NSU-Prozess


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Tagebuch der Gerichtsreporter Plaudereien mit Zschäpe am Rande

Sie sei erleichtert gewesen, dass ihre Flucht nun zu Ende sei und auch sicher, dass das Zwickauer Trio irgendwann auffliegen werde. Das habe Beate Zschäpe am Rande der offiziellen ersten Vernehmungen gesagt, berichteten zwei Kriminalbeamte, die heute im NSU-Prozess als Zeugen vor dem Oberlandesgericht München aussagten.

Von: Oliver Bendixen

Stand: 02.07.2013 | Archiv

Oliver Bendixen | Bild: Bayerischer Rundfunk

02 Juli

Dienstag, 02. Juli 2013

Funktionieren kann ein Rechtsstaat eigentlich nur, wenn die Polizei auf allen Ebenen mit kompetenten Beamten besetzt ist - von der kleinen Landinspektion bis hinauf zum Bundeskriminalamt (BKA). Warum ein Polizist aber als Kriminalhauptmeister in Zwickau und ein anderer als Hauptkommissar beim BKA arbeitet, das wurde am heutigen 17. Prozesstag im NSU-Verfahren klar. Beide hatten mit Beate Zschäpe in den Stunden nach ihrer Festnahme zu tun - und beide berichteten als Zeugen über die Gespräche, die sie mit der Terrorverdächigen am Rande der offiziellen Vernehmungen geführt hatten.

Unbequemer Polizeitrainingsanzug

Bei den beiden Polizisten hatte Zschäpe ja strikt erklärt, zu den Tatvorwürfen nicht Stellung nehmen zu wollen - bei der Kripo in Zwickau und kurz darauf vor dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Aber über das, was am Rande gesprochen wurde, fertigten die beiden Kriminalbeamten Protokolle an. Dem aus Zwickau stammenden Beamten fiel es heute sichtlich schwer, über das Gehörte zu berichten. "Wenn ich das so protokolliert habe, muss es wohl auch so gewesen sein", war seine Standardantwort. Mehr kam nicht - egal, ob der Vorsitzende Richter nachbohrte oder Zschäpes Anwälte. Zu erfahren war allenfalls, dass Zschäpe gestresst gewirkt habe und offensichtlich in den Tagen vor ihrer Festnahme nicht geschlafen habe. Und unwohl habe sie sich offensichtlich gefühlt in dem Polizeitrainingsanzug, den man ihr als Ersatz für die sichergestellten Privatkleidungsstücke verpasst hatte.

Zschäpe war sich sicher, dass das Trio auffliegen werde

Stattgefunden hatte das Gespräch nach der ersten offiziellen Vernehmung in einem Büro der Kripo Zwickau, wo Zschäpe etwas gegessen und dann auch  geraucht habe. Immerhin konnte der Beamte berichten, die Beschuldigte sei irgendwie erleichtert gewesen, dass ihr fünf Tage dauernde Flucht nun zu Ende war. Und dass sie ganz sicher gewesen sei, irgendwann werde sie zusammen mit den "beiden Uwes" - also Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt - auffliegen.

Kronzeugenregelung vorgeschlagen

"Ich kann jetzt endlich wieder schlafen", so gab der am Nachmittag vernommeme BKA-Ermittler die Worte Zschäpes wider. Er hatte sie in Zwickau abgeholt und an Bord eines Polizeihubschraubers nach Karlsruhe zur Vorführung beim Ermittlungsrichter begleitet. Präzise erzählte der Beamte, wie man sich in den Pausen vor dem Gerichtstermin unterhalten habe. Er habe der Inhaftierten geraten, ein Geständnis abzulegen und ihr Gewissen zu erleichtern. Dabei sei die Rede auch auf die Kronzeugenregelung gekommen, von der Zschäpe aber bis heute nicht Gebrauch machen will.

Zschäpe-Anwälte bezweifeln Zeugenaussage

Dass er über die Gespräche Notizen machen musste, sei Zschäpe klar gewesen. Und er habe genau die Grenzen solcher Gespräche gekannt: "Wenn jemand bei seiner Vernehmung keine Angaben macht, dann muss ich das respektieren und kann nicht durch die Hintertür doch eine Befagung vornehmen." Eine Version, an die die Anwälte der Hauptangeklagten nicht so recht glauben wollen. Sie werden den BKA-Ermittler morgen noch einmal ausführlich befragen, wenn der am Nachmittag des 18. Verhandlungstages weiter als Zeuge aussagt.


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