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Nobelpreisträgertagung Lindau im Zeichen der Wirtschaftspolitik

Die Hälfte aller noch lebender Wirtschaftsnobelpreisträger ist an den Bodensee gekommen, um mit jungen Wissenschaftlern zu diskutieren. Für dieses Jahr haben sich die Veranstalter etwas Besonders ausgedacht.

Von: Christine Bergmann

Stand: 23.08.2017

symbolische Darstellung: der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften | Bild: BR/Henrik Ullmann; picture-alliance/dpa

Vier Tage lang haben sie Zeit sich auszutauschen in zahlreichen Vorlesungen, Diskussionsrunden oder in der Kaffeepause. Die Schwerpunktthemen sind vor allem die zunehmende Ungleichheit und die Geldpolitik.

Speeddating mal anders

Speeddating – so nennt einer der wissenschaftlichen Leiter der Veranstaltung, Professor Klaus Schmidt, was sie sich Neues überlegt haben. Offiziell heißt das natürlich Seminare. Seminare, in denen immer ungefähr fünf Nobelpreisträger auf 10 junge Wissenschaftler treffen. Jeder von ihnen hat insgesamt neun Minuten: Sechs Minuten darf er seine Idee vorstellen, das woran er gerade arbeitet und die Nobelpreisträger haben drei Minuten Zeit, darauf zu reagieren.

Intellektueller Austausch zwischen den Generationen

Denn das ist die Grundidee, dass sich die hochkarätigen, meist etwas älteren Wissenschaftler mit der nächsten Generation austauschen.

"Das ist ne super Idee… man hat sechs Minuten, das ist sportlich… das ist natürlich ne super Gelegenheit man kann nur die kurze Idee präsentieren und vielleicht springt jemand drauf an ansonsten ist es eine gute Übung seine Forschung in einer möglichst kurzen und prägnanten Weise darzustellen."

Marcus Giamattei, akademischer Rat an der Universität Passau

Giammatei ist gleich heute dran und wird seinen großen Vorbildern tatsächlich seine Arbeit vorstellen. Natürlich ist das eine riesige Chance für ihn, aber er sieht das recht entspannt: "Die Schwierigkeit wird eher sein, dass man Zeit für gute Gespräche hat, weil alle auf diese großen Namen natürlich zielen und mit ihnen Zeit verbringen wollen. Ich würde es einfach so sehen, wenn es sich ergibt, ergibt es sich und wenn nicht, ist es auch ok."

Eröffnungsrede von Mario Draghi

Sehr gespannt ist er auch auf die Eröffnungsrede. Die wird der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, halten. Auch für Klaus Schmidt, wissenschaftlicher Leiter der Tagung und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, ist die Rede Draghis einer der Höhepunkte. Er hofft insgeheim, dass der EZB-Präsident etwas zur aktuellen Lage sagen wird.

"Meine Vermutung ist eher, dass er sich auf die grundlegenderen wissenschaftlichen Sachen beschränken wird und nicht so sehr zur aktuellen Geldpolitik Stellung nehmen wird."

Klaus Schmidt, VWL-Professor in München

Aber auch das könnte spannend sein, denn Mario Draghi war selbst Hochschullehrer und legt großen Wert auf die Forschung. Was er sich von der Wissenschaft wünscht, welche Lösungen er im politischen Alltag vielleicht brauchen könnte – das wären ja auch interessante Denkanstöße für die jungen Wissenschaftler.

Nach der Eröffnung geht es dann direkt in die meist sehr anspruchsvollen Vorlesungen und Diskussionen. Auch die beiden Nobelpreisträger aus dem letzten Jahr sind dabei, Oliver Hart und Bengt Holmström. Ihr Forschungsthema über die Wirkung von Verträgen wird ein Schwerpunkt dieser Tagung sein. 


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