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Tausendfach geteilt Emotionaler Facebook-Post erobert Internet

Ein Facebook-Eintrag der "Medhilfe Passau", der in der Flüchtlingskrise zu mehr Menschlichkeit aufruft, verbreitet sich derzeit zehntausendfach im Netz. Bebildert ist der Beitrag mit schockierenden Fotos, die heftig diskutiert werden.

Von: Bastian Girg

Stand: 25.02.2016

Screenshot von der Facebook-Seite "Medhilfe Passau" | Bild: BR / Screenshot Facebook

Am Sonntagabend lassen die Ärzte der "Medhilfe Passau" ihre Emotionen raus. In einem langen Eintrag auf ihrer Facebook-Seite wenden sich die Mediziner, die sich ehrenamtlich um die Versorgung von Flüchtlingen kümmern, gegen Hass und Stimmungsmache gegen Flüchtlinge. Mittlerweile wurde der Beitrag mehr als 25.000 Mal geteilt.

Angelika Metzger-Weiser hat den Text gemeinsam mit ihrer Kollegin Sanne Burkert verfasst. Dort heißt es unter anderem:

"Wir sind besorgt, weil immer mehr Menschen in unserem Land sich von einer Welle der verbalen und tätlichen rechten Gewalt mitreißen lassen, ohne darüber nachzudenken, welche Werte sie dafür aufgeben."

Zitat aus dem Facebook-Eintrag

Seit Herbst im Einsatz

Rückblick: Im Herbst, als täglich tausende Flüchtlinge ankamen, gingen Metzger-Weiser und ihre Kollegen an den Passauer Bahnhof und halfen. Im Schichtbetrieb, erzählt sie, kümmerten sich die Ärzte um verletzte Flüchtlinge, die wegen des großen Andrangs durch das Raster des regulären Gesundheitssystems gefallen waren. Kriegsverletzungen, Knochenbrüche, unterversorgte Babys waren die Regel.

"Keine Kampfansage"

"Wir haben so viel Elend gesehen, dass wir nicht verstehen können, wie Menschen einen solchen Hass entwickeln können gegen die Flüchtlinge", sagt Angelika Metzger-Weiser im Gespräch mit dem BR. Deshalb verfassen Metzger-Weiser und ihre Kollegin den Facebook-Eintrag.

"Das ist keine Kampfansage gegen Rechts, sondern ein Appell für eine Rückbesinnung auf unsere ethischen Werte."

Angelika Metzger-Weiser

Nicht mit extremer Reaktion gerechnet

Der Appell verbreitet sich rasend schnell im Internet. Mehr als 25.000 Mal wurde der Beitrag geteilt, mehr als 18.000 Mal "geliked" und rund 1.500 Mal kommentiert. "Wir haben zwar erwartet, dass der Post für Aufsehen sorgt, aber mit dieser extremen Reaktion haben wir so nicht gerechnet". Natürlich freue sie der Erfolg, so Metzger-Weiser. Auch die Reaktionen auf den Text seien zu 99 Prozent positiv. Die Ereignisse in Clausnitz hätten den Beitrag wohl noch mehr "gepusht", vermutet Metzger-Weiser, weil eine gewisse Sensibilität für das Thema hergestellt war.

Fotos werfen Fragen auf

Screenshot von der Facebook-Seite "Medhilfe Passau" | Bild: BR / Screenshot Facebook

Klarstellung der "Medhilfe" zu den verwendeten Fotos.

Bebildert ist der Facebook-Eintrag mit schockierenden Fotos. Auf den Bildern sind etwa erfrorene Zehen und Finger zu sehen. Die Bilder stammen allerdings nicht von der "Medhilfe", sondern von der Facebook-Seite "Are You Syrious?", einer Gruppe aus Kroatien, die sich nach eigenen Angaben in der Flüchtlingshilfe engagiert.

Die Fotos, die nicht aus Passau stammen, sorgen in den Kommentaren für Kritik. In einem nachgeschobenen Post weist die "Medhilfe" nochmals explizit darauf hin, dass die Fotos nicht von ihren Ärzten stammen, verteidigt aber ihr Vorgehen. Das macht auch Angelika Metzger-Weiser gegenüber dem BR.

Teilweise noch viel schlimmere Verletzungen

"Wir haben uns das lange überlegt", sagt die Ärztin. Da die Gruppe selbst keine Fotos gemacht habe, weil dafür keine Zeit gewesen sei, habe man sich dazu entschlossen, sich bei der Seite zu bedienen.

"Wir können bestätigen, dass wir solche Verletzungen und teilweise noch viel schlimmere gesehen haben. Deshalb können wir auch dahinter stehen, solche Bilder zu verwenden. Es gibt einfach viele Menschen, die brauchen eher Bilder, um etwas zu verstehen."

 Angelika Metzger-Weiser

  • Bastian Girg | Bild: BR Bastian Girg

    Arbeitet in Regensburg im Studio Ostbayern des Bayerischen Rundfunks. Dort kümmert er sich vor allem um die Online-Berichterstattung.


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