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Mordversuch durch Blutverdünner Krankenschwester schweigt zu Tatvorwurf

Eine 65-Jährige aus Altdorf (Lkr. Landshut) soll ihrem Mann über einen längeren Zeitraum Blutverdünnungsmittel verabreicht haben, um ihn zu töten. Die angeklagte Krankenschwester schweigt bislang zum Tatvorwurf vor dem Landgericht Landshut.

Stand: 30.11.2016

Landgericht Landshut | Bild: pa/dpa

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mordversuch aus Habgier aus. Um ihren Lebensstil zu sichern, wollte sie an das Erbe des Mannes kommen. Die Krankenschwester berichtete zwar von Streit und gegenseitigen Eifersuchtsszenen, auch eine Trennung stand im Raum. Sie habe sich aber immer um ihren Ehemann gekümmert.

"Ich habe ihn geliebt, verehrt, vergöttert. Er war für mich alles."

Angeklagte Krankenschwester

Ursprünglich war für den Mittwochvormittag die Aussage des Opfers vorgesehen gewesen. Er kann voraussichtlich erst am Nachmittag vernommen werden, weil die Angeklagte seit zehn Stunden detailversessen ihr eigenes Leben schildert.

Als der Ehemann für wenige Sekunden in den Gerichtssaal kam, brach die Angeklagte mit einem Weinkrampf zusammen. Die Verhandlung musste für einen kurzen Moment unterbrochen werden.

Der Vorwurf

Laut Anklage hatte die Krankenschwester nach der Heirat im Jahr 2013 ihrem Ehemann aus Altdorf (Lkr. Landshut) über einen längeren Zeitraum Blutverdünnungsmittel verabreicht, um ihn zu töten. Ein medizinischer Grund für die Verabreichung hatte nicht vorgelegen.

Opfer in Sicherheit gewogen

Der Gerichtssaal des Landgerichts in Landshut.

Damit das Opfer keinen Verdacht schöpfte, habe die Frau ihr Verhalten ihm gegenüber nicht geändert und den Mann so in Sicherheit gewogen. Auf einer Urlaubsreise Anfang 2015 hatte das Opfer ungewöhnlich aus Mund und Nase geblutet. Nach der Rückkehr wurde der Mann mehrfach in einem Krankenhaus behandelt, die Ursache konnte aber nicht gefunden werden.

Die Symptome wurden schlimmer: Der Ehemann litt unter Schwindelanfällen und Sehstörungen. Im Juni 2015 stürzte er und erlitt eine starke, unaufhörlich blutende Platzwunde am Kopf. Er kam erneut ins Krankenhaus. Nun stellten die Ärzte eine lebensbedrohliche Konzentration eines Blutverdünnungsmittels fest und retteten ihn.

Verdacht fällt auf Ehefrau

In der Klinik hatte ihr 66 Jahre alter Ehemann angegeben, niemals ein blutverdünnendes Mittel genommen zu haben. Daher fiel der Verdacht auf die Ehefrau, die seit Jahren als Krankenschwester gearbeitet hatte. Das Motiv ist laut Anklage Habgier gewesen.

"Um ihren bisherigen Lebensstil zu sichern, wollte sie an das Erbe des Ehemannes kommen."

Staatsanwalt Thomas Rauscher

Die Angeklagte sagte, dass sie sich selbst Anfang 2000 eine Drei-Zimmer-Wohnung in München kaufen konnte. Innerhalb weniger Jahre habe sie das Darlehen durch ihre Anstellung als Krankenschwester in der Klinik und einer Nebenbeschäftigung als ambulante Pflegkraft abbezahlen können. Sie habe zu der Zeit sehr sparsam gelebt. Als alles abbezahlt war, habe sie sich wieder mehr kulturelle Veranstaltungen und vier Reisen im Jahr leisten können. Erst Jahre später hatte sie ihren Ehemann kennengelernt.

Der Prozess wird am 6. Dezember fortgesetzt. Das Urteil wird Ende Dezember erwartet.


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