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Landgericht Deggendorf Missbrauchs-Prozess um Ex-Priester: Wird Öffentlichkeit ausgeschlossen?

Vor dem Landgericht Deggendorf wird heute der Prozess gegen einen Ex-Priester wegen sexuellen Missbrauchs fortgesetzt. Der 53-Jährige soll über Jahre Kinder und Jugendliche in mehreren europäischen Ländern missbraucht haben. Jetzt geht es darum, ob das Verfahren öffentlich geführt wird.

Von: Harald Mitterer

Stand: 20.12.2017

Der 53-Jährige erschien am ersten Prozesstag vermummt im Gerichtssaal | Bild: picture-alliance/dpa/Armin Weigel

Im Prozess um einen Ex-Priester, der sich jahrelang an Kindern und Jugendlichen vergangen haben soll, wird heute entschieden, ob das Verfahren öffentlich bleibt. Am ersten Prozesstag hatte die Anwältin eines der Opfer beantragt, die Öffentlichkeit von dem Prozess auszuschließen. Sie begründete das mit der hohen Belastung für ihren erst zehn Jahre alten Mandanten. Anschließend wird die Anklage verlesen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Priester vor, seit Mitte der 90er-Jahre mehrere Buben bei mindestens 100 Gelegenheiten sexuell missbraucht zu haben. Außerdem soll der heute 53-Jährige versucht haben, eine 18-Jährige zu vergewaltigen. Schon 2004 war der Angeklagte in Karlsruhe wegen Vergewaltigung zu einer mehrjährige Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Mit falschen Zeugnissen zur Weihe

Laut Anklage hat sich der Mann mit gefälschten Zeugnissen eine Priesterweihe in Polen erschlichen. Nach Verbüßung seiner Gefängnisstrafe entfernte ihn die Kirche aus dem Klerikerstand. Trotzdem reiste der Mann weiter durch Europa, gab sich als Priester aus und machte sich offenbar wieder an Kinder heran.

Zahlreiche Anklagepunkte

Neben dem Missbrauch werden dem 53-Jährigen gewerbsmäßiger Betrug, Urkundenfälschung, Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen sowie weitere Delikte vorgeworfen. Im Fall einer Verurteilung droht dem 53-Jährigen eine mehrjährige Haftstrafe. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft geht wegen der pädophile Störungen von dem Mann eine Gefahr für die Allgemeinheit aus. Deshalb wird das Gericht auch eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie prüfen.


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