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Flüchtlinge im ländlichen Raum Wie die Integration im Job klappt

Für eine gelungene Integration der anerkannten Asylbewerber in Deutschland ist eines besonders wichtig: ein Arbeitsplatz. Doch wie klappt die Integration in den Betrieben? Einige Firmen in Ostbayern haben schon Erfahrungen gesammelt. Die fallen unterschiedlich aus.

Stand: 12.02.2016

Symbolbild: Projekte der beruflichen Integration von Asylbewerbern | Bild: pa/dpa/Michael Reichel

Leitungen isolieren, Sicherungen einbauen, Lichtschalter anbringen: Seit zwei Jahren gehört das zum Alltag von Hussein Zamani. Der 20-jährige Afghane lebt seit vier Jahren in Deutschland und macht in Lappersdorf (Lkr. Regensburg) eine Ausbildung zum Elektriker. Am Anfang machten ihm vor allem Fachbegriffe und der Dialekt seiner Kollegen Probleme. "Meine Kollegen mussten fast alles zweimal sagen, aber jetzt komme ich klar", erzählt er in fast fehlerfreiem Deutsch. Sein Chef Gerhard Gröschl ist gerade deshalb so zufrieden mit ihm.

"Wenn das mit der Sprache nicht klappt, ist es unmöglich, einen technischen Beruf mit unseren Standards zu erlernen. Das wird in der Berufsschule und im Betrieb nicht klappen."

Gerhard Gröschl, Elektromeister

Integration kostet Zeit und Geld

Für Gröschl kommt es durchaus in Frage, weitere Flüchtlinge in seinen Betrieb aufzunehmen. Trotzdem sagt er völlig nüchtern: "Der Aufwand ist enorm." Der Betrieb müsse viel Zeit und Geld investieren, und dann drohe immer noch eine Abschiebung.

"Wenn wir Flüchtlinge gewinnen und fördern können, werden wir das gerne tun. Aber wer glaubt, dass wir mit Flüchtlingen den Fachkräftemangel lösen können, der irrt sich."

Gerhard Gröschl, Elektromeister

Es ist eine Einschätzung, die auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) teilt. Viele Flüchtlinge müssten erst noch Deutsch lernen und sich weiterbilden, bevor sie in den Arbeitsmarkt kommen, sagt Harald Fellner von der IHK in Regensburg. Die Bereitschaft von Betrieben, Flüchtlinge aufzunehmen, sei aber trotzdem groß: Allein in Regensburg sind bei der IHK 80 Ausbildungsverträge registriert.

Chance nach nur wenigen Stunden verspielt

Enttäuschende Erfahrungen mit Flüchtlingen hat Udo Hilbinger gemacht. Der Geschäftsführer der Firma Pöppel, ein Entsorgungsunternehmen aus Kelheim, nahm an einer Jobbörse für Flüchtlinge und Firmen teil. Mit fünf Flüchtlingen vereinbarte er ein Praktikum, geblieben ist keiner. Ein Mechaniker ging nach nur wenigen Stunden, weil er Autos und keine Laster reparieren wollte, erzählt Hilbinger. Einen Mann, der Altpapier sortierte, hätte er gerne übernommen. Doch der Mann habe auf den Monatslohn bestanden, den ihm sein Schleußer versprochen hatte: 4.000 Euro netto.

"Ich hatte wirklich Hoffnung. Aber wenn man nach wenigen Tagen die Leute wieder verliert - und der längste war eine Woche hier - ist man natürlich schon enttäuscht."

Udo Hilbinger, Geschäftsführer eines Entsorgungsunternehmens

Hilbinger will nicht alle über einen Kamm scheren. "Es spricht nichts dagegen, dass ich es nochmal mit einem Flüchtling versuche, aber ich gehe jetzt mit weniger Euphorie ans Werk", sagt er. Und am Ende hat sich seine Offenheit doch bewährt: Ein Mitarbeiter stellte Hilbinger einen jungen Afghanen vor. Der Mann verbürgte sich für den 28-Jährigen und lernte ihn persönlich an. Seit Mai arbeitet Schafiulla Sherzad nun erfolgreich bei der Entsorgungsfirma.


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