NSU-Prozess


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Tageszusammenfassung, 224. Tag, 4.8.15 Beweisaufnahme vor Sommerpause fast abgeschlossen

Nach 224 Verhandlungstagen geht der NSU-Prozess in seine dritte Sommerpause. Inzwischen ist klar: Am Zerwürfnis zwischen Beate Zschäpe und ihren Verteidigern wird das Verfahren nicht scheitern, doch es wird das Verfahren weiter belasten. Der Prozess könnte noch bis weit ins Jahr 2016 dauern.

Von: Ina Krauß

Stand: 04.08.2015 | Archiv

Beate Zschäpe mit zwei ihrer Anwälte | Bild: picture-alliance/dpa

Am letzten Verhandlungstag vor der Sommerpause wurde ein 42-jähriger Polizeibeamter aus der Schweiz gehört. Der Zeuge war in die Ermittlungen zu der Tatwaffe eingebunden, mit der neun von zehn Morden begangen wurden. Die Anklage geht davon aus, dass die Ceska in der Schweiz gekauft und dann über Mittelsmänner nach Jena geschleust wurde. Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen damit ab dem Jahr 2000 neun Geschäftsleute mit türkischen oder griechischen Wurzeln ermordet haben - kaltblütig und aus rassistischen Motiven.

Zschäpe und ihre Verteidiger

Die Anwälte der Angeklagten Zschäpe, Anja Sturm (l-r), Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl, sitzen im Gerichtssaal in München (Bayern) an ihrem Platz, während die Angeklagte Beate Zschäpe neben ihrem vierten Anwalt Mathias Grasel (r) steht.  | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel NSU-Prozess Bilanz vor der Sommerpause

Der NSU-Prozess gegen Zschäpe und vier weitere Angeklagte geht in die dritte Sommerpause. Die Beweisaufnahme ist fast abgeschlossen. Zuletzt ging es aber hauptsächlich um Zschäpes Verhältnis zu ihren Verteidigern. Von Ina Krauß [mehr]

Das Zerwürfnis zwischen Beate Zschäpe und ihren Verteidigern spielte keine Rolle mehr. Zwar gibt es auf der Anklagebank weiter keinen Kontakt zwischen der Hauptangeklagten und ihren drei ursprünglichen Pflichtverteidigern Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl. Zschäpe spricht ausschließlich mit ihrem neuen, vierten Pflichtverteidiger Mathias Grasel. Das gestörte Innenverhältnis des Verteidigerteams ist allerdings vorerst kein Thema mehr im Gerichtssaal. Dafür hat der Vorsitzende Richter Manfred Götzl gesorgt. Er lehnte sämtliche Anträge auf Entpflichtung der angestammten Pflichtverteidiger ab und sorgte mit der Hinzuziehung eines vierten Pflichtverteidigers, dass Zschäpe ausreichend verteidigt fühlen kann.

Zschäpe eine Mörderin?

Zschäpe muss sich wegen Mittäterschaft an sämtlichen, dem NSU zugerechneten Taten, verantworten.

Die Bilanz vor der Sommerpause fällt unterdessen sehr unterschiedlich aus, je nachdem welcher Seite die Prozessbeteiligten angehören. Die Bundesanwaltschaft ist mit dem Ergebnis der Beweisaufnahme zufrieden, sieht sich in ihren Vorwürfen weitgehend bestätigt. Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Heer dagegen betont, der Vorwurf der Mittäterschaft von Beate Zschäpe sei bislang nicht belegt. Zschäpe muss sich wegen Mittäterschaft an sämtlichen, dem NSU zugerechneten Taten, verantworten. Der NSU beging laut Anklage zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge mit zahlreichen Verletzten und, zahlreiche Banküberfälle, außerdem muss sich Beate Zschäpe wegen Brandstiftung und Bildung einer terroristischen Vereinigung verantworten. Die Vertreter der Nebenklage sehen Beate Zschäpe, aber auch den wegen Beihilfe angeklagten Ralf Wohlleben, schwer belastet.

Beweisaufnahme zu Tatkomplexen nahezu abgeschlossen

Nach der Sommerpause erwartet das Gericht zahlreiche zusätzliche Beweisanträge der Prozessbeteiligten.

Im NSU-Prozess wurden bisher 500 Zeugen und Sachverständige gehört. Die Beweisaufnahme zu den Tatkomplexen ist nahezu abgeschlossen. Nach der Sommerpause erwartet das Gericht zahlreiche zusätzliche Beweisanträge der Prozessbeteiligten. 30 Nebenkläger hatten gestern einen Antrag gestellt, der die Rolle und eventuelle Verstrickung des Verfassungsschutzes in die NSU-Mordserie aufklären soll. Aber auch von der Hauptangeklagten Beate Zschäpe wird erwartet, dass sie sich nach der Sommerpause aktiver ins Prozessgeschehen einmischt.

Die Dauer des Verfahrens ist derzeit schwer vorherzusagen, kaum jemand wagt eine Prognose. Das Gericht hat bis Herbst 2016 Verhandlungstermine festgelegt.


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