22

10.000 Euro Belohnug Luchs möglicherweise erdrosselt

Ein Luchs, der bei Schönberg (Lkr. Freyung-Grafenau) tot im Straßengraben aufgefunden wurde, ist offenbar nicht durch einen Unfall gestorben, möglicherweise wurde er erdrosselt. Zur Ergreifung der Täter ist jetzt eine Belohnung ausgesetzt worden.

Stand: 11.03.2016

Luchs | Bild: picture-alliance/dpa

Wie das Polizeipräsidium Niederbayern am Donnerstag mitgeteilt hat, soll das Tier offenbar durch "menschliche Gewalteinwirkung" ums Leben gekommen sein. Zunächst war angenommen worden, dass der Luchs Ende Dezember beim Überqueren der Kreisstraße von einem Fahrzeug angefahren wurde und dann verendete. Allerdings wurde der Polizei kein Wildunfall gemeldet. Der Kadaver wurde für weitere Untersuchungen in Verwahrung genommen.

Luchs mit Draht erdrosselt?

Nun ergab ein Gutachten, dass möglicherweise eine Gewalttat vorliegt. Dabei seien keine Schussverletzungen oder Knochenbrüche festgestellt worden. Allerdings habe man Sand im Maul gefunden, was auf einen intensiven Todeskampf hindeuten könnte.

Luchsfalle

Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Grafenau, Richard Schmalzl, bestätigte dem Studio Ostbayern des Bayerischen Rundfunks, dass es sich beim Fundort des Tiers nicht um den Todesort handelte. Vermutlich wurde die Raubkatze also dort nur abgelegt. Bei der Todesursache des Jungtiers steht bislang fest, dass es nicht angefahren wurde, wie ursprünglich vermutet worden war. Schmalzl zufolge soll es Hinweise auf eine Drosselung geben, allerdings sei unklar, ob dabei auch ein Draht im Spiel war. Schmalzl hält mehrere Optionen für möglich: Demnach könnte das Tier sowohl Opfer eines Wilderers geworden sein, der mit Schlingen arbeitete, es könnte aber auch versehentlich in eine Schlinge oder einen Drahtzaun geraten sein. Derartige Fälle habe es in der Vergangenheit schon gegeben.

Ermittlungen wegen Wilderei

Die zuständige Polizeiinspektion Grafenau ermittelt wegen Jagdwilderei, einem Verstoß gegen das Bundesjagdgesetz und einem Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, wolle man über die genaue Todesursache keine Angaben machen, so die Polizei.

Umweltministerium setzt Belohnung aus

Das Bayerische Umweltministerium setzt für Hinweise zur Aufklärung eine Belohnung von 10.000 Euro aus. Das betonte die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) heute in München.

"Luchse sind streng geschützt. Die illegale Tötung streng geschützter Arten muss konsequent verfolgt und bestraft werden. Kriminelles Verhalten ist nicht hinnehmbar. Die zuständigen Ermittlungsbehörden werden alles Notwendige tun, um die Tat aufzuklären. Die Naturschutzbehörden unterstützen die Arbeit der Ermittler bestmöglich. Die Belohnung soll helfen, die Aufklärung der Tat entscheidend voranzubringen."

Ulrike Scharf (CSU), Umweltministerin

Bereits im Sommer 2015 hat das Umweltamt Strafanzeige erstattet und eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des oder der Täter führen.

Sondereinheit der Polizei gefordert

Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) fordert unterdessen eine Sondereinheit der Polizei. "Die illegalen Tötungen müssen aufhören", sagte Förster Jens Schlüter. Der BN-Geschäftsführer der Kreisgruppe Regen warb für mehr Akzeptanz innerhalb der Jägerschaft. Luchse seien keine lästigen Mitkonkurrenten um Rehwild, sondern gehörten zur Natur dazu. Der BN startete eine Unterschriftenaktion für eine Sonderkommission gegen Wilderei im Internet.

Aufregung um abgeschnittene Pfoten

Der Luchs: Ein gefährdetes Tier

Der Bayerische Jagdverband unterstützt seit 2008 ein Luchsprojekt im Bayerischen Wald. Jäger, die ein ganzjährig geschontes Wild wie den Luchs töten, denen drohen Jagdscheinentzug, Geld- oder sogar Freiheitsstrafen. Die meisten Jäger im Bayerischen Wald haben gelernt, mit dem Pinselohr zu leben. Luchse laufen jedoch Gefahr, von Autos überfahren zu werden, wenn sie auf ihren weiten nächtlichen Wanderungen Straßen überqueren. Auch die Jungensterblichkeit ist bei Luchsen hoch.

Damals herrschte im Bayerischen Wald Aufregung um einen möglichen "Luchs-Killer". Mehrere Luchse wurden im Lamer Winkel (Lkr. Cham) umgebracht, ihnen wurden außerdem die Pfoten abgehackt. Auch ein Gutachten bestätigte den gewaltsamen Tod der Tiere. Zum engen Kreis der Verdächtigen gehörten Jäger aus der Umgebung, diese wehrten sich allerdings gegen die Anschuldigungen. Experten zufolge werden Fälle von Wilderei so gut wie nie aufgeklärt.

Wenige Luchse, große Reviere

Luchse sind in Bayern streng geschützt. Der Jagdverband Bayern schätzt, dass es nur eine kleine zweistellige Zahl gibt. Genaue Angaben sind schwierig, da die Tiere sehr große Reviere haben und sich weitläufig im Grenzbereich zwischen dem Böhmerwald in Tschechien und dem Bayerischen Wald bewegen.

Wilderei bedroht den Bestand

Menschliche Einflüsse

Ein internationales Forscherteam mit Experten von der Universität München, aus dem Bayerischen Wald, aus Schweden, Norwegen und Polen hat im Dezember 2014 GPS-Daten der Luchse aus dem Bayerischen Wald und Skandinavien ausgewertet. Die Forscher untersuchten, ob und wie das menschliche Verhalten und die Beutedichte auf das Verhalten der Tiere Einfluss nehmen. In 530 ostbayerischen Gemeinden rund um die Nationalparks konnten sie die Anwesenheit von Luchsen nachweisen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass Siedlungen und Straßenverkehr die nachtaktiven Tiere nicht stören. Auch das Nahrungsangebot in der Umgebung der Parks war mehr als ausreichend. "Das Territorium bietet den Raubkatzen ideale Lebensbedingungen. Der Grund für ihre geringe Verbreitung liegt woanders: Wir gehen davon aus, dass illegale Abschüsse den Bestand dezimieren," stellt Jörg Müller fest.

Wilderei

Wilderei lässt sich zwar schwer nachweisen, allerdings verschwinden immer wieder registrierte Jungtiere. 2012 und 2013 wurde ein Luchs vergiftet und ein trächtiges Weibchen erschossen aufgefunden. Zudem verjähren in Tschechien Wilderei-Vergehen nach nur einem Jahr, illegale Abschüsse werden daher häufig nachgemeldet. So weiß man, dass die tschechichen Behörden seit der Ansiedlung der Luchse von 62 Tötungen erfahren haben. Forschungsleiter Müller geht davon aus, dass die Dunkelziffer noch viel höher liegt.

Aufgrund der Wilderei haben Luchse kaum eine Chance sich mit anderen Gruppen im Harz, den Vogesen, Karpaten oder Alpen zu vermischen – doch "nur so kann Europas drittgrößtes Raubtier langfristig überleben", erläutert Jörg Müller von der TU München.


22

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Elisabeth Geber, Montag, 14.März, 10:18 Uhr

8. Luchs - Belohnung 10.000 €

Für den Luchs sind 10.000,-- € Belohnung für sachdienliche Hinweise angesetzt.
Für sachdienliche Hinweise bei Menschenleben sind es gerade mal so um 1.000,-- €.
Wo bleibt hier die Realität? Ist ein "Fuchsleben" soviel mehr wert als ein Menschenleben?

walter danielis, Freitag, 11.März, 10:51 Uhr

7. Wilderei

Bei den Ermittlungen stellt sich doch die Frage: Wer hat ein Interesse, wer hat einen Vorteil.

Wenn man diese Frage beantwortet, ist der Kreis der möglichen Täter sehr gering. Hier muß Druck ausgeübt werden. Sachverständige müßten die Polizei unterstützen.

Wenn man weiß , wie in Bayern der Wildverbiss gehändelt wird, darf man durchaus Zweifel haben, ob hier wirklich mit Nachdruck ermittelt wird.

Elfriede Feicht, Donnerstag, 10.März, 12:56 Uhr

6. Jagdwilderei, Bundesjagdgesetz

Ich würde gerne wissen, inwieweit sich die Jagdschutzberechtigten um diesen Fall der Jagdwilderei kümmern?

as, Donnerstag, 10.März, 12:54 Uhr

5. Vielleicht gibt es eine Gerechtigkeit?

Der Mörder soll sich sowas von schämen. Ein wunderschönes Tier, wie es nur die Natur erschaffen kann. Es gibt Menschen, die doch nur vernichten können.

Lynx lynx, Donnerstag, 10.März, 12:01 Uhr

4.

Schade, dass einige Menschen mich immer noch als Konkurrent beim Wild sehen oder meinen, nur so ihr Vieh schützen zu können.
Ihr könnt euch bei den entsprechenden Stellen beraten lassen.
Erste Infos könnt ihr auch unter luchsprojekt punkt de erhalten.
Klickt hierfür links "Luchs & Mensch", "Luchs & Nutztiere" oder "Luchs & Wildtiere" an.
Liebe Grüße
Ein dankbarer Luchs