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Naher Osten Nach Trumps Jerusalem-Rede rüsten Israeli und Palästinenser auf

Die USA erkennen Jerusalem als Hauptstadt Israels an. Mit dieser Entscheidung hat US-Präsident Trump die halbe Welt gegen sich aufgebracht, auch die EU und viele Nato-Partner. Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas hat zu einer neuen Intifada aufgerufen. Palästinenser und Israeli rüsten auf. Von ersten Zusammenstößen wird berichtet.

Von: Tim Aßmann

Stand: 07.12.2017

Das Hintergrundbild war sorgsam gewählt. Hinter Ismael Haniye stand ein Plakat auf dem die Jerusalemer Altstadt und der Felsendom zu sehen waren. Darum ging es Haniye. Die Bedeutung Jerusalems für die Palästinenser stand im Mittelpunkt der Videobotschaft des Hamas-Führers, als er vom Gaza-Streifen aus zu einem neuen Volksaufstand, einer Intifada aufrief.

"Was ist nun mit dem palästinensischen Volk? Mit ihren unseren Brüdern im Westjordanland und in Jerusalem. Die Stadt wird aus ihrem arabischen, muslimischen Kontext herausgerissen. Wir rufen dazu auf und werden daran arbeiten, dass es eine Intifada gegen die zionistische Besatzung geben wird."

Hamas-Führer Ismael Haniye

Der Aufstand solle ins Herz des zionistischen Feindes getragen werden, sagte Haniye, und er forderte die Menschen in den palästinensischen Gebieten auf, über Grenzen hinaus zu gehen.

Palästinenser rufen Generalstreik aus

Aus Protest gegen die Entscheidung des US-Präsidenten, Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen, riefen die Palästinenser auch einen Generalstreik aus. Schulen und Geschäfte blieben geschlossen.

Israelische Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft

Massenkundgebungen sind angekündigt und es wird befürchtet, dass es zu Gewalt kommen könnte. Die israelischen Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft. Die Armee verstärkte ihre Truppen im besetzten Westjordanland um mehrere Bataillone.

"Es wird gerade sehr viel Hetze verbreitet. Nicht nur auf Seiten der Hamas, die Hetze geht auch von anderen Palästinensern und israelischen Arabern aus, so dass bereits letzte Nacht in Ostjerusalem mehr Molotowcocktails und Steine geworfen wurden, als es in den vergangenen Monaten der Fall war. Alles zusammen führt zu einer explosiven Atmosphäre und daher müssen wir vorbereitet sein."

Gilad Erdan, Israels Minister für Innere Sicherheit im Armee-Radio

Bisher keine Gewaltexzesse in Jerusalem

Insgesamt betrachtet, sind größere Ausschreitungen im Westjordanland und in Jerusalem bisher ausgeblieben.

Ausschreitungen nach muslimischen Freitagsgebeten befürchtet

Die israelischen Behörden bereiten sich nun auch auf die muslimischen Freitagsgebete in Jerusalem vor. Es wird befürchtet, dass es im Anschluss an die Gebete zu Ausschreitungen kommen könnte.

Israel Premier dankt US-Präsident Trump

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu rechnet unterdessen damit, dass nach den USA auch andere Länder eine Verlegung ihrer Botschaft nach Jerusalem ankündigen werden. Netanjahu dankte Donald Trump dafür, dass die USA als erstes Land weltweit Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkannt haben.

"Präsident Trump verewigte sich gestern in der Geschichte unserer Hauptstadt. Ich möchte ihm und dem amerikanischen Kongress danken. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen auch mitteilen, dass wir uns im Kontakt mit anderen Staaten befinden, die eine ähnliche Anerkennung aussprechen möchten. Ich habe deshalb keine Zweifel, dass noch vor dem Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem bereits andere Botschaften umgezogen sein werden."

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu

Tschechien prüft Botschaftsverlegung nach Jerusalem

Konkrete Länder nannte Netanjahu nicht, aber israelische Medien berichteten am Morgen, dass Tschechien und die Philippinen prüfen würden, ihre Botschaften nach Jerusalem zu verlegen.

EU hält Entscheidung Trumps für extrem gefährlich

Für wie gefährlich sie die Trump-Entscheidung hält, daran lässt die Europäische Union keinen Zweifel. Um das zu unterstreichen, trat die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini extra in einem kurzfristig anberaumten Termin vor die Presse in Brüssel: "Die Ankündigung hat das Potential, uns zurück in noch dunklere Zeiten zurückfallen zu lassen als jene, in denen wir jetzt schon leben", warnte Mogherini wörtlich.

Und kündigte gleichzeitig an, dass die Europäische Union sich infolge des US-Beschlusses noch stärker in den festgefahrenen Nahost-Friedensprozess einbringen wolle.

Spannungen rund um heilige Stätten in Jerusalem vermeiden

Aus Sicht der EU-Außenbeauftragten geht es nun zunächst darum, eine Eskalation der Spannungen rund um die heiligen Stätten zu vermeiden. Die EU hatte in letzten Tagen immer wieder betont, dass sie die einzige Lösung des Konflikts in der Zwei-Staaten-Lösung sieht. Dorthin zu gelangen ist aus europäischer Sicht nun aber schwieriger geworden.  


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Kommentare

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Erich , Freitag, 08.Dezember, 08:20 Uhr

9. 6. April 2017

Erkennt Russland West Jerusalem als Hauptstadt Israels an!

Wo war da der Aufschrei???

Dieses Kesseltreiben gegen Trump ist langsam unerträglich!

tired-of-thorns, Donnerstag, 07.Dezember, 20:14 Uhr

8. überfällige Entscheidung

Ich denke, der Zeitpunkt von Trumps Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt des Judenstaates ist überlegter gewählt, bzw. abgewogen, als die öffentliche Meinung bzw. Presse hier in Europa ahnt.
1. Die Amerikaner hatten es seit vielen Jahren versprochen, zu tun.
2. Der sog. "Friedensprozess" existiert schon seit Jahren nicht mehr.
3. Trotzdem Jerusalem jahrzehntelang international nicht anerkannt wurde, gab es schon 2 (nach anderer Zählung 3) Intifadas der sog. Palästinenser.
4. Vor Ort will eigentlich gar niemand eine Zwei-Staatenlösung. Dort, wo beide Seiten bereit sind aufeinander zu zugehen, hat das Zusammenleben zwischen Arabern (Muslimen) und Israelis (Juden) in der Vergangenheit wie auch heute gut funktioniert, z.B. in Galiläa oder mit den Beduinen im Negev.
5. Je mehr man den Palästinensern in der Vergangenheit entgegenkam, desto weiter zogen sie sich zurück und werteten das als Schwäche ihres Gegenübers.
6. Es gibt gar keinen Verhandlungsführer auf Seiten der Palästinenser

Max , Donnerstag, 07.Dezember, 18:47 Uhr

7. die Maske fällt

die bedingungslose Unterstützung von Israel ist schon immer US Politik. Unter Trump wird sie nur offen und aggresiv kommuniziert.
Man lässt die Maske fallen und schert sich wenig um die Weltmeinung. Je eher sich Europa emanzipiert um so besser....

Menstruationstasse, Donnerstag, 07.Dezember, 18:33 Uhr

6. Kein Unterschied

Jerusalem war und ist die Hsuptstadt Israels das wussten schon die Römer.

Der sogenannte Friedensprozess ist doch von Anfang an eine Farce gewesen und die einzigen die sich zumindest zeitweilig daran gehalten haben waren die Israelis.

Das Aussprechen der Wahrheit treibt die PLO und die HAMAS halt auf die Barrikaden, aber das würde ein Dackel mit Kippa auf dem Tempelberg genau so tun.

Warum heisst der Tempelberg noch Mal Tempelberg?

Ach ja richtig war da nicht mal was mit einem jüdischen Tempel ein paar hundert Jahre bevor Mohammed seine ersten Verse fabrizierte?

Der "Friedensprozess" in seiner jetzigen Form ist eine Totgeburt.

  • Antwort von Wanda, Donnerstag, 07.Dezember, 20:41 Uhr

    Mal schön langsam, wenn schon Wahrheit, dann die vollständige und die eigene Geschichte nicht ausblenden:
    - war da nicht einmal so etwas wie die Stadt Jerusalem und das gar nicht so Heilige Land (in dem unser Herr wandelte), für die Christenheit von den Juden und Moslems befreien? Nannte sich doch Kreuzzüge, oder ? Und zwar mit höhstem päpstlichem und fürstlichem Wohlwollen bzw. Sendungsbewusstsein...

  • Antwort von Truderinger, Freitag, 08.Dezember, 06:32 Uhr

    Das wussten schon die Römer! Zum Kaputtlachen! Die wussten, dass ganz Europa, Kleinasien und Nordafrika ihnen gehören sollte. Aber gut, was soll bei diesem Nick auch rauskommen!

  • Antwort von Leo Bronstein, Freitag, 08.Dezember, 08:45 Uhr

    @ Wanda
    >für die Christenheit von< ... >Moslems befreien? Nannte sich doch Kreuzzüge, oder ? <

    .
    Wie würden Moslems wohl reagieren, wenn Christen Mekka mit militärischen Mitteln besetzen würden und auf, oder direkt neben der Kaba eine Kirche errichten würden?

B.Blatt, Donnerstag, 07.Dezember, 17:58 Uhr

5. Trump

Die Entscheidung Trumps hat mich ein wenig geschockt. Wie konnte er nur angesichts der äußerst angespannten und instabilen Lage im Nahen Osten so handeln?
Für mich gibt es nur eine Antwort: Nur ein politischer Hasardeur und Wirrkopf ist zu einer solchen Handlungsweise fähig.
Leute wie er müssten angesichts ihrer hohen Verantwortlichkeit eigentlich aus dem Verkehr gezogen und in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Anstalt
untergebracht werden.

  • Antwort von Hallo, Donnerstag, 07.Dezember, 18:10 Uhr

    Wenn alle deutschen Psychiater so schnell urteilen würden, wären die Strassen leer. :-)

    Herr Trump löst einfach ein Wahlversprechen ein. Poitische Versprechen zu erfüllen klingt aus deutscher Sicht irre, ich weiss...

  • Antwort von Truderinger, Freitag, 08.Dezember, 06:35 Uhr

    Na super, welch Wahlversprechen! Sch.. auf das Klima, sch.. auf internationale Krisen, Hauptsache meine dumpfbackigen Anhänger wählen mich!