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Kinderfreies Hotel im Bayerischen Wald Diskriminierung oder Oase der Ruhe?

Im Urlaub suchen die meisten Ruhe und Erholung, da stört einige sogar Kinderlärm. Im südlichen Bayerischen Wald gibt es jetzt das erste offiziell "kinderfreie Hotel" - den Antoniushof in Schönberg (Lkr. Freyung-Grafenau). Diskriminiert das Konzept Familien oder orientiert man sich damit an Gästewünschen?

Stand: 24.03.2016

Die Antidiskriminierungsbehörde des Bundes hält solche "kinderfreien" Hotels für problematisch, weil sie Erwachsene wegen ihrer Kinder ausschließen. Und: Ein höherer Lärmpegel, durch den sich Gäste gestört fühlen könnten, reiche nicht aus, um Kinder vom Hotelbesuch auszuschließen.

Weniger Familien als Gäste

Spielende Kinder und dabei entstehender Lärm waren nicht der Grund, warum Hotelier Daniel Giffhorn 2011 seinen "Antoniushof" in Schönberg im Bayerischen Wald zum kinderfreien Hotel gemacht hat, konsequent buchbar erst ab 16 Jahren:

"Wir haben unsere bisherigen Kunden analysiert. Da war die Gruppe der Familien knapp unter einem Prozent der Gesamtgäste. Das ansteigende Volumen waren Geschäftsgäste und Reisegruppen. Bei unseren Befragungen unter den Gästen waren die wichtigsten Themen Wellness, Ruhe und Erholung."

Daniel Giffhorn, Seniorchef im Antoniushof

Nachdem das Haus zur "kinderfreien Zone" geworden ist, sind dem 100-Betten-Hotel sämtliche Familienfeiern mit Übernachtung weggebrochen. Es gab Ärger, wenn Gäste mit Kindern doch buchen wollten, und Tochter Tamara Posch, die selber zwei kleine Kinder hat, wurde im Freundeskreis angemeckert.

Daniel und Tamara Posch

"Wenn man dann aber ganz kurz nachhakt und sagt: 'Stell dir vor, du gehst nächste Woche mit deinem Mann oder deiner Frau in ein Hotel, und da sind keine Kinder, liegst am Liegestuhl und kannst wirklich entspannen. Dann fährst nach Hause und hast voll Power'. Und dann merken alle, dass es gar nicht GEGEN Kinder ist, sondern FÜR Eltern."

Tamara Posch, Hotel Antoniushof

Tatsächlich buchen hier auch Eltern, die mal ein paar Tage kinderfrei haben wollen. Das Paar-Paket "Kuscheltage Deluxe" ist der Renner, die Kleinen bleiben daheim bei Oma und Opa.

Zwei Familienhotels in Schönberg

Wer doch Urlaub mit Kindern im Bayerischen Wald machen will, findet im selben Ort zwei gute Adressen, denn gleich zwei Häuser in Schönberg haben sich auf Gäste mit Kindern spezialisiert. Im "Schreinerhof", einem 4-Sterne-Familienhotel, mit hoteleigenen Kindergarten, Babyfon, Hallenbad mit Rutsche, stört es keinen Gast, dass auch kinderfreie Hotels existieren. Es gebe ja auch genug hochwertige Angebote für Hotels mit Kindern, so die Hotelgäste im Schreinerhof. Es sei in Ordnung, jeder habe so seinen Rückzugsort.

Mehr Familienhotels als "kinderfreie"

Deshalb verpufft die Kritik der Antidiskrimierungsstelle des Bundes an kinderfreien Hotels wohl auch, glaubt Josef Süß, Leiter der Schönberger Tourist-Info. Deutschlandweit gibt es außerdem mehr Familienhotels als kinderfreie und auch immer mehr Häuser für Senioren, Motorradfahrer oder weiterer Zielgruppen:

"Das ist eine Kostenfrage. Man muss dementsprechend das Hotel planen und so kann man es richtig dementsprechend der Zielgruppe ausrichten."

Josef Süß, Leiter der Schönberger Tourist-Info

Denn die Ansprüche steigen. Günter Schon vom Familienhotel Schreinerhof investiert heuer in ein zweites Schwimmbad, einen sogenannten Infinity-Pool auf dem Dach. Der soll dann ausschließlich für Erwachsene zugänglich sein. "Das kommt immer mehr, dass man sich im Haus stärker differenziert", so Schon.


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Anne, Samstag, 26.März, 18:06 Uhr

22. Diskriminierung...

Ich finde kinderfreie Hotels durchaus eine gute Idee.
Ich selbst bin aus gesundheitlichen Gründen ungewollt kinderlos, für mich sind Kinderfreie Hotels ein Segen, denn dort finde ich einerseits Ruhe und andererseits hab ich nicht ständig vor Augen, was mir selbst verwehrt bleibt.
Gäbe es also im Umkehrschluss nur noch Familienhotels wäre es für mich nicht möglich Urlaub zu machen.
Also, wer nimmt Rücksicht auf ungewollt kinderlose Paare? Ist das vielleicht auch schon wieder eine Art der Diskriminierung?
Für unterschiedliche Lebensphasen gibt es unterschiedliche Hotels! Also, wo ist das Problem?!
Jeder sucht sich einfach für sich das raus was für ihn passt. Es gibt doch genug Möglichkeiten für unterschiedliche Bedürfnisse.

Micha, Freitag, 25.März, 21:04 Uhr

21. Familienhotel oder Kinderfreies Hotel

Für jedes Bedürfnis gibt es Hotels. Solange man selber Kinder hat, ist der Urlaub in einem Familien- und Kinderhotel die richtige Wahl. Unsere Kinder sind erwachsen und fahren nicht mehr mit uns in den Urlaub. Wir waren auch schon in einem kinderfreien Hotel und haben dort die Ruhe genossen. Wir sind deshalb bestimmt nicht kinderfeindlich.

Ingrid, Freitag, 25.März, 15:08 Uhr

20. Komplette Antidiskriminierung - des miassad da Himme sei..

Ein Hotelier richtet seine Vermarktung doch tatsächlich nach seinen Erfahrungen aus; da gibt es tatsächlich Eltern, die mal ein paar Tage für sich sein wollen; Alleinreisende oder kinderlose Paare, womöglich Hotels, die keine Erwachsene wollen. Ja wenn man das alles in den Griff kriegen könnte - das wäre der Himmel oder? Keiner macht mehr Witze über andere, keiner macht mehr irgendwas Verrücktes, keiner erdreistet sich mehr, für etwas oder jemand zu sein, denn irgendwem tritt man (oh sorry mann/frau) damit immer auf die Füße - das müsste doch der Himmel sein ohne Diskriminierung! Lieber Gott oder irgendein anderes Religionsoberhaupt, sorry ich nehme lieber den anderen Ausgang. Lache weiter über Kinder, Eltern, über 60-jährige (müffelnd oder nicht), Andersgläubige, über Schwule und Lesben, Gesundheitsfanatiker ... und freue mich, dass von jeder Spezies jemand zu meinem Freundeskreis gehört und mit mir und über sich selbst und mich lachen kann bis zum Umfallen!

Siegfried Putz, Freitag, 25.März, 08:10 Uhr

19. Darf es Erwachsenenhotels geben?

Wenn es Kinderhotels gibt, sollte es auch Erwachsenenhotels geben dürfen. Wenn es Hundehotels gibt, sollte es auch hundefreie Hotels geben. Diese natürliche Entwicklung wird leider allzuoft von Idiologen aller Richtungen zur Diskriminierung hochstilisiert. (...) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Marianne, Freitag, 25.März, 00:54 Uhr

18. Ist doch super!

Ich habe selbst zwei lebhafte Kinder. Ins Hotel möchte ich mit denen noch nicht, weil es für mich überhaupt keine Erholung bedeuten würde ständig meine Kinder einbremsen zu müssen. Wenn es also "kinderfreie" Hotels gibt können doch Leute die aus welchen Gründen auch immer ihre Ruhe vor Kindern wollen da wohnen. Und in den anderen brauchen sich Eltern nicht sooo für ihre übermütigen Kinder schämen.