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Nach neun Wochen Verzögerung Nebenkläger holen zum Rundumschlag im NSU-Prozess aus

Neun Wochen trat der NSU-Prozess zuletzt auf der Stelle. Durch zahlreiche Befangenheitsanträge hatte die Verteidigung das Verfahren immer wieder verzögert. Heute war es endlich so weit: Die Nebenklage konnte mit ihren Plädoyers beginnen. Beate Zschäpe blieb dabei ungerührt.

Von: Thies Marsen

Stand: 15.11.2017

Edith Lunnebach ist die erste Nebenklage-Anwältin, die im NSU-Prozess das Wort ergreift, sie vertritt die Opfer des NSU-Bombenanschlags in der Kölner Probsteigasse im Januar 2001, bei der eine 19-Jährige schwer verletzt wurde. Lunnebach spricht betont ruhig und unaufgeregt, doch was sie sagt, hat es in sich:

Lückenhafte Aufklärung durch Bundesanwälte

Anwältin der Nebenklage, Edith Lunnebach

Zuerst nimmt sie die Bundesanwälte ins Visier, wirft ihnen vor, sich unverschämt gegenüber den Nebenkläger verhalten und keinen Willen zur vollständigen Aufklärung des NSU-Komplexes gezeigt zu haben. Der NSU habe weitere Mitglieder und Helfer gehabt, ist sich Lunnebach sicher, das zeige der Anschlag in der Probsteigasse beispielhaft. Die Bombe dort sei mit großer Sicherheit von einem Kölner Neonazi gelegt worden.

Polizei auf dem rechten Auge blind

Dann nimmt sich Lunnebach in ihrem Plädoyer die Polizei vor, schildert die zahlreiche Versäumnisse, vor allem, die Weigerung, überhaupt in Richtung Rechtsextremismus zu ermitteln. Durch die Borniertheit der verantwortlichen Ermittler sei die Chance vertan worden, den NSU frühzeitig zu enttarnen und weitere Anschläge und Morde zu verhindern, so Lunnebach. Dies zu wissen, sei für ihre Mandanten und sie persönlich unerträglich.

Zschäpe zweifelsfrei schuldig

Dass Beate Zschäpe schuldig ist, daran hat Lunnebach keine Zweifel. Mit ihrer schriftlichen Einlassung im Prozess habe Zschäpe eine "selbstbespiegelnde Weinerlichkeit" zur Schau gestellt. Man könne nur hoffen, dass sie irgendwann ihre Schuld erkenne. Zum Schluss ihres Vortrags wendet sich die Anwältin an den Senat: "Seien Sie unbequem", appelliert sie an die Richter und bittet sie, auch die Verantwortlichkeiten der Behörden, insbesondere des Verfassungsschutzes in ihrem Urteil zu berücksichtigen. Die Hauptangeklagte verfolgte das Plädoyer Lunnebachs weitgehend ungerührt.


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Kommentare

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urs, Donnerstag, 16.November, 09:03 Uhr

2.

So nebenbei: was macht diese Zschäpe eigentlich den ganzen Tag im Gefängnis?

Cosi , Mittwoch, 15.November, 22:05 Uhr

1. Kaltblütig!

Frau Zschäpe ist an Kaltblütigkeir kaum zu überbieten.
Sie ist so von sich überzeugt das sie denkt sie sei im Recht.
Ich wünsche ihr ein schöne lebenslängliche Haftstrafe, weil das ist das einzige was sie wirklich verdient;Nicht mehr und nicht weniger!
Natürlich war die Polizei im Osten auf dem Rechten Auge blind, das ist ja hinlänglich bekannt.
Sie hätte zusammen mit der Staatsanwaltschaft
einen klaren Kurs fahren müssen.

  • Antwort von Benno B., Donnerstag, 16.November, 06:48 Uhr

    Polizei im Osten auf dem Rechten Auge blind. Im Osten? Die Wahrheit wird niemals ans Tageslicht kommen.

  • Antwort von Leo Bronstein, Donnerstag, 16.November, 07:58 Uhr

    @ Cosi
    >Natürlich war d. Polizei im Osten auf d. Rechten Auge blind< ...

    Sprengstoffanschlag / Nürnberg
    Ermordung Enver Simsek / Nürnberg
    Sprengstoffanschlag / Köln
    Ermordung Abdurrahim Özüdogru / Nürnberg
    Ermordung Süleyman Tasköprü / München
    Nagelbomben-Attentat / Köln
    Ermordung Kiesewetter / Heilbronn
    ...
    Bis auf die Ermordung Mehmet Turguts in Rostock wurden die meisten Morde, Anschläge, ... im Westen begangen.

    .
    >Zschäpe ist an Kaltblütigkeir kaum zu überbieten. Sie ist so v. sich überzeugt das sie denkt sie sei im Recht.<

    Nicht anders, als bereits bei den Angeklagten der RAF in Stammheim, von denen die lebenslange Haftstrafe bereits seit Jahren verbüßt wurde und sie wieder den Duft der Freiheit genießen können.

  • Antwort von Alexander K., Donnerstag, 16.November, 09:25 Uhr

    Eigentlich hat Cosi alles schon gesagt.

    Mit fallen zu Frau Zschäpe noch zwei Eigenschaften ein: Ich halte sie für ohne jede Empathie und nicht resozialisierbar.

    Und das mit dem rechten Auge wird eher noch schlimmer werden ...