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"Semmler-Haus" in Viechtach Jetzt wird es aber wirklich abgerissen

Das "Semmler-Haus" in Viechtach (Lkr. Regen) wird nun endgültig abgerissen. Appelle der Abrissgegner haben nichts gebracht. Die Stadt will aber daraus lernen: Künftig sollen historische Gebäude in der Innenstadt erhalten werden.

Von: Christian Riedl

Stand: 12.06.2017

Bereits am frühen Montagmorgen hatten Bauarbeiter die Ausräumarbeiten am sogenannten Semmler-Haus fortgesetzt - beobachtet von mehreren Abrissgegnern, die sich bis zuletzt für den Erhalt des alten Gebäudes eingesetzt hatten. Bereits Ende Mai hatten die Abbrucharbeiten am "Semmler-Haus" begonnen. Zunächst wurde das Dach des alten Gebäudes abgetragen.

Das "Semmler-Haus", eine Kontroverse

Um den Erhalt des historischen "Semmler-Hauses", das aus dem 18. Jahrhundert stammt und schon seit Jahrzehnten leer steht, wurde in Viechtach wochenlang erbittert gestritten. Das Gebäude gehörte einst zu einem der Stadttore von Viechtach. Das Tor wurde allerdings nach dem Krieg von US-Truppen gesprengt, auch die historische Substanz des Hauses ist nur noch in Teilen erhalten. Das Haus wurde mehrfach überbaut und verändert und steht bereits seit Jahrzehnten leer.

Architekt Peter Haimerl

Dennoch hätte es aus Sicht von Architekt und Stadtplaner Peter Haimerl stehen bleiben sollen. Seine Appelle und seine Vermittlungsversuche, einen Käufer zu finden, blieben erfolglos. Obwohl ein potentieller Käufer auf die Schnelle gefunden war, entschieden sich die Eigentümer für einen Abriss, weil ihnen das Prozedere um den eventuellen Verkauf zu lange gedauert habe.

Künftig will es die Stadt anders machen

Künftig sollen historische Gebäude in der Innenstadt erhalten werden. Der Stadtrat will nun die rechtlichen Grundlagen dafür schaffen. Ein Bürgerantrag für eine sogenannte Veränderungssperre im Bereich des "Semmler-Hauses" wurde in einer Sitzung abgelehnt, da der Abbruch bereits begonnen hat. Grundlage der Entscheidung ist das sogenannte Kommunale Denkmalschutzkonzept, an dem sich die Stadt Viechtach beteiligt.

Stadtplaner Peter Haimerl und der Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, haben die Eckpfeiler des Konzepts den Mitgliedern des Stadtrats vorgestellt. Ziel dieses Konzepts sei, aufbauend auf den historischen Entwicklungen eine wertvolle Architektur in der Innenstadt zu erhalten oder zu schaffen. Haimerl nannte als Schwerpunkt der Entwicklung das sogenannte Stenzer-Areal am Stadtplatz. Dort wurde vor rund drei Jahren ein großer Gebäudekomplex abgerissen, seitdem klafft eine riesige Baulücke auf dem Viechtacher Stadtplatz.

Hoffnung Campus

Hoffnung knüpfen die Viechtacher jetzt an die Ankündigung der Staatsregierung, den Aufbau eines Campus der TH Deggendorf in Viechtach zu fördern. Investoren sollen die Baulücke auf dem Stadtplatz füllen, dort soll dann das Institut der TH Deggendorf einziehen. In rund vier Wochen soll es bereits konkrete Vorschläge geben, so Bürgermeister Franz Wittmann (CSU). Die Planungen sollen im Rahmen des Kommunalen Denkmalschutzkonzepts mit dem Stadtplaner abgesprochen werden.


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