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Angebliche Vergewaltigung Russlanddeutsche protestieren in bayerischen Städten

In mehreren bayerischen Städten haben am Sonntag Russlanddeutsche gegen Flüchtlinge und eine aus ihrer Sicht ausufernde Gewalt von Ausländern demonstriert. Anlass war die angebliche Vergewaltigung eines Mädchens in Berlin. Die Tat hat nach Auskunft der Polizei aber nicht stattgefunden.

Stand: 25.01.2016

Demonstranten am 23.01.2016 in Berlin vor dem Kanzleramt. Die Proteste beziehen sich auf Gerüchte zu einer angeblichen Vergewaltigung einer Minderjährigen aus einer deutsch-russischen Familie im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf.  | Bild: pa/dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Rund 400 Menschen hatten sich am Sonntagnachmittag (24.01.16) spontan im niederbayerischen Dingolfing versammelt und mehr Sicherheit gefordert. Ein Polizeisprecher bestätigte Informationen des BR. An der spontanen, nicht genehmigten Versammlung vor dem Dingolfinger Rathaus mit anschließendem Protestzug durch die Stadt beteiligten sich laut Polizei rund 400 vorwiegend russischstämmige Bürger. Insgesamt leben nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks in der niederbayerischen Stadt etwa 4.000 russischstämmige Menschen. Nach zwei möglichen, aber bislang nicht bestätigten sexuellen Übergriffen in Dingolfing auf Frauen forderten die Teilnehmer mehr Sicherheit, so Dingolfings Polizeichef und Einsatzleiter Max Mundt.

In Deggendorf kamen laut Polizei rund 150 bis 200 Menschen am Rathaus zusammen, in Landau an der Isar demonstrierten 60 bis 70 Menschen. Spontane Demonstrationen von etwa 40, beziehungsweise 30 Menschen gab es auch in Pocking im Landkreis Passau und in Passau selbst. Alle Aktionen, zu denen offenbar vor allem über soziale Netzwerke im Internet und Handy-Nachrichtendienste aufgerufen worden war, verliefen laut Polizei friedlich und störungsfrei.

300 Menschen demonstrieren in Regensburg

In Regensburg demonstrierten am Sonntag zwischen 14 und 15.45 Uhr rund 300 Menschen gegen die deutsche Flüchtlingspolitik. Die Kundgebung am Alten Rathaus verlief nach Angaben der Polizei friedlich. Danach zogen die Demonstranten weiter zum Bahnhof. Wie die Polizei mitteilt, war die Kundgebung angemeldet worden.

Proteste auch in Augsburg

In Augsburg versammelten sich nach Medienberichten etwa 200 Protestierende auf dem Rathausplatz. Sie forderten eine Verteidigung "deutscher und christlicher Werte". In teils auf Russisch vorgetragenen Redebeiträgen wandten sie sich gegen gewalttätige Flüchtlinge. Die Demonstration war der Polizei zufolge nicht bei der Stadt angemeldet.

Demos auch in Mittelfranken

In den mittelfränkischen Städten Nürnberg, Erlangen, Ansbach und Neustadt an der Aisch protestierten für einige Stunden jeweils zwischen 40 und 400 Russlanddeutsche. Die Demonstranten kamen meist schweigend und ohne Transparente und Banner zusammen. Alle Kundgebungen verliefen friedlich, bestätigte ein Polizeisprecher.

Angebliche Vergewaltigung in Berlin schlägt hohe Wellen

Vor dem Kanzleramt in Berlin hatten am Samstag rund 700 Menschen wegen der angeblichen Vergewaltigung der 13-Jährigen durch Flüchtlinge demonstriert. Der Berliner Ableger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung, "Bärgida", hatte zu der Kundgebung aufgerufen. Viele Teilnehmer sprachen russisch. Das Mädchen sei von Flüchtlingen entführt und vergewaltigt worden, behauptete die russische Nachrichtensendung "Westi". Im russischsprachigen Internet schlug die Nachricht hohe Wellen, obwohl die Berliner Polizei über Tage klarstellte: "Fakt ist - nach den Ermittlungen unseres LKA gab es weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung."


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