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Merian-Heft über Dreiflüssestadt Passau für den Rest der Welt

Der Merian ist die traditionsreichste Reise-Zeitschrift in Deutschland. Heute erscheint ein Heft mit einem bayerischen Thema: Passau. Es ist das zweite Heft über die Dreiflüssestadt. 1952 erschien das erste Heft.

Von: Bernd Kellermann

Stand: 19.10.2016

Merian-Heft über Passau | Bild: BR/Katharina Häringer

Der neue Merian ist am Dienstagabend vorgestellt worden - in Passau natürlich. Das neue Heft bietet Passau für Passauer, vor allem aber Passau für den Rest der Welt. Es geht natürlich um Studenten und die Domorgel, Lieblingsplätze, aber auch Glaskunst und Wandern im Bayerischen Wald.

Ode an Passau

Passau ist schön auf tollen Farbfotos - und gleichzeitig furchtbar. Das bringt der Kabarettist Sigi Zimmerschied unter einen Hut. Seine Ode im Merian-Heft heißt "Wenn Liebe wehtut".

"Passau ist eine Muse: grazil, italienisch, florentinische Aura. Mit einem alabasterweißen Domgesicht und feinädrigen Gassen."

Kabarettist Sigi Zimmerschied

Amputierte Stadtteile

Und dann holt Zimmerschied doch zum Schlag aus. Der sitzt besonders gut, weil die Zeitschrift in Passaus "Neuer Mitte", im sogenannten Stadtturm vorgestellt wurde.

"Passau ist eine vergewaltigte Stadt. Hier wurden ganze Stadtteile amputiert, im dumpfen Glauben, es täte ihr gut. Hässliche Narben wurden ihr zugefügt, wie der Beton-Stadtteil Haibach oder die sogenannte Neue Mitte, eine zur Kaufmeile aufgeblähte Menschengarage."

Kabarettist Sigi Zimmerschied

Revoluzzer, der zum Establishment gehört

Zimmerschieds Hass-Ode an Passau ist besonders lesenswert. Schön ist aber auch die Sammlung von Passauer Originalen, die der Merian zusammengetragen hat. Keine "Jodlerbayern" oder Pfarrer, sondern der Konditor Simon und der Scharfrichterhausgründer Walter Landshuter. Der alte Revoluzzer muss sich damit abfinden, dass er es jetzt schriftlich hat: Er gehört zum Establishment.

"Das lässt sich nicht vermeiden. Nach 40 Jahren mutiert man zum Denkmal."

Walter Landshuter

60.000 Exemplare des neuen Merian-Hefts sind seit Mittwoch in den Zeitschriftenläden, weitere 20.000 landen bei Abonnenten in aller Welt. das Heft kostet 8,95 Euro.


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