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Bier aus Straubing "Grenzzaun-Halbe" vom Markt genommen

Die Straubinger Röhrl-Brauerei nimmt die sogenannte Grenzzaun-Halbe sofort vom Markt. Das erklärte Geschäftsführer Frank Sillner. Das Bier wurde seit rund einer Woche verkauft und hat einen Proteststurm ausgelöst.

Stand: 22.03.2016

"Grenzzaun Halbe" aus Straubing | Bild: BR/Bastian Girg

Er sei nicht rechtsradikal und wenn man dennoch in die rechtsradikale Ecke gestellt werde, gebe es nur die eine Kosenquenz, sagte Sillner. Ziel sei nur die Bitte gewesen: Bewahrt unser schönes Bayern. Finanziell sei die Grenzzaun-Halbe ein Desaster, so Sillner.

Aufmachung der Flasche macht stutzig

Geschäftsführer der Straubinger Röhrl-Brauerei, Frank Sillner

"Beschützen", "Verteidigen", "Bewahren" steht auf dem Etikett - dazu "Fleiß", "Loyalität", "Disziplin" und darüber in blauer Frakturschrift "Grenzzaun Halbe". Dazu eine lächelnde Totenkopfversion des Bruder Straubinger - des Handwerksburschen, der sonst auf den Flaschen der Röhrl-Brauerei zu sehen ist. Eine Provokation? Ein Missverständnis, sagte Frank Sillner am Montag (21.03.16).

Die Brauerei distanzierte sich entschieden davon, in die rechte Ecke gestellt zu werden. Bayern liebten Bayern und man habe auf das Etikett der Grenzzaun-Halben alles Gute geschrieben, was Bayern ausmache.

"Die Gemütlichkeit, Weißwurstäquator, Volksfestzeit und so weiter. Wir wollten darauf hinweisen. Einen Denkanstoß geben, dass Bayern Bayern bleiben muss. Dass wir diese Werte bewahren und beschützen müssen."

Frank Sillner, der Geschäftsführer der Röhrl-Brauerei

Versteckter Hitlergruß?

Die Idee zu dem Bier kam während der Diskussionen um die Flüchtlingspolitik vor einigen Monaten. Und da der eigentlich geplante Name "Bayern-Halbe" bereits vergeben war, entschied man sich dann für den "Grenzzaun", der Kritikern übel aufgestoßen ist. Diese störten sich auch am Verkaufspreis von 88 Cent und am Mindesthaltbarkeitsdatum der Flaschencharge, dem 9. November. Hinweise für die rechte Szene, sagten Kritiker. Sillner verneinte dies.

"Wir verkaufen es ja nicht für 88 Cent. Wir verkaufen für 80 Cent die Einzelflasche, plus Pfand. Das ist an den Haaren herbeigezogen."

Frank Sillner, der Geschäftsführer der Röhrl-Brauerei

Die 88 steht in rechtsradikalen Kreisen für den Hitlergruß. Auch die Kritik am Ablaufdatum, dem 9. November (Reichspogromnacht), findet Sillner nicht gerechtfertigt. Das Bier habe acht Monate Mindesthaltbarkeit und sei eben am 9. März abgefüllt worden.

Studentenwerk will keine Getränke mehr kaufen

Nach der Kritik an der "Grenzzaun-Halbe“ sprach sich das Studentenwerk Niederbayern-Oberpfalz dafür aus, keine Getränke der Straubinger Brauerei Röhrl mehr zu kaufen. Das hatte die Geschäftsführerin des Studentenwerks in Regensburg mitgeteilt. Gerlinde Frammelsberger teilte mit, dass die Bestände noch abverkauft werden sollen, neues Bier der Brauerei will das Studentenwerk nicht mehr kaufen. Von dem Bestellstopp seien laut Frammelsberger alle fünf Mensen und 17 Cafeterien des Studentenwerks der Unis in Regensburg und Passau betroffen sowie den Hochschulen in Regensburg, Landshut und Deggendorf.

Die umstrittene "Grenzzaun-Halbe" sei ohnehin nicht im Bestand gewesen. Zuvor hatten sich studentische Gremien der Regensburger Uni für einen Röhrl-Boykott ausgesprochen.

Studentenausschuss vermutet auch politischen Hintergrund

Screenshot des Tweets

Der Asta (Allgemeiner Studentenausschuss) der Uni Regensburg vermutete finanzielle Motive der Brauerei, zumal das Bier offenbar einen großen Absatz fand. Aber auch einen politischen Hintergrund. 

Sprecherin Nadine Randak sagt, es sei klar, welches Klientel dieses Bier gut fände. Auf dem Twitter-Account "AfD KV Deggendorf" sei zu lesen: "Ahh jetzt eine frische 'Grenzzaunhalbe'. Danke liebe Antifa für den Tipp!" Inzwischen ist dieser Tweet gelöscht, er liegt allerdings dem BR als Screenshot vor. Heute kam von dem Account ein weiterer Tweet, der mit dem Kürzel "FS" gezeichnet war: "Der Kommentar zum 'Grenzzaunbier' widerspiegelt meine persönliche Meinung. Ich bin kein Funktionsträger des Kreisverbandes Deggendorf. (FS)". Weiter erklärte Asta-Sprecherin Randak:

"So ein rechts-gesinntes Klientel passt nicht an die Uni, die den Anspruch hat, weltoffen zu sein. Das Bier und die Brauerei haben an der Uni keinen Platz."

Nadine Randak, Asta-Sprecherin


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Christopher, Freitag, 01.April, 12:34 Uhr

80. Zynisches Marketing

Ich habe nicht den Eindruck, dass der gute Herr Sillner besonders überzeugt sei von einer rechtskonservativen Sache außerhalb der üblichen nach Sauerkraut stinkenden Heimattümmelei. Aber er hätte sich wohl eine Marktlücke gesehen bei all der unterschwelligen Xenophobie, die gerade in der BRD wieder salonfähig wird. Bei der Stammtischliga der Politisch und Sozial Ignoranten kam das wohl gut an.
Ich wohne keine 500m weit weg von der Röhrl-Brauerei. Aber deren Ausstoß werde ich wohl in Zukunft nicht mehr genießen - nicht dass die Karmeliten-Brauerei nicht sowieso besseres Bier braut. Gratulation zur Selbst-Sabotage, Herr Sillner.

Klaus, Freitag, 25.März, 23:53 Uhr

79. Abartig

Abartige Menschen brauen abartiges Bier und versuchen es mit abartigem Marketing an abartige Konsumenten zu verkaufen...
Pfui! Niemand soll eure Plörre mehr kaufen.

Oliver, Donnerstag, 24.März, 15:19 Uhr

78. Zweierlei Maß?

Viel bedenklicher finde ich das es jeden Tag im deutschen TV Nazi-Dokus laufen. Sicher, der Bildungsauftrag usw., jedoch wo ist hier eine Grenze? Wenn man solche Themen im Überfluss sendet, Menschen das täglich evtl. auch noch ohne pädagogische Begleitung, entsteht eine eigene Ideologie zu diesem Thema. Da ist der Name eines Bieres nur ein willkommener Teil selbiger.

Klaus, Donnerstag, 24.März, 14:12 Uhr

77. Grenzzaunbier

Eine geile Idee wenn jetzt noch 10 cent je Flasche auch noch für den bau eines neuen Grenzzaunes gespendet werden würde.
Ähnlich damals der Aktion mit dem Regenwald.Dann würde man sehen wie viele Bürger wieder für sicherer Grenzen wären.
Ich würde es kaufen !
Sollen sich mal die Studenten auf´s lernen konzentrieren damit wir nicht so viele Fachkräfte aus dem Ausland brauchen.
Gruß aus der Merkel geplagten Hauptstadt ;-)

Albert Mayer, Mittwoch, 23.März, 19:11 Uhr

76. Grenzzaunhalbe

Wie betrunken muß Jemand sein, auf so einen Namen zu kommen?