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Rettung von Migranten auf dem Mittelmeer Gegenwind für NGOs

Die Diskussion über die Rettungseinsätze privater Hilfsorganisationen im Mittelmeer reißt in Italien nicht ab. Der streitbare Vorwurf: NGOs würden durch ihre Präsenz immer mehr Migranten nach Europa locken. Sie erleichterten den Schleusern das Geschäft und seien somit verantwortlich für mehr Tote auf dem Mittelmeer. Eine Studie sieht das anders.

Von: Jan-Christoph Kitzler

Stand: 13.06.2017

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer | Bild: pa/dpa

Der Ton ist martialisch – es laufe gerade eine Invasion Europas, heißt es, unser Lebensstil sei in Gefahr, es laufe ein Angriff auf unsere Zukunft. Das behaupten junge Rechtsextreme aus mehreren europäischen Ländern. Lorenzo Fiato aus Mailand ist dabei oder Martin Sellner aus Österreich. Gemeinsam sind die Vertreter der so genannten "Identitären Bewegung" vor kurzem nach Sizilien gefahren, haben ein kleines Schlauchboot gemietet und ein Werbevideo gedreht mit dem Titel "Defend Europe".

Ihre Gegner sind die Migranten, die übers Mittelmeer kommen – und die Nichtregierungsorganisationen, die mit ihren Schiffen die meisten von ihnen vor der Küste Nordafrikas vor dem Ertrinken retten.

"Wir wollen die so genannten humanitären NGOs bloßstellen. Sie kooperieren mit Menschenschleusern, die vom Elend von Menschen leben."

aus einem Video der NGO-Gegner

Rechtsradikale blockieren Schiff

Verena Papke war dabei, als die jungen Rechtsradikalen das Schiff von SOS Méditerranée im Hafen von Catania medienwirksam am Auslaufen hindern wollten.

"Für uns sind das einfach Menschen, die nicht verstanden haben, dass Europa zu verteidigen heißt, zu allererst mal die Grundwerte von Solidarität und Menschlichkeit in Wert zu setzen, und das Verteidigen eben nicht heißt, Mauern hochzuziehen. Es sind einfach Menschen, die sich weigern anzuerkennen, dass Flucht und Migration deutlich komplexere Phänomene sind, als diese Personen vielleicht wahrhaben wollen."

 Verena Papke, Helferin

Vorwurf: NGOs locken Migranten nach Europa

Flüchtlingsboot vor Libyens Küste

Die Vorwürfe gegen Organisationen wie SOS Méditerranée sind gewaltig – und sie kommen nicht nur von den Rechtsextremen, sondern zum Teil auch von Organisationen wie der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex: Die NGOs würden durch ihre Präsenz immer mehr Migranten nach Europa locken. Sie erleichterten den Schleusern das Geschäft und seien somit verantwortlich für mehr Tote auf dem Mittelmeer.

Studie widerlegt Vorwurf

Charles Heller von der University of London hat diese Vorwürfe mit anderen in einer Studie empirisch widerlegt. So gab es schon einen Anstieg der Zahlen, bevor die meisten der NGOs aktiv wurden. Stattdessen, so sagt er, habe es Europa versäumt, das Thema grundlegend anzugehen.

"Europa hat es bislang abgelehnt, Migration zu organisieren. Und wenn Du die Wanderungsbewegungen nicht organisierst, organisieren das andere für Dich. Wenn Du Migranten und Flüchtlinge nicht umsiedelst, dann machen sie das selbst. Aber statt sicheren und legalen Wegen, die man organisieren und kontrollieren könnte, werden sie gezwungen, Grenzen illegal zu überwinden und ihr Leben zu riskieren. Und das hat in der EU für tiefe politische Krisen gesorgt."

Charles Heller, University of London

Seiner Meinung nach laufe gegen die Organisationen und ihre Schiffe gerade eine Kampagne, deren radikalster Ausdruck die Aktionen der Rechtsextremen sind. Während sich gleichzeitig die Staaten zurückziehen und Europa seine Südgrenze zunehmend von der libyschen Küstenwache verteidigen zu lassen versucht. "Es gibt ein ernsthaftes Risiko, dass die Delegitimierung und Kriminalisierung von NGOs auf dem Mittelmeer sie dazu zwingen könnte, sich zurückzuziehen. Und dass würde in der jetzigen Situation zu einem exponentiellen Anstieg der Toten auf See führen."

Tausende Migranten ertrunken

Über 7.000 Migranten sind allein dieses Jahr schon ertrunken. Bei SOS Méditerranée versuchen sie, gelassen zu bleiben, und weiter möglichst viele Menschen zu retten. Man solle nicht Ursache und Wirkung verwechseln, sagt Verena Papke, die wochenlang auf dem Mittelmeer unterwegs war.

"Wir sind nicht das Problem, sondern die Antwort darauf, dass Menschen im Mittelmeer sterben. Diese Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage, und das wissen wir mittlerweile und ich finde es einfach schwer bedenklich, mit Gruppierungen mich auseinander zu setzen, die sich nicht auf Fakten berufen, sondern auf eine Verdrehung der Tatsachen."

Verena Papke

Leider aber gibt es auch bei diesem Thema allzu viele, die dafür empfänglich sind. Obwohl die Fakten etwas Anderes sagen.


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Benno, Mittwoch, 14.Juni, 10:50 Uhr

12. Es wird immer wieder von Rettungsaktionen im Mittelmeer berichtet.

Und immer noch wird von Rettungsaktionen berichtet, statt von Übernahmen der Leute, an denen sich Schlepperbanden eine goldene Nase verdienen. Das Geschäft der Schlepper boomt und der Westen macht es möglich. Wie wäre es, in Nordafrika "Auffangzentren" für Flüchtlinge zu machen - und Asylanträge nur noch dort zu bearbeiten? Wer trotzdem nach Europa kommt wird in ein solches Zentrum zurück geschafft - und dort wird dann sein Asylantrag geprüft. Und nur wenn er gutgeheissen wird darf man wieder nach Europa. Wetten, dass die Tragödien auf dem Mittelmeer ein abruptes Ende hätten?! Aber vielleicht will man das ja gar nicht. Gaddafi hatte sogar eine bessere Idee als Lager: Arbeit und Wirtschaftsförderung in Afrika. Aber das wollte der Westen nicht, weil das hätte den Zugang zu den Rohstoffen in Afrika erschwert und teurer gemacht.

Andreas, Mittwoch, 14.Juni, 00:07 Uhr

11. Nur Sebastian Kurz ist ein richtiger Vertreter der Wähler und Steuerzahler.

Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz hat die völlige Schließung der Mittelmeer-Route für Flüchtlinge und Migranten gefordert. Kurz sagte der Austria Presse Agentur (APA): „Die einzige Lösung, um den Schleppern die Geschäftsgrundlage zu entziehen und das Sterben im Mittelmeer zu beenden, ist, wenn man sicherstellt, dass jemand, der sich illegal auf den Weg macht, nicht in Mitteleuropa ankommt.“ Im Mittelmeer aufgegriffene Flüchtlinge und Migranten sollten in Lager in Tunesien und Ägypten gebracht werden. Allerdings sollen sie nach Kurz‘ Vorstellungen dort keine Möglichkeit erhalten, einen Asylantrag zu stellen: „Das halte ich für falsch, weil wenn wir das machen, dann führt das ja zu einem Pull-Faktor, dass Menschen aus ganz Afrika nach Ägypten oder Tunesien aufbrechen.“ Kurz will demzufolge Kriegsflüchtlinge nur aufnehmen, wenn sie aus Resettlement-Programmen kommen. Kurz hält dies für die gerechtere Lösung, weil aktuell nur Menschen nach Europa gelangen, die sich den teure

  • Antwort von Frank, Mittwoch, 14.Juni, 10:33 Uhr

    Was sollen wir mit immer neuen Flüchtlingen machen? Wo sollen diese Langzeit-Harz 4 wohnen? Unwichtige Kleinstadt 10 EUR/qm kalt, mittelgroße Stadt 11 EUR/qm kalt, München 16 EUR/qm kalt, dazu kommen mindestens 2 EUR/qm Nebenkosten. Was sollen die immer mehr Rentner mit Grundsicherung machen? Was sollen die Flüchtlinge machen, die schnellstens ihre Familien nachholen wollen, die noch keinen Job haben oder der Job nur Mindestlohn bringt? Die Spekulanten treiben die Mieten in die Höhe. Die niedrigen Zinsen treiben die Immobilienpreise in die Höhe.

  • Antwort von Franz, Mittwoch, 14.Juni, 10:38 Uhr

    Noch naiver gedacht ist wenn man jetzt so tut als könnte man all die Zugewanderten, nicht selten schlecht gebildeten Leute, in einen Arbeitsmarkt integrieren der ein absoluter Verdrängungswettkampf ist. Nicht zuletzt genau wegen den Massen von Zugewanderten. Nein Danke, ich will keine sozialistisch kommunistisch organisierte Gesellschaft wo der Staat den Leuten sagt wo sie zu arbeiten haben. Die sozialen Systeme werden so in grosse Gefahr gebracht. Der Sozial-Abbau wird weitergehen immer schneller.

  • Antwort von Maria, Mittwoch, 14.Juni, 10:53 Uhr

    Die Indianer konnten die Einwanderung nicht stoppen. Heute leben sie in Reservaten.

Klaus Leist, Dienstag, 13.Juni, 22:26 Uhr

10. Flüchtlinge im Mittelmeer

Bereits im Sommer 2015 und in 2016 gab es in seriösen Presseartikel Hinweise darauf, dass die Schleuser mit ihren maroden Booten möglichst nahe an die diversen Rettungsboote anfahren um sich und ihre menschliche Fracht retten zu lassen. Die italienische Organisation "Mare Nostrum" wurde zurückgepfiffen und "Frontex" übernahm dien Schutz der Meeresgrenzen im Auftrag der EU. Jetzt, Frühsommer 2017, sind diejenigen, die genau auf diesen Umstand verweisen, plötzliche "Rechtsextreme", mit denen der EU-Grenzschutz "Frontex" angeblich sympathisiert. Der Begriff "rechtsextrem" wird derzeit sehr inflationär benützt. Richtig wäre, zu erklären, was nun an dem Verhalten der "Identitären" tatsächlich rechtsextrem ist und warum Frontex dieses angebliche rechtsextreme Verhalten unterstützt. Das, was sich im Mittelmeer abspielt, muss ein Ende haben, darüber sollten sich alle Beteiligten einig sein. Genug der Toten! Jede Unterstützung der Schleuser wird die Zahl der Toten weiter erhöhen.

Norbert, Dienstag, 13.Juni, 22:09 Uhr

9. Wer halb Afrika bei sich aufnimmt, hilft nicht Afrika, sondern wird zu Afrika.


Vor allem, wenn vor allem die jungen und kräftigen Männer kommen.
Ich weiß aus zuverlässigen Quellen, dass 60-90% (je nach Kriterien)
keine Flüchtlinge sondern Wohlstandsmigranten sind. Warum daheim schuften, wenn man in Deutschland das gleiche Geld fürs Nichtstun gibt. Weiß ich von einem syrischen Arbeitskollegen.
Heißt es sonst nicht immer: "Frauen und Kinder zuerst"?

In den letzten 2 Jahren wurde in meiner Straße
- 1 Ditib Moschee
- 1 Flüchtlingsheim
- und soeben eine islamische Schule gebaut.

Jaja, Deutschland wird bunt. Was am Islam so bunt ist, erschließt sich mir aber nicht.
Vielleicht die Sprengstoffwesten?

  • Antwort von Monika, Dienstag, 13.Juni, 23:43 Uhr

    Wir haben keine Zukunft. Asyl ohne Obergrenze wird Deutschland und die EU auf das Niweau von Afrika oder schlimmer auf das Niveau von Afghanistan oder Iraq mir Armut, Kriminalität und Terror. Wer will das so? Warum?

  • Antwort von Claudi, Dienstag, 13.Juni, 23:51 Uhr

    Als letzte Leistung im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung GKV sollte man für Einheimische wenigstens eine aktive Sterbehilfe lassen. Ich will in der Zukunft nicht im Chaos, Gesetztlosigkei, Armut, Kriminalität und Terror leben. Lieber einschlafen und nicht mehr aufwachen.

  • Antwort von Jochen, Mittwoch, 14.Juni, 00:10 Uhr

    Wir werden vor der Asyllawine fliehen müssen. Nur wohin? Wer nimmt uns auf?

  • Antwort von Jonas, Mittwoch, 14.Juni, 10:42 Uhr

    Ciao bella Italia, ciao Europa, Allah freut es, was früher nicht mit Waffengewalt zu erreichen war, wird die Völkerwanderung schaffen.

  • Antwort von wm, Mittwoch, 14.Juni, 12:38 Uhr

    @Jochen

    "Fluchtziel" Mallorca - eine Insel fest in "Deutscher Hand"!!!

Selim, Dienstag, 13.Juni, 20:51 Uhr

8. Irrtum

ich dachte immer, dass es vorgeschrieben ist, aus Seenot gerettete an das nächstliegende Festland zu bringen.
Aber vielleicht lassen die Regierungen von den nächstgelegenen Festländern die Rettungsschiffe nicht landen?
Ganz schön krass!

  • Antwort von Helena, Mittwoch, 14.Juni, 01:15 Uhr

    Es sieht fast danach, dass hier jemand die Bevölkerung ändern oder gar austauschen will. Um Asyl geht es hier wohl nicht. Es ist höchstens ein Vorwand dazu.