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Flüchtlinge in Nachtclub Landratsamt prüft Vertragsauflösung

Flüchtlinge sind in Siegenburg (Lkr. Kelheim) über einem Nachtlokal untergebracht. Das Landratsamt Kelheim prüft jetzt eine vorzeitige Vertragsauflösung für die Unterkunft. Und die Flüchtlinge? Sie hoffen, dass die Bevölkerung sie nicht für Besucher des Etablissements hält.

Stand: 20.01.2016

15 Tage lang war Abdull Messia Intakli großteils zu Fuß auf der Flucht: von Syrien über die Türkei, Griechenland und über die Balkanroute bis nach Deutschland. Seit einer Woche hat er im Landkreis Kelheim Zuflucht gefunden: über einem Siegenburger Nachtclub. Das war Abdull Messia Intakli am Anfang überhaupt nicht bewusst.

"Wir haben überhaupt nicht verstanden, über was wir da eigentlich wohnen. Es ist auch nicht laut. Wir schlafen alle gut und sind zufrieden mit den Zimmern. Wir machen uns aber Sorgen, dass die Menschen in Siegenburg denken, wir wären sogar glücklich über die Situation und würden jeden Tag nach unten gehen."

Abdull Messia Intakli

Rote Wände, schiefe Leuchter

Mit dem Nachtcafé Atlantis teilen sich Abdull Messia Intakli und die anderen acht Syrer nicht nur das Haus, sondern auch den gemeinsamen Eingang. Zu den Flüchtlingszimmern im Obergeschoss führt der Weg an roten Wänden vorbei. Schiefe Leuchten hängen daran - mit Glühbirnen in Kerzenform. Oben in den Zimmern ist es relativ ruhig. Dort bekommen die Flüchtlinge nichts mit, wenn unter ihnen von Mittwoch bis Sonntag der Abendbetrieb beginnt.

Die Flüchtlinge haben kein Problem mit der ungewöhnlichen Nachbarschaft, Nachtclubs gäbe es auch in Syrien, sagen sie. Ihren Familien zuhause verschweigen die meisten die Situation aber dann doch.

Bürgermeister: "Unmöglicher Zustand"

Den Vertrag mit den Vermietern hat der Landkreis Kelheim abgeschlossen. Die Siegenburger sind wenig begeistert von der Lage der Unterkunft. Brigitte Krojer-Gruber vom örtlichen Helferkreis dachte an einen schlechten Scherz, als sie von den Plänen des Landkreises erfuhr. Kleine Maßnahmen - wie beispielsweise ein separater Eingang - könnten aber schon helfen, heißt es im Helferkreis. Bürgermeister Johann Bergermeier (UW) hält die Unterkunft für nicht zumutbar, er hatte den Landkreis gewarnt:

"Ich habe das Landratsamt bereits vor Weihnachten darauf hingewiesen, dass ein Erotikbetrieb in diesem Haus ist und dass es ein unmöglicher Zustand ist, wenn in diesem Haus Asylsuchende, die möglicherweise traumatisiert sind, untergebracht werden."

Johann Bergermeier, Bürgermeister (UW) von Siegenburg

Es sei nicht optimal gewesen, die Flüchtlinge dort einzuquartieren, sagte Landratsamtssprecher Heinz Müller dem BR. Allerdings sei die Unterbringung der aktuellen Lage geschuldet gewesen. Allein im Dezember habe man für 400 neue Asylbewerber Unterkünfte suchen müssen.

Gebäude wurde nicht beanstandet

Von der Vermieterin in Siegenburg sei nicht bekannt gewesen, dass sie in demselben Gebäude auch einen Nachtclub betreibe. Sicherheitstechnisch und feuerpolizeilich seien die Räumlichkeiten im Obergeschoss des Gebäudes für Flüchtlinge geeignet. Deswegen habe man den Einjahres-Mietvertrag für neun Asylbewerber abgeschlossen. Es seien keine Familien darunter, so der Sprecher.

In zwei Wochen soll Klarheit herrschen

Bis in etwa 14 Tagen werde feststehen, ob eine vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses rechtlich möglich sei. Ansonsten würden die Flüchtlinge ein Jahr in der umstrittenen Unterkunft bleiben. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden würden in der Regel immer erst nach Abschluss eines Mietvertrags für eine Flüchtlingsunterkunft informiert. So sei es auch in Siegenburg gewesen.


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