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Bayerischer Wald Nationalpark wird wegen Wolf-Abschuss scharf kritisiert

Zwei der entlaufenen Wölfe rund um den Nationalpark Bayerischer Wald sind bereits erschossen worden. Darüber ist eine hitzige Diskussion entbrannt: Ist der Abschuss richtig? Der Nationalpark muss sich harsche Kritik gefallen lassen.

Von: Renate Roßberger

Stand: 11.10.2017

 Es gestaltet sich schwerer als gedacht, die ausgebrochenen Wölfe zurück an ihren Platz zu bringen. Wie bereits berichtet verschwanden in der Nacht zum Freitag (06.10.17) die Tiere aus dem Nationalparkzentrum Falkenstein bei Ludwigsthal (Lkr. Regen). Mehrere Versuche die Wölfe mit Futter anzulocken oder sie mit Narkosegewehren zu betäuben, scheiterten. Jetzt geht die Suche nach den Raubtieren weiter. Diesmal allerdings mit scharfer Munition. Ein Wolf wurde bereits erschossen. Eine konkrete Gefahr für die Bevölkerung bestehe zwar nicht, trotzdem stuft die Nationalparkverwaltung, laut BR24, die Tiere als Zeitbomben ein. Denn die Tiere sind nicht scheu und lassen kaum Abstand zu Menschen. Schon mehrere Male wurden die Wölfe von Wanderern gesichtet. Ob es gelingt die Wölfe zu erschieߟen, wird der Sonntag zeigen. | Bild: NEWS5 / Pieknik

Im Netz hagelt es derzeit viel Kritik und teils auch Beschimpfungen gegen den Nationalpark. "Hirnlose Knallerei" wird den Verantwortlichen vorgeworfen, sie sollen sich schämen. Auch Jan Turner, der in einem halböffentlichen Brief seine Enttäuschung über den Abschuss der Wölfe erklärt und seinen ehrenamtlichen Waldführerjob medienwirksam an den Nagel gehängt hat, findet, die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald handelt vorschnell.

"Es ist eine unglaubliche Angst von Seiten der Nationalparkverwaltung beziehungsweise der übergeordneten Institutionen, also Umweltministerium, weil Bauern und Jagdverbände ganz massiv Lobbyarbeit gegen Wölfe betreiben. Man versucht alles so zu machen, dass man sich nicht angreifbar macht für Kritik aus diesen Reihen."

Jan Turner

Laut Turner gebe es Fälle von entlaufenen Gehegewölfen, die unauffällig in den Wäldern geblieben sind, zum Beispiel Wölfin "Bärbl" in Thüringen.

Mangelnde Tierliebe beim Nationalpark?

Unterstützung bekommt die Nationalparkverwaltung vom Verein "Pro Nationalpark Zwiesler Winkel". Es sei naiv, dem Nationalpark mangelnde Tierliebe vorzuwerfen, sagt der Vorsitzende des Vereins, Volker Freimuth.

"Gehegewölfe sind halt keine wilden Wölfe. Wenn was passiert, dann ist das Geschrei in Bayern groß. Und dann ist auch die Population der wilden Wölfe gefährdet."

Volker Freimuth

Deshalb stellt sich der Verein, in dem die meisten Waldführer organisiert sind, hinter die Entscheidung, notfalls zu schießen. Freimuth hat die Wölfe sogar mit eigenen Augen gesehen: Beim Spaziergang mit seinem Hund ist er zwei entlaufenen Gehegewölfen begegnet. Er hat sie friedlich erlebt.

"Ich hab bei den Wölfen, die bis auf 20 Meter an mich herangekommen sind, keine Aggression verspürt. Das war mehr Neugierde."

Volker Freimuth

Aber so was könne auch anders laufen, so Freimuth.

"Keine Zeit für Diskussion"

Der stellvertretende Nationalpark-Leiter Jörg Müller hält sich momentan aus allen Diskussionen raus:

"Wir haben alle Hände voll zu tun, das hier möglichst für die Wölfe positiv zu Ende zu bringen. Da haben wir keine Zeit, uns an irgendwelchen Diskussionen irgendwo in Deutschland zu beteiligen."

Jörg Müller

Ein lebend gefangener Gehegewolf würde die Situation entspannen. Auf der anderen Seite könnte ein vom Wolf zerfleischtes Schoßhündchen die öffentlichen Emotionen aber in die andere Richtung hochkochen lassen.


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Kornelia PLötz, Mittwoch, 11.Oktober, 17:59 Uhr

8. Entlaufene Wölfe

Es gibt in und um das Gebiet der entlaufenen Wölfe auch menschen, die nachts arbeiten müssen: Zeitungsträger, Müllmänner. Ebenso Menschen, die z u F u s s auf den Bus oder den Kollegen warten müssen, der sie im Auto mitnimmt.
Am Tag mag man einen Wolf noch kommen sehen- A b e r N a c h t s nicht!
Wir sind mit Sicherheit tierfreundlich- doch hier geht die Sicherheit der Menschen eindeutig vor!
Die Menschen, die hier immer die Führung des Nationalparks anprangern, sind in Sicherheit- sie leben nicht hier in der akuten Gefahr.
Ich würde all diese Leute einladen, mit uns nachts unterwegs !

Mario Kawala, Mittwoch, 11.Oktober, 16:26 Uhr

7. Wölfe

Man sollte einen Punkt nicht vergessen, die Wölfe waren bereits in der Sekunde tot als sie das Gehege verließen. Deutschland macht keine Gefangenen wenn es um Tiere geht die nicht ins Schema "lieb und nützlich" passen. Bereits 1971, 1976 und 2002 verschwanden aus diesem Naturpark Wölfe, keiner hat das "einfangen" überlebt. Ob nun eine politische Entscheidung der Grund für den finalen Todesschuss ist oder laienhaftes Unvermögen der Beteiligten dürfte den Wölfen egal sein. Die eine oder andere Tierschutz-Organisation stellt sich bereits hinter der NP-Entscheidung und sieht in den toten Gehegewölfen den Preis den man wohl zahlen muss für den Schutz der freilebenden Brüder. Angesichts dessen, das die Wölfe in Deutschland mittlerweile zum Politikum wurden bei dem profilierungsgeile Politiker und Parteien im Takt mit der Lobby aus Landwirtschaft, Forst und Jagd um die Wette trommelt, steckt da wohl leider auch viel Wahrheit drin.

Andreas Demmel, Mittwoch, 11.Oktober, 16:18 Uhr

6. InZukunft

Ab jetzt wird jeder Wolf geschossen es könnte der Gehegewolf sein der gefährlich ist

Bentele Petra, Mittwoch, 11.Oktober, 14:06 Uhr

5. Streng geschützte Wölfe!!!

Weltweit werden wilde Tiere problemlos gefangen, umgesiedelt und wieder freigelassen. Nur in Deutschland sterben die Tiere die man eigentlich lebend fangen will am Ende durch eine Kugel oder verschwinden 'spurlos'. Bruno, Kurti, Pumpak usw. und nun 5 Gehegewölfe. Sind die verantwortlichen Instanzen in Deutschland nur hochgradig neurotisch, inkompetent oder einfach nur desinteressiert! Es ist mir völlig unverständlich wie schnell man hier streng geschützte Tiere gegen jede Vernunft und den erklärten Willen der Bevölkerung töten lässt!!

  • Antwort von thorie, Mittwoch, 11.Oktober, 17:49 Uhr

    bevor du anderen inkompetenz vorwirfst..... fahr hin und zeig den experten, wie man/frau wölfe einfängt !

    die werden dir dankbar sein !

  • Antwort von Franki, Mittwoch, 11.Oktober, 17:59 Uhr

    "Es ist mir völlig unverständlich wie schnell man hier streng geschützte Tiere gegen jede Vernunft und den erklärten Willen der Bevölkerung töten lässt!!"

    tja - leider nicht ganz richtig: der erklärte Wille eines Großteils der Bevölkerung ist, dass frei lebende Wölfe nicht nach Deutschland gehören! Nicht alles, was gerne behauptet wird, gehört auch wirklich zu Deutschland.

Max Steiner, Mittwoch, 11.Oktober, 13:51 Uhr

4. Knurrende Wölfe ..

In einem der letzten BR-Berichte zu dem Thema wurde einer der Offiziellen zitiert, "ein Wolf hätte Spaziergänger angeknuurt". Wenn ich alle Schäferhunde, die mich bisher beim Wandern, Radfahren oder auch nur Spazierengehen angeknurrt haben, abgeschossen hätte, würden Hundeleichen meine Weg pflastern ...