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Abgesagter politischer Aschermittwoch Es wird abgebaut in Passau

Plakate, Banner, Podium - alles kann weg. In der Passauer Dreiländerhalle wird abgebaut, denn wegen des schweren Zugunglücks bei Bad Aibling findet zum ersten Mal seit 1953 kein politischer Aschermittwoch statt.

Stand: 10.02.2016

Handwerker packen die großen Leuchtbuchstaben "CSU" wieder sorgsam in Polsterfolie ein, verräumen die Biergarnituren, zwei Bauarbeiter auf einer Hebebühne hängen die letzten Plakate ab. Frustriert ist deshalb keiner der Techniker. Die Absage aufgrund des Zugunglücks bei Bad Aibling sei völlig nachvollziehbar.

"Wir sind von der Stromversorgung vom Fernsehen. Wir können hier nicht einfach feiern und schreien, da wird abgebaut und fertig. Wer da anderer Meinung ist, der sollte sich überlegen, wie es ihm ginge, wenn seine Angehörigen betroffen wären."

Techniker

Absage hin oder her - am Eingang der Dreiländerhalle schiebt ein Mitarbeiter vom Einlassdienst trotzdem Wache. Offenbar ist das auch notwendig: "Es sind genau drei Leute gekommen, die die Absage nicht mitbekommen haben", erzählt er und lacht.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass die Partei für sämtliche Kosten aufkommt, die die Absage der Veranstaltung jetzt mit sich bringt. Auf hektoliterweise Bier und tausenden Fischsemmeln bleibe man aber nicht sitzen, man habe den Wirten noch rechtzeitig Bescheid geben können.

Die Entscheidung

Die Entscheidung fiel bei der CSU in einer Telefonkonferenz der Parteispitze mit Parteichef Horst Seehofer. Dieser suchte am Mittwoch die Unglücksstelle bei Bad Aibling auf. Vor dem Hintergrund des tragischen Zugunglücks wolle die Partei die Veranstaltung in der Passauer Dreiländerhalle nicht abhalten, erklärte Scheuer.

"Ganz Bayern trauert um die Toten der Zugkatastrophe. Wir sind mit unseren Gedanken bei den Opfern, den Verletzten und den Angehörigen. Aus Respekt vor den Opfern des tragischen Zugunglücks findet der morgige Politische Aschermittwoch der CSU nicht statt."

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär

Auch SPD, Grüne, Linke und Freie Wähler verzichten

Auch die Bayerischen Grünen sagten ihren politischen Aschermittwoch ab. Das meldete die Partei auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Dort hieß es: "Grüner Politischer #Aschermittwoch mit Claudia Roth findet nicht statt aus Respekt vor den Opfern des Zugunglücks in Bad Aibling".

Kurz danach entschloss sich auch die bayerische SPD, ihre Veranstaltung im niederbayerischen Vilshofen abzusagen.

"Der Aschermittwoch lebt von der Auseinandersetzung und dem Schlagabtausch. Dafür ist heute kein Raum."

Florian Pronold, SPD-Landeschef

Die Linkspartei erklärte, aus "Respekt vor den Toten und Schwerverletzten" verzichte man auf die Veranstaltung in Passau. Auch die Freien Wähler trauern um die Opfer des Zugunglücks, der Politische Aschermittwoch in der Stadthalle Deggendorf entfalle deshalb. Als letzte der Parteien sagte die AfD ihren politischen Aschermittwoch in Niederbayern ab.

Angesichts des Zugunglücks in Bayern sagt auch die CDU eine Veranstaltung zum Politischen Aschermittwoch mit Kanzlerin Angela Merkel in Mecklenburg-Vorpommern ab. Das teilte die CDU-Zentrale in Berlin mit.

Anteilnahme statt Aschermittwoch

Ob Krisen, Anschläge oder Naturkatastrophen - seit mehr als sechs Jahrzehnten ist noch kein Politischer Aschermittwoch in Bayern flächendeckend ausgefallen. Nach dem verheerenden Zugunglück verzichten die Parteien lieber, denn: Die Kundgebungen vertragen sich nicht mit Tod und Trauer. Insbesondere bei der CSU ist der Aschermittwoch seit jeher eine Veranstaltung, bei der sich die Partei und die 3.000 Zuhörer in Passau selbst feiern. Partystimmung aber wäre nach einem so schweren Zugunglück unpassend und würde mit Sicherheit Kritik in den Medien und den sozialen Netzwerken nachsichziehen.

Die Zugkatastrophe am Faschingsdienstag

Am Morgen des Faschingsdienstags war es gegen 6.50 Uhr auf der Verbindung zwischen Rosenheim und Holzkirchen zu einem verheerenden Zusammenstoß zweier Meridian-Züge gekommen. Zehn Menschen kamen dabei ums Leben, rund 80 Passagiere wurden teils schwer verletzt.

Bei dem frontalen Zusammenstoß der beiden Pendlerzüge, die von der privaten Bahngesellschaft "Bayerische Oberlandbahn" betrieben wurden, handelt es sich um das schwerste Zugunglück in Deutschland seit 2011. Damals starben zehn Menschen, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstieß. In Bayern passierte ein schlimmeres Bahnunglück im Jahr 1975, als bei Warngau zwei Eilzüge frontal aufeinander prallten und 41 Menschen starben.


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