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Siemens-Betriebsversammlung "Wann muss wer gehen?"

Rund 600 "Siemensianer" haben heute in Ruhstorf (Lkr. Passau) an einer turnusgemäßen Betriebsversammlung teilgenommen. Das Treffen mit Bereichsleiter Tim Dawidowsky und Vorstandsmitglied Janina Kugel stand ganz im Zeichen der Stellenstreichungen, die Siemens am Standort vornehmen wird.

Von: Martin Gruber

Stand: 19.04.2017

Siemens Werk in Ruhstorf | Bild: BR / Lars Martens

Es sei wegen der Stellenstreichungen eine sehr emotionale Betriebsversammlung gewesen, sagte Betriebsratsvorsitzende Elke Malcher im Anschluss dem BR. Einige Mitarbeiter hätten ihren Unmut über die Pläne des Konzerns geäußert. Beschäftigte fühlten sich zu wenig über Details informiert und forderten Informationen zum genauen zeitlichen Ablauf.

"Wir wollen einfach wissen, wann wer gehen muss."

Betriebsratsvorsitzende Elke Malcher

Siemens will in den nächsten drei Jahren knapp 600 von insgesamt 1.200 Arbeitsplätzen abbauen. Grund ist die Verlagerung von Teilen der Motorenproduktion nach Tschechien.

Förderbescheid übergeben

Es ist zumindest ein kleines Trostpflaster für den arg gebeutelten Siemens-Standort: Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU) hat am Dienstag einen Förderbescheid in Höhe von 260.000 Euro übergeben. Geld für eine Vermarktungsgesellschaft, die dafür sorgen soll, neue Firmen nach Ruhstorf zu bringen. Zudem gebe es weitere Möglichkeiten, dem Standort zu helfen, so Pschierer bei der anschließenden Pressekonferenz. So sollen zum Beispiel eine Stelle des Landesamtes für Landwirtschaft und eine Niederlassung der Autobahnmeisterei hier angesiedelt werden.

"Trotz der Hilfsmaßnahmen tun die knapp 600 Arbeitsplätze weh, die Siemens in Ruhstorf bis 2020 streichen wird. Hinter dieser Zahl stehen persönliche Schicksale. Und diese Einzelschicksale nehmen wir sehr ernst."

Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer

Möglichst viele Arbeitsplätze halten

Der Passauer Landrat Franz Meyer mit Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer (beide CSU)

Ähnlich formuliert es der Passauer Landrat Franz Meyer (CSU). Die Siemens-Entscheidung sei ein Schock für die gesamte Region gewesen, so Meyer. Aber: "Wir haben nach Konzepten gesucht, wie wir den Stellenabbau im Werk Ruhstorf abfedern können. Ziel ist es, möglichst viele Arbeitsplätze halten zu können."

Deutlich Kritik dagegen kommt von Seiten des Betriebsrats. Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk sagte die Vorsitzende Elke Malcher: "Wir stehen den neuen Plänen eher skeptisch gegenüber. Ein Industriepark mit neuen Firmen ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben."

Zur Entscheidung von Siemens, die Belegschaft um die Hälfte auszudünnen, meinte Malcher: "Dem Konzern geht es so gut wie nie. Trotzdem ist die Tendenz klar sichtbar, dass die Geschäftsbereiche, die die Marche nicht bringen, abgestoßen werden. Fairerweise muss man sagen, dass wir schon unter einem massiven Preisdruck durch die Billiglohnländer stehen.“

Hunderte Stellen abgebaut

Der Siemens-Konzern hatte im Juli 2016 angekündigt, in Ruhstorf Hunderte Mitarbeiter abzubauen. Die Zahl konkretisierte sich später auf 560, mehr als die Hälfte aller Beschäftigten am Standort Ruhstorf. Um neue Perspektiven für die Mitarbeiter zu finden, entwickelten das Wirtschaftsministerium und der Landkreis ein Konzept, mit dem neue Firmen angesiedelt werden.

  • BR-Korrespondent Martin Gruber | Bild: Bayerischer Rundfunk Martin Gruber

    Korrespondent Martin Gruber berichtet aus Stadt und Landkreis Passau sowie Freyung-Grafenau.


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Kommentare

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hans, Samstag, 22.April, 08:16 Uhr

10. Wann denn nun

Es ist bis jetzt sehr viel geredet worden, aber kein einzig neuer Arbeitsplatz enstanden.
Im Gegensatzt dazu werden aber täglich Leute aufgefordert, eine Aufhebungssvertrag zu unterschreiben, sprich selbst zu kündigen und in ein paar Wochen zu gehen!
W O und W A S sollen die Leute denn arbeiten, es gibt hier keine bzw. kaum Arbeitsplätze, benötigen sie aber sofort!
Nicht in ein oder zwei jahren.

In der Öffentlichkeit / Presse wird aber so getan, als ob den Menschen geholfen wird und alles gut ist.

FJSforever, Dienstag, 18.April, 10:40 Uhr

9. gut so

Sehr gut! das ist ein wichtiger Impuls seitens der Staatsregierung. Gut dass hier schnell und beherzt seitens der Politik eingegriffen wurde. man kann so eine Region nicht einfach im stich lassen.

  • Antwort von Peter W., Sonntag, 23.April, 09:30 Uhr

    Leider ist gar nichts gut!
    Es wird nicht schnell eingegriffen, es ist nämlich noch nichts passiert, ausser daß die Arbeiter dazu genötigt werden, ihre eigene Kündigung zu unterschreiben und schnellstens die Firma verlassen!
    Neue Arbeitsplätze sind bisher null entstanden!
    Geschweige denn "vergleichbare".

    Das was in der Presse veröffentlicht wird stimmt so nicht.

    !!!!

thorie, Dienstag, 18.April, 10:07 Uhr

8. soziale marktwirtschaft!!!

nein "getarnter" kapitalismus , und die politik spielt den konzerngeschädigten/-gesteuerten strassenkehrer!

Harald, Dienstag, 18.April, 09:54 Uhr

7. Siemens hat seit Jahrzehnten die gleiche Strategie ...

... wenn es denn überhaupt eine Strategie ist.
In den 80er Jahren habe ich als Student an einer "Informationsveranstaltung" der Fa. Siemens teilgenommen. Da hieß es fast wörtlich: "Wir brauchen junge Ingenieure, kommen Sie zu Siemens!". Kaum zwei Wochen später stand in der Zeitung, dass genau die gleiche Firma Siemens 2000 Ingenieure auf die Straße stellt.
Das passt wohl nur so zusammen, dass die alten Ingenieure zu teuer wurden und man lieber junge billige und weniger widersprechende Ingenieure in der Firma haben will.
Mit "Sepp" Käser wurde das nicht besser, weil die Verlagerung in vermeintliche Billiglohnländer wie Tschechien hinzu kommt.

wm, Dienstag, 18.April, 09:23 Uhr

6. Die Schuldige...

Die Schuldige aller Stellenstreichungen......na,wer wohl?

DIE AFD!!:-))))