152

Flüchtlinge im Raum Passau Lage bleibt angespannt

Die Flüchtlingssituation in den bayerischen Grenzorten zu Österreich bleibt weiter angespannt. Allein in Wegscheid bei Passau sollen am Nachmittag über 20 Busse mit weiteren Flüchtlingen ankommen. Das hat die österreichische Polizei bestätigt.

Stand: 27.10.2015

Zahlreiche im Schnellverfahren organisierte Busse brachten ankommende Flüchtlinge am Montagabend (26.10.15) in Notunterkünfte. Für Entlastung habe vor allem die Niederbayernhalle in Ruhstorf (Lkr. Passau) gesorgt. Hier haben 1.000 Menschen Platz.

Unkontrollierte Einreise

Auch in Wegscheid habe man die Lage wieder im Griff, so der Bundespolizeisprecher. Hier waren gestern Abend über 2.000 Flüchtlinge regelrecht durchgebrochen und konnten unkontrolliert einreisen. Ursache waren die vielen Busse aus Österreich, die Asylbewerber an die Grenze gebracht hatten. Der Polizei gelang es nur mit Mühe, die Menschen wieder einzusammeln und zu einer Halle zu bringen, die als Notunterkunft zur Verfügung steht. Die Halle, die für die kurzzeitige Unterbringung von gut 200 Menschen ausgelegt ist, war mit 500 Flüchtlingen hoffnungslos überfüllt. Hunderte von Ihnen, darunter viele Kinder, mussten im Freien campieren, bevor sie weggebracht werden konnten.

Kritik an österreichischen Behörden

Die Kritik an den österreichischen Behörden wird indes immer lauter.

Josef Lamperstorfer, Bürgermeister von Wegscheid

"Mir fehlen die Worte. Ich habe so einen Hals. Die Österreicher wissen ganz genau, dass wir solche Massen nicht managen können, trotzdem werden wir bis zum Geht-nicht-mehr angefüllt."

Josef Lamperstorfer, Bürgermeister von Wegscheid

Der Passauer Landrat Franz Meyer (CSU) forderte Bund und Land auf, sofort mit den Behörden in Wien Kontakt aufzunehmen und für geordnete Abläufe zu sorgen. Landrat Meyer fordert zudem mehr Unterstützung von Seiten der Bundespolizei und der Bundeswehr. Hilfe sei vor allem bei der Nahrungsmittelversorgung, der medizinischen Betreuung sowie bei der Versorgung mit Bussen notwendig.

Seehofer fordert Merkel auf zu handeln

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat Österreich mangelnde Koordination des Flüchtlingszustroms an den ost- und südostbayerischen Grenzen vorgeworfen und sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Pflicht. "Dieses Verhalten Österreichs belastet die nachbarschaftlichen Beziehungen", so Ministerpräsident Horst Seehofer zur "Passauer Neuen Presse". Es sei nun Merkels Aufgabe, mit der Regierung in Wien zu sprechen.

Die chaotischen Zustände an der österreichisch-niederbayerischen Grenze könne Bayern nicht länger hinnehmen, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zum Flüchtlingsansturm. Massenhaft transportiere Österreich Flüchtlinge an einen konzentrierten Punkt im Landkreis Passau.


152