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Neuer ARD-Vorsitzender Wilhelm Sparkurs bedroht das Programm

Der Intendant des Bayerischen Rundfunks Ulrich Wilhelm übernimmt im Januar den ARD-Vorsitz. Er warnt davor, dass man sich zu Einschnitten im Programm gezwungen sehe, falls der Rundfunkbeitrag nicht erhöht wird.

Stand: 29.12.2017

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks | Bild: pa/dpa/Sven Hoppe

"Es würden kurzfristig drei Milliarden Euro fehlen, die wir im Wesentlichen im Programm einsparen müssten."

Ulrich Wilhelm, BR-Intendant

Der Rundfunkbeitrag für ARD, ZDF und Deutschlandradio ist bis 2020 auf 17,50 Euro pro Haushalt im Monat festgelegt. Ob er danach steigt, steht noch nicht fest. Die Öffentlich-Rechtlichen wollen zumindest einen Teuerungsausgleich. Aus dem Kreis der Ministerpräsidentenkonferenz kam dagegen die Forderung nach Beitragsstabilität. Die Expertenkommission KEF legt im Frühjahr ihren nächsten Zwischenbericht vor.

Andere Sparpotentiale sind ausgereizt

Wilhelm stellte klar, dass andere Sparpotentiale erschöpft seien: "Jenseits des Programms, also bei Technik und Verwaltung, zu sparen, ist schon weitgehend ausgereizt, denn das tun wir seit Jahren."

Sparsam auch beim Sport

Auch bei den Sportrechten spare die ARD schon seit Jahren, sorge als öffentlich-rechtliches Programm aber für eine breite Verankerung besonders des Fußballs in der Bevölkerung.

"Die Zuschauer wollen gerade die Fußball-Nationalmannschaft bei uns. Der Fußball muss aufpassen, dass er die gesellschaftliche Bindung nicht verliert, wenn er wesentliche Inhalte ins Pay-TV vergibt."

Ulrich Wilhelm

Gegen Dominanz der Talkshows

Wilhelm forderte außerdem mehr Vielfalt in der Politikberichterstattung im Ersten. Die Talkshows seien zu dominant geworden.

"Wir vernachlässigen dabei, was mit anderen Formaten zusätzlich möglich wäre. Mit Dokumentationen, Themenabenden, mit dem Ausleuchten großer Themenkomplexe."

Ulrich Wilhelm

Gesamtheit der Bevölkerung besser abdecken

Außerdem müsse die ARD stärker daran arbeiten, nicht nur bestimmte Milieus abzudecken, verlangte Wilhelm: "Die Probleme vieler Menschen finden in den unmittelbaren Tageserlebnissen von Journalisten nicht in dem Maße statt, wie es für die Bevölkerung repräsentativ wäre." Es komme darauf an, genau hinzuschauen, welche Themen den Menschen wichtig seien.


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