auch Ralf Wohlleben ausgesagt. Die Vorwürfe der Anklage wies er zurück. Doch anders als Zschäpe sprach er persönlich - vielleicht ein kleiner Vorteil. Von Oliver Bendixen [mehr]

Der Angeklagte liest vor, dass er Böhnhardt und Mundlos solche Taten nicht zugetraut habe. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe beschreibt er als freundliche und nette Person. Wohlleben ist der Beihilfe zum Mord angeklagt. Er soll die Beschaffung jener Ceska-Pistole veranlasst haben, mit der neun von zehn Morden begangen wurden, die dem NSU zur Last gelegt werden. Das bestreitet Wohlleben in seiner Erklärung. Und damit auch den Vorwurf der Beihilfe zum Mord.

Des Weiteren gibt er an, dass er Gewalt stets abgelehnt habe, erst recht die Begehung von Morden. Grundsätzlich wolle er in der Gerichtsverhandlung nur über Dinge sprechen, an die er sich erinnere. Zuvor hatte seine Anwältin die Aussage angekündigt und diese als einen Akt der Notwehr ihres Mandanten gegen Lügen über ihn bezeichnet.


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