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Atomkraftwerk Isar I Der Rückbau dauert noch Jahre

Heute jährt sich die Atomkatastrophe von Fukushima in Japan zum fünften Mal. Wenige Tage nach dem Unfall ist als Konsequenz aus der Katastrophe das Kernkraftwerk Isar I in Essenbach (Lkr. Landshut) abgeschaltet worden. Bis der Rückbau abgeschlossen ist, kann es noch Jahre dauern.

Stand: 10.03.2016

Im Mai 2012 ist die Stilllegungs- und Abbaugenehmigung für Isar I beantragt worden. Bis sie erteilt wird, nutzt Betreiber Eon die Zeit für Vorbereitungen.

In der Leitwarte des Kernkraftwerks arbeiten gut ein Dutzend Experten, um aufzupassen. Denn ein Kernkraftwerk kann man nicht einfach ausschalten wie das Licht in der Speisekammer. Die Liste an Arbeitsaufträgen ist lang, sagt der Assistent der Kraftwerksleitung, Bernd Gulich.

"Wir haben im laufenden Betrieb der Anlage circa 4.000 wiederkehrende Prüfungen pro Jahr. Und auch im Nichtsleistungsbetrieb der Anlage haben wir immer noch 2.000 Prüfungen. Wir haben Systeme wie die Lagerbeckenkühlung, nukleare Be- und Entlüftung, oder Notstromversorgung."

Bernd Gulich, Assistent der Kraftwerksleitung

Üben für den Ernstfall

In einer großen Lagerhalle steht eine Maschine, die an eine überdimensionale Stichsäge erinnert. Hier ist ein dickes Eisenteil eingespannt worden, es stammt aus einem anderen bereits rückgebauten Kernkraftwerk. Frank Grünberg ist verantwortlich für die Rückbauplanung, er überprüft die Schneidearbeiten an einem Deckelsegment:

"Wir machen Sägeversuche, um daraus zu schlussfolgern, mit welcher Schnittgeschwindigkeit und welche Zeit wir benötigen, wenn wir unseren eigenen Reaktordeckel zerlegen wollen. Die Maschine schafft ungefähr fünf Zentimeter in der Stunde."

Frank Grünberg

Selbst Kugelschreiber müssen auf Strahlung geprüft werden

Im Dekontaminationsgebäude laufen ebenfalls Vorbereitungen für den Rückbau. Alles, was in den sensiblen Bereichen des Kraftwerks gelagert ist, muss auf Strahlung überprüft werden - vom Kugelschreiber bis zur Betonmauer. Die Teile werden dazu in ein Strahlenmessgerät gesteckt. "Hier zeigen die Messgeräte an, ob es in Ordnung ist oder nicht", so Grünberg. Wenn das Material dann überprüft und freigegeben worden ist, gehe es in eine Plastikkiste und dann nach draußen. Dort erfolge erneut eine betriebsinterne und danach eine behördliche Messung.

Immer noch 1.700 Brennelemente gelagert

Bis es losgehen kann wird es aber noch etwas dauern, es fehlt die entsprechende Genehmigung. Betreiber Eon rechnet bis zum Ende des Jahres damit, bis dahin wird weiter vorbereitet. Im Abklingbecken des Kernkraftwerks lagern unterdessen weiter mehr als 1.700 Brennelemente. Kritiker sehen in ihnen ein Sicherheitsrisiko. Doch die Stäbe können nicht abtransportiert werden, erklärt Bernd Gulich. Es gibt noch keine neuen Behälter dafür.

"Wir warten auf die Einlagerungsgenehmigung für den Castorbehälter. Wenn wir die haben, werden wir die Castorkampagne anfangen und dann werden wir brennelementfrei sein. Wir gehen momentan davon aus, dass es 2020 sein wird."

Bernd Gulich, Assistent der Kraftwerksleitung

Bis vom Kernkraftwerk Isar I nichts mehr zu sehen ist, wird es sogar noch mehrere Jahrzehnte dauern. Der Grund: Die Infrastruktur, die jetzt für den Abbau geschaffen wird, soll später auch beim Rückbau von Isar II genutzt werden.


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