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Probebetrieb Gotteszell-Viechtach Erste Bilanz: Zu wenig Leute nehmen die Bahn

Für die Züge, die seit September im Probebetrieb von Gotteszell nach Viechtach (Lkr. Regen) fahren, liegen jetzt die ersten offiziellen Fahrgastzählungen vor. Daraus ergibt sich, dass die Zahl der Passagiere kleiner ist, als sie sein dürfte.

Von: Renate Rossberger

Stand: 20.03.2017

Ein Zug der Bayerischen Waldbahn auf den Gleisen im deutsch-tschechischen Grenzbahnhof in Bayerisch Eisenstein (Niederbayern), aufgenommen am 23.09.2008.  | Bild: pa/dpa/Armin Weigel

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hat verschiedene Zählungen durchgeführt. Wie sie am Montag bekannt gab, wurden an einem mittleren Werktag mit Schulbetrieb rund 550 Fahrgäste gezählt, während der Schulferien waren es rund 420 und am Wochenende knapp 450. Daraus errechnet die Bayerische Eisenbahngesellschaft zwischen 266 und 375 sogenannte Personenkilometer. Fahrgäste, die nur einen Teil der Strecke fahren, werden nicht mitgerechnet. Für einen Dauerbetrieb der Strecke über die zweijährige Probezeit hinaus sind jedoch 1.000 Personen pro Kilometer Strecke nötig, also 1.000 Fahrgäste, die die ganze 25 Kilometer lange Strecke fahren.

Probebetrieb endet im September 2018

Ziel des Probebetriebs ist es, zu testen, ob dieser Wert erreicht werden kann. Nur wenn das der Fall ist, wird ein Regelbetrieb in Aussicht gestellt. Wird der Wert nicht erreicht, wird der Betrieb zum 11. September 2018 wieder eingestellt.

Umstrittener Wert

Der Wert von 1.000 Personenkilometern auf der Strecke ist unter Bahnbefürwortern immer schon umstritten. Sie argumentieren, dass nur sehr wenige bestehende Nahverkehrsstrecke in Bayern diesen Wert erreicht. Für die Wiederaufnahme des Zugbetriebs zwischen Viechtach und Gotteszell war im Bayerischen Wald lange gekämpft und kontrovers diskutiert worden. Seit Mitte September läuft der zweijährige Probebetrieb.


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Enrico Pelocke, Dienstag, 21.März, 02:59 Uhr

2.

Sinnvoll ist die kilometerabhängige Pkw-Maut, die alle Kosten beinhaltet: Nicht nur Straßenbau+instandhaltung, auch umweltverbrauch usw. Dann fällt der Vergleich Bahn/Auto leichter und die Züge weren voller.

Nürnberger, Montag, 20.März, 14:58 Uhr

1. welch Überraschung

War das anders zu erwarten? Jeder will die Bahn und macht sich dafür stark, aber damit fahren, wenn sie dann in Betrieb ist, das lieber doch nicht. Das haben gerade wieder alle bewiesen.
Mit dem Auto kommt man eben jederzeit schnell von A nach B, Parkplatzsorgen hat man auf dem Land (im Gegensatz zur Großstadt) auch nicht. Bahn fahren heißt erst zur Haltestelle laufen, warten und vom Stundentakt abhängig sein. Dann mit der Bahn gemächlich durch die Landschaft tuckern und am Ende wieder von der Haltstelle zum Ziel laufen.

Die Bahn hat eine Zukunft in Ballungsräumen, auf dem dünnbesiedelten flachen Land fernab größerer Städte ist sie nur ein Millionengrab

  • Antwort von Gast69, Montag, 20.März, 16:46 Uhr

    " ... Fahrgäste, die nur einen Teil der Strecke fahren, werden nicht mitgerechnet. ..."
    Sowohl die 1000 Fahrgäste, wie offensichtlich ganz neu, das weglassen von Teilstreckennutzer, ist eine besondere Erfindung des autoparadies Bayern.
    Ich bin gespannt, was man sich von der Autolobbypolitik einfallen läst, um die Fahrgastzahlen noch weiter herunterzurechnen.
    Das sollte man bei der Berechnung von Flughäfen und Autobahnen auch einführen. Es wird nur der Auto- / Flugverkehr gezählt, der die ganze Linie benutzt - von Anfang bis Ende. Das sähe für viele Autobahnen und Flughäfen sehr sehr schlecht aus ....
    Allerdings gibt es für Flughäfen und Straßen keine Begrenzung nach unten. Da genügen auch schon mal 1 - 10 Fluggäste für den Betrieb von Flughäfen, die vom Freitstaat mit Mio. € am Leben gehalten werden.
    Und des bleibt erst mal abzuwarten, wie sich der Sommerbetrieb abzeichnet.
    Selbstverständlich ist ein Eisenbahnbetrieb auch für den ländlichen Bereich geeignet. Sehr gut sogar.

  • Antwort von Hermann, Montag, 20.März, 20:57 Uhr

    Bei Ihren Ausführungen zu den Flughäfen ist wohl die Fantasie mit Ihnen durchgegangen. Es gibt keinen Flughafen mit 1 - 10 Passagieren.

    Die Politik lässt sich nichts einfallen, um die Fahrgastzahlen herunterzurechnen. Es reichen zwei Augen, um die sehr schwach besetzten Züge zu sehen. Ich bin im letzten Jahr mehrfach auf Nebenbahnen mit dem Zug gefahren. Außer bei der Schülerfahrt waren in keinem Zug mehr als 20 Fahrgäste. Einmal war ich sogar auf der Gesamtstrecke mit nur einem einzigen weiteren Fahrgast im Zug.

    Es ist Tatsache, dass außerhalb der Ballungsräume die Bahn wenig Zuspruch findet. Das ändert auch die Betrachtungsweise irgendwelcher Einsenbahnromatiker nicht

  • Antwort von Gast69, Montag, 20.März, 22:03 Uhr

    Wenn man sich nicht für Mobilität interessiert, kann es schon vorkommen, dass man nur die Fluggastzahlen von München im Kopf hat.
    Ach, wenn Sie wüssten ......

    Und was die Fahrgastzahlen angeht: Das haben schon viele Autolobbypoliter-Autostraßenromantiker gedacht, mit schlechten künstlichen Zahlen ein Nahverkehrsprojekt zu Fall zu bringen.
    Es ist Tatsache, dass außerhalb der Ballungsräume die Bahn ebenso guten zuspruch finden kann. Das ändert auch die Betrachtungsweise irgendwelcher Autoromantiker nicht.
    Träumen Sie weiter von der autogerechten Welt. In Zukunft sogar mit Autoverkehr völlig ohne Menschen. Zum Selbstzweck.