Tierfreigelände Ludwigsthal Entlaufene Wölfe im Nationalpark: wahrscheinlich kein Versehen

Von den entlaufenen Wölfen im Nationalpark Bayerischer Wald ist eines der Tiere von der Waldbahn erfasst und getötet worden. Die Tiere entkamen durch ein offenes Tor, an dem mit hoher Wahrscheinlichkeit zuvor manipuliert wurde.

Von: Renate Roßberger und Christian Riedl

Stand: 07.10.2017

Der Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Franz Leibl, geht nicht von einem Versehen aus. Mehrere Sicherungen des Tores seien außer Kraft gesetzt worden. Die Polizei ermittelt, kann aber derzeit weder zum Motiv noch zum möglichen Täter etwas sagen.

Schnelleinsatz-Trupp für Wölfe ist eingerichtet

Die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald hatte wegen der entlaufenen Wölfe für die Nacht einen Schnelleinsatz-Trupp installiert, der in Absprache mit der Polizei rund um die Uhr ausrücken kann. Das gab die Nationalparkverwaltung am Freitagabend bekannt. Hintergrund ist, dass einer der fünf noch freilaufenden Wölfe nicht im Bereich des Tierfreigeländes bleibt, sondern einen immer größeren Aktionsradius zeigt. Anfangs hatte es so ausgesehen, als blieben alle fünf Wölfe relativ nah im Bereich des Tierfreigeländes.

Schnelleinsatz-Trupp darf die Wölfe zur Not auch erschießen

Die Mitarbeiter des jetzt eingerichteten Schnelleinsatztrupps sind mit einem Narkosegewehr ausgestattet, aber auch mit einer scharfen Waffe. Die Wölfe sollen wenn möglich betäubt werden, weil die Wahrscheinlichkeit mit fortschreitender Zeit sinkt, dass man sie einfangen kann. Wenn es nicht möglich ist, das Narkosegewehr einzusetzen, zum Beispiel weil die Distanz zu groß ist, dann sollen die Mitarbeiter die Schusswaffe nutzen dürfen. Das war bereits heute auch tierschutzrechtlich geklärt und entschieden worden. Die Nationalparkverwaltung will kein Risiko eingehen.

Keine Gefahr für die Bevölkerung

Ein Verbleib der Wölfe in freier Wildbahn ist ausgeschlossen. Denn dort sind die Tiere nicht lange Zeit überlebensfähig, da sie bisher ihr gesamtes Leben in menschlicher Obhut verbracht haben, so die Nationalparkverwaltung. Die Bevölkerung wird darum gebeten, auf keinen Fall Futter für die Wölfe zu deponieren, sich den Wölfen aktiv zu nähern oder sie zu fotografieren. Jede Sichtung soll dem Haus zur Wildnis (09922/5002-0) mitgeteilt werden. Nach Auffassung der Fachleute besteht derzeit keine Gefährdung für die Bevölkerung.

Immer wieder Ausbrüche

Die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, die momentan die Lage berät, hat die Polizei eingeschaltet. Im Tierfreigelände von Ludwigsthal ist vor ein paar Jahren schon einmal ein Luchs ausgebrochen. Er war über den Zaun geklettert, in Panik, nachdem ihn wahrscheinlich unbekannte Fotografen von außen bedrängt hatten. Das Tier tauchte nie wieder auf.

Im zweiten Tierfreigelände des Nationalparks in Neuschönau im Unteren Bayerischen Wald sind vor etwa 15 Jahren schon einmal Wölfe ausgebrochen, aber nicht so viele wie diesmal. Weil es Gehegewölfe waren, hielten sie sich nicht von Menschen fern und wurden später erschossen. Wirklich gefährliche Zwischenfälle mit Menschen gab es damals aber nicht. Auch im Bayerwald-Tierpark Lohberg war vor Jahren ein Wolf entkommen. Dieses Tier wurde draußen nie mehr gefunden.