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Geplatzte Sondierungen Nach Jamaika-Aus: Grüne nehmen Trittin in Schutz

Jürgen Trittin - er gilt manchen bei Union und FDP als mitschuldig für das Scheitern von Jamaika. Der Parteilinke habe immer wieder schon getroffene Absprachen und Kompromisse infrage gestellt. Bei den Grünen lobt man Trittin - und betont die neue Geschlossenheit.

Von: Kirsten Girschick

Stand: 21.11.2017

Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin | Bild: picture-alliance/dpa

Aus Reihen der Union und FDP wird die Rolle von Jürgen Tritten in den Sondierungen kritisch beurteilt. Ein Interview mit der "Bild am Sonntag" hatte am Sonntag die Wut bei der FDP noch befeuert. Trittin selbst sieht seine Rolle bei den Verhandlungen dagegen ganz anders. 

"Ich habe in dem Interview nichts anderes gesagt als das, was wir auch in den Verhandlungen vertreten haben. CDU und CSU empfanden das nicht als unanständig. (...) Wir haben am Sonntag noch vor 18 Uhr - Andi Scheuer, Jens Spahn, Peter Altmaier, Volker Wissing und ich - das Kapitel Finanzen abgeschlossen - einvernehmlich im Konsens. (...) Ich habe an dieser Stelle offensichtlich mit dem Ziel des Ergebnisses verhandelt bis zum letzten Moment."

Jürgen Trittin, B90/Grüne

Trittin wichtig für Grünen-Basis

Aus den Reihen der bayerischen Grünen erhält Trittin Unterstützung - er sei ein guter, ein konstruktiver Verhandler gewesen. 

"Ich hatte gedacht, dass Jürgen Trittin mit unüberwindlicher Skepsis in diese Verhandlungen geht, aber ich war positiv überrascht, wie konstruktiv und solidarisch er vorgegangen ist."

Ekin Deligöz, Grüne Landesgruppe Bayern

Ekin Deligöz: "Positiv überrascht"

Ekin Deligöz erklärte, die Rolle Trittins bei den Verhandlungen sei nicht zu unterschätzen - schließlich wäre es bei erfolgreichen Sondierungen darum gegangen, die eigene Basis von dem Verhandlungsergebnis zu überzeugen. Da wäre Trittin - genau wie Claudia Roth - unverzichtbar gewesen. Sie hätten die Ergebnisse authentisch und glaubwürdig auch an den linken Flügel vermitteln können. Insgesamt waren die Sondierungen für Deligöz - trotz des Scheiterns - positiv für die Partei. 

"Wir haben der Öffentlichkeit klar gemacht - die Grünen sind das Original beim Umwelt- und Klimaschutz."

Ekin Deligöz, Grüne Landesgruppe Bayern

Gleiches Programm, gleiche Kandidaten?

Für die innerparteiliche Stimmung - zumindest bei den Spitzengrünen - waren die Sondierungen eine gute Erfahrung. Ganz gleich, mit wem man spricht, die Grünen schwärmen von der Gemeinsamkeit, die auch zwischen den Flügeln bei den Sondierungen gewachsen sei, und die Regierungsfähigkeit, die man damit demonstriert habe. 

"Ein Schatz, den wir aus dieser Zeit mitnehmen, ist diese Geschlossenheit. Wir kämpfen für unsere Inhalte, sind aber gleichzeitig kompromissbereit bis zur Schmerzgrenze."

Margarete Bause, Grüne Landesgruppe Bayern

Parteitag im Januar

Ob die Basis das genauso sieht, wird sich auf dem Bundesparteitag der Grünen am Samstag zeigen. Für mögliche Neuwahlen sehen sich die Grünen jedenfalls gut gerüstet. Die Grünen würden mit dem gleichen Programm in den Wahlkampf ziehen - die Sondierungen hätten ja nun wirklich deutlich gemacht, wofür die Grünen stehen. Ob es auch mit den gleichen Spitzenkandidaten wäre, das ist umstritten:

"Wir sollten nicht während des Wahlkampfs das Personal austauschen."

 Margarete Bause, B90/Grüne, Landesgruppe Bayern

Jürgen Trittin jedenfalls hält das für verhandelbar. "Der entscheidende Parteitag wird der im Januar sein, in dem wir entscheiden, mit welchem Personal wir dann in den Wahlkampf gehen", so der Parteilinke.

Die Geschlossenheit, die die Partei in den vergangenen Wochen gewonnen hat - die könnte, je näher Neuwahlen kommen, doch noch in Gefahr sein. 


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Michael, Dienstag, 21.November, 23:05 Uhr

6. Apropos Geschlossenheit

Geschlossen stehen die FDP'ler hinter ihrem "endlich-wieder-im-Bundestag"-Vorsitzenden Lindner und geschlossen steht die CSU hinter ihrem "Noch-Vorsitzenden" Seehofer ... in Wirklichkeit geht es nur um Machtmenschen die uns die Macht als demokratische Beteiligung präsentieren. Die angeblichen Sachthemen und die Differenzen stehen doch maximal in der zweiten Reihe.

  • Antwort von Hallo, Mittwoch, 22.November, 04:03 Uhr

    Ich glaube Herr Lindner ist in der Vergangenheit schon zu grandios gescheitert um ein reiner Machtmensch zu sein.
    Hätte mich vorher jemand gefragt wer stark genug ist die Verhandlungen zu beenden, dann hätte ich gesagt: Die FDP, alle anderen Parteispitzen dürfen nicht scheitern, das machen die Egos nicht mit... ;-)

Rentnerin Hildegard , Dienstag, 21.November, 21:51 Uhr

5. Wollen Grüne ohne Obergrenze mit Familiennachzug Deutschland neu besiedeln?

Deutschland wird vermutlich an Mitleid und Solidarität kaputtgehen. Wer hier ist, der berichtet nur gutes in seine ferne Heimat und verschweigt schlechtes, um nicht als Versager zu gelten, so lockt er seine Geschwister, Verwandte und Freunde nach Deutschland. Dann kommen noch Freunde von Freunden. So hat die Einwanderung bis zum Kollaps kein Ende. Schlecht für uns. Wir dürfen nur arbeiten, Steuern, Abgaben und Gebühren bezahlen und zuschauen wie Deutschlang gegen die Wand gefahren wird.

  • Antwort von winfried, Mittwoch, 22.November, 00:25 Uhr

    @Hildegard ... Ich bin zu 100% Ihrer Meinung.

Trueteam, Dienstag, 21.November, 21:02 Uhr

4. Jamaika-Aus

Ich denke, die Sondieungen haben im wesentlichen gezeigt, dass Union und Grüne gut zusammenareiten können. Daher bin ich auch für eine Minderheitsregierung dieser Partein. Bei den einzelen Themen, muss man halt dann schauen, ob man diese mit SPD oder der FDP durchsetzen kann.
Was die Sondierungen noch geziegt hat, aus meiner Sicht, dass schwarz-gelb inhaltlich nicht mehr so passt, wie früher. Die FDP finde ich, soll sich wieder mehr, über
ihre sozial-liberalen Traditionen aus den 70er und 80er Jahre errinneren

  • Antwort von Michael, Dienstag, 21.November, 22:52 Uhr

    Warum eigentlich keine Schwarz-Gelbe-Koalition ??? Herr Lindner wird uns ganz sicherlich - ohne Berücksichtigung von Gundremmingen, Tschernobyl und Fukushima - die Alternativlosigkeit der Atomenergie erläutern und die atomare Stromerzeugung als Klimaschutzmaßnahme verkaufen wollen. Haben wir zwar schon mal gehabt, aber im Fernsehen sind Wiederholungen ja auch sehr beliebt ...

Menstruationstasse, Dienstag, 21.November, 18:40 Uhr

3. Trittin

Wer wissen will wie der gute Herr Trittin tickt kann dies in der WELT nachlesen.

Titel "Bei Anne Will offenbart Trittin eine verstörende Machtgeilheit"

Google hilft.

Macht den Herrn gleich sympathischer :)

Oder man versteht die Entscheidung der FDP.

  • Antwort von Erich , Dienstag, 21.November, 19:17 Uhr

    Der Jürgen ist ein Brunnenvergifter! Was sein Können angeht, braucht man sich nur das Flaschenpfand anschauen!

  • Antwort von Leonia, Dienstag, 21.November, 19:53 Uhr

    Merkwürdig, eigentlich sind alle Männer (und vermutlich auch Frauen) in den führenden Reihen aller Parteien ohne eine Portion Machtgeilheit nicht vorstellbar. Und Sie attestieren das ausgerechnet einem, der sich lange im Hintergrund hielt und nun von der Partei noch einmal nur für die Sondierungen an den Tisch geholt wurde?
    Die Welt ist jetzt nicht gerade als ein politisch völlig unparteisches Presseorgan bekannt.

  • Antwort von Die 4. Gewalt, Dienstag, 21.November, 20:04 Uhr

    @ Die Welt ist jetzt nicht gerade als ein politisch völlig unparteiisches Presseorgan bekannt. Bild, Welt, focus......wer da wohl dahintersteht?

  • Antwort von 187, Dienstag, 21.November, 20:04 Uhr

    Wer ist eigendlich nicht Machtgeil (will keine Macht)?????

  • Antwort von Menstruationstasse, Dienstag, 21.November, 20:58 Uhr

    Ist ja klar bei den Grünen ist alles anders.

    Deswegen wissen die auch alles besser.

    Bei denen ist einer wie der Stefan Aust schon ein Hetzer :)

    Bin ich traurig das Jamaika nicht geklappt hat.

  • Antwort von Niemals Grün , Dienstag, 21.November, 21:12 Uhr

    Ach so, „Die Welt“ ist politisch nicht unparteiisch. Aber die „SZ“, der „Spiegel“, „Focus Online“ und das „Heute Journal“ (einfach das gestrige Interview der an Arroganz nicht zu übertreffenden Fr. Slomka mit H. Linder anschauen !!!) schon oder wie?

    Aufwachen, mehr fällt mir dazu nicht mehr ein.

  • Antwort von Michael, Dienstag, 21.November, 22:44 Uhr

    Während sich Jürgen Trittin und die GRÜNEN für das Weltklima und den Weltfrieden einsetzen präsentiert sich die FDP und ihr SondierungsChef Lindner weiterhin als Vertreter der Spitzenverdiener, Steuervermeiderer und Hotelsteuer-Freunde ... was zählt mehr?: Die Reichen und ihre Steueroptimiererer oder die kleinen Leute, ihre Familien und ihr Leben?

  • Antwort von Menstruationstasse, Mittwoch, 22.November, 06:00 Uhr

    Sag ich doch, die wissen alles besser.

    Der Spuk geht mit der nächsten Rezession vorbei.

    Wenn kein Geld mehr da ist, ist Panhas am Schwenkmast. :)

Sozanski, Dienstag, 21.November, 18:20 Uhr

2. Sondierung

Nach so vielen Verhandlungstagen (Sondierungen) ein Veto einzulegen finde ich merkwürdig! Gab es nur ein Thema pro Tag/Nacht? Leider werden wir für blöd gehalten. Den Abbruch akzeptiere ich, jedoch kommt die Frage auf: warum erst jetzt!!!! Na ja Politiker ticken anders; erst sie dann die Wähler!