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Freyung Mordprozess: Angehörige des Opfers sagen aus

Ein 23-Jähriger soll seine Freundin in Freyung getötet haben, ihren Namen und das mutmaßliche Todesdatum ließ er sich als Tattoo stechen. Vor dem Landgericht in Passau schweigt er. Ausführlich hat sich nun die Mutter zum Tod ihrer Tochter geäußert.

Stand: 13.10.2017

Angeklagter im Mordprozess von Freyung zwischen seinen Verteidigern am Landgericht Passau | Bild: picture-alliance/dpa/Matthias Balk

Mit der Aussage der Mutter ist am Freitag der Prozess um den Mord an einer jungen Frau aus Freyung fortgesetzt worden. Die 43-Jährige berichtete vor dem Landgericht Passau, wie sie im vergangenen Herbst die Leiche der 20-Jährigen in deren Wohnung gefunden habe. Zu dem Zeitpunkt hatte sie schon seit drei Wochen keinen persönlichen Kontakt mehr mit ihrer Tochter gehabt.

Flucht nach Spanien

Angeklagt ist der 23-jährige Lebensgefährte des Opfers. Zum Tatvorwurf äußerte er sich im Verlauf des Prozesses bislang nicht. Der 23-Jährige soll die Frau, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat, mit einem Küchenmesser getötet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord aus niederen Beweggründen sowie Heimtücke vor. Der Angeklagte habe eine im Raum stehende Trennung nicht hinnehmen wollen und sein argloses Opfer nachts im Schlafzimmer angegriffen.

Der Fall hatte vergangenes Jahr bundesweit Schlagzeilen gemacht. Der Tatverdächtige war mit seinem Sohn nach Spanien geflohen und hatte sich ein Tattoo unter anderem mit dem Namen des Opfers und dem mutmaßlichen Datum der Ermordung stechen lassen.

Beziehung voller Krisen

Die Mutter des Opfers bezeichnete den 23-Jährigen als "überheblich", "aufgesetzt", "bequem" und "uninteressiert". Auch im Gerichtssaal wirkte der 23-Jährige unbeteiligt, als ginge ihn die Verhandlung nichts an. Er gähnte, rutschte auf dem Stuhl herum, rieb sich müde die Augen, legte den Kopf zurück. Zwischendurch machte er sich Notizen und sprach mit seinen Anwälten.

Der Mutter zufolge hat es in der Beziehung des jungen Paares von Anfang an viel Streit gegeben, mehrmals hätten sich die beiden getrennt. Das Kind sei nicht geplant gewesen, jedoch habe sich die Tochter darüber gefreut und sei fürsorglich gewesen. Der bereits wegen Einbruchs verurteilte Vater habe sich dagegen kaum um den Buben gekümmert. Deswegen habe es Streit gegeben - und auch, weil der Freund Geld verspielt und aus Eifersucht das Handy der 20-Jährigen kontrolliert habe.

Bei einer erneuten Trennung im vergangenen Sommer habe die Tochter gesagt, ihr Freund solle endlich aus ihrem Leben verschwinden, sie wolle ihre Ruhe haben, berichtete die Mutter unter Tränen. Die 20-Jährige sei eine neue Beziehung eingegangen. "Sie war wieder gut drauf, hat gelacht und war glücklich. So unbeschwert."

Mutter bekam SMS noch nach dem Verschwinden der Tochter

Die Mutter sagte, nach dem Verschwinden der Tochter habe sie Handynachrichten bekommen, nach denen die Tochter in den Urlaub gefahren sei. Nach drei Wochen sei sie mit zwei Polizisten in die Wohnung der Tochter in Freyung gegangen, die zwar einen starken Geruch feststellten, jedoch nichts fanden. Einen Tag später sei sie mit ihrem Mann zurückgekehrt, um zu putzen. Die Wohnung habe ausgesehen, als sei sie fluchtartig verlassen worden. In einer Nische hinter dem Kachelofen entdeckten sie die in Plastik verpackte Leiche. "Ich dachte erst, das ist ein alter Teppich."

Der zweieinhalb Jahre alte Sohn habe vor allem in den ersten Monaten nach dem Tod der Tochter nachts viel geweint und nach seiner Mutter gerufen, sagte die 43-Jährige. Mehrmals habe er "Mama aua" gerufen und einmal beim Anblick eines Kuchenmessers zu schreien begonnen. Was der Bub von der Tat mitbekommen hat, sei unklar.


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