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Flüchtlinge in Niederbayern Wohl etwas weniger Zustrom, Winterkleidung knapp

Der Zustrom von Flüchtlingen an der österreichisch-deutschen Grenze bei Passau hat wohl etwas nachgelassen. Laut Bundespolizei kamen in Wegscheid, Passau-Achleiten und am Bahnhof Passau weniger als 6.000 Menschen an.

Stand: 30.10.2015

Polizisten stehen nahe Wegscheid (Bayern) an der deutsch-österreichischen Grenze (Archiv) | Bild: dpa-Bildfunk / Sebastian Kahne

Nicht nur die geringere Anzahl, auch die regelmäßigere Zufuhr von österreichischer Seite habe dazu geführt, dass die Menschen schneller in die Unterkünfte auf deutscher Seite gebracht werden konnten, so die Bundespolizei weiter. Passau-Achleiten war bereits gegen 22.30 Uhr geräumt und in Wegscheid hatten kurz vor Mitternacht nur noch wenige Hundert Menschen auf die Weiterfahrt gewartet. In der Nacht zuvor waren erst gegen 03.00 Uhr am Morgen die letzten wartenden Flüchtlinge von den Grenzorten in die Unterkünfte gebracht worden.

Es mache den Eindruck, als laufe auf österreichischer Seite alles etwas geregelter und flüssiger ab, sagte der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung, Frank Koller. Es seien nicht mehr auf einen Schlag zu viele Flüchtlinge an die Grenze gebracht worden. Eben diese Praxis hatte zuvor für lange Wartezeiten gesorgt.

Österreich will Situation der Flüchtlinge verbessern

Die Situation für die Flüchtlinge am Grenzübergang Wegscheid soll etwas komfortabler werden. Nach Informationen der Bundespolizei wollen die österreichischen Behörden ein 1.000 Quadratmeter großes winterfestes Zelt für die wartenden Flüchtlinge aufbauen. Bisher hatten die Menschen auf der Straße oder einer feuchten Wiese ausharren müssen, bis sie mit Bussen in die deutschen Unterkünfte gebracht wurden.

In der Nacht zu Donnerstag hatten noch rund 2.500 Flüchtlinge, darunter viele Säuglinge, auf der österreichischen Seite bei Wegscheid stundenlang auf einer nassen Wiese im Licht der Scheinwerfer gewartet. Die Temperaturen lagen bei etwa zwei Grad, am Boden knapp darunter.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das erste Baby hier erfriert."

Lothar Venus von der Stabsstelle des Landkreises Passau

Überfüllte Unterkünfte

Am Donnerstagmorgen waren die Notquartiere für Flüchtlinge im Raum Passau noch komplett überfüllt. Erst gegen 3.00 Uhr in der Nacht waren die letzten wartenden Flüchtlinge von den Grenzorten in die Unterkünfte gebracht worden. Insgesamt waren am Mittwoch mehr als 6.500 Flüchtlinge im Raum Passau angekommen.

Sonderzüge bringen Flüchtlinge in andere Städte

Kurios: Busfahrer unter Schleuserverdacht

Weil sie an einer Kreuzung falsch abgebogen sind, stehen zwei Busfahrer aus Österreich unter Schleuserverdacht. Sie waren am Donnerstag mit den mit Flüchtlingen besetzen Fahrzeugen aus Versehen auf die deutsche Seite der Grenze bei Passau gefahren und von der Bundespolizei erwischt worden. Nun wird gegen die beiden Fahrer ermittelt, bestätigte die Bundespolizei. In U-Haft müssten die Fahrer wahrscheinlich nicht, eine Anzeige gebe es aber auf jeden Fall. Die Flüchtlinge wurden mit anderen Bussen in deutsche Notquartiere gebracht.

Die wichtigste Aufgabe für die Bundespolizei war daher zunächst, die Unterkünfte so rasch wie möglich zu räumen, ehe die ersten Busse aus Österreich mit weiteren Flüchtlingen anrollten. In der Dreiländerhalle in Passau wurden am Donnerstagmorgen 1.500 Menschen versorgt, in den Paul-Hallen 1.000. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Notquartiere. Im Laufe des Tages waren vier Sonderzüge von Passau geplant, die mehr als 2.000 Menschen auch in andere Bundesländer verteilen sollten. Die Züge sollten unter anderem nach Köln, Hannover und Saalfeld fahren.

Ende nicht in Sicht

In den kommenden Tagen ist ein Ende des Zustroms von Flüchtlingen nicht in Sicht. Auf der sogenannten Balkan-Route durch Kroatien, Slowenien und Österreich Richtung Deutschland sind weiter Tausende Flüchtlinge unterwegs.

Diese Brücken führen von Österreich nach Bayern

Treffen von Kommunalpolitikern

Ungeachtet der Spannungen zwischen Österreich und Deutschland in der Flüchtlingsfrage wollen die Kommunalpolitiker in Simbach am Inn und dem benachbarten Braunau weiter eng zusammenarbeiten. Das sagte Simbachs Bürgermeisters Klaus Schmid (CSU) am Ende eines gemeinsamen Treffens im Rathaus von Simbach. Zu konkreten Ergebnissen vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Er wolle vor allem erreichen, dass die humanitäre Situation für die Flüchtlinge auf der Innbrücke verbessert werde, sagte Schmid nach dem Treffen.


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