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Freitagsgebet in München abgesagt Viele Hasskommentare dazu im Netz

"Früher haben die Moslems keinen Aufstand gemacht. (...) Gibt es doch eine Islamisierung in Deutschland?", fragt eine Facebook-Nutzerin. Die Reaktionen auf die Absage des Gebets auf dem Marienplatz aus Sicherheitsgründen fallen teils heftig aus: Der Großteil der Kommentatoren hat kein Verständnis dafür, dass sich die Muslime mehr Moscheen wünschen.

Von: Vera Cornette

Stand: 19.05.2017

Muslime beim Nachmittagsgebet am 15.01.2015 in die Eyüp-Sultan-Moschee in Nürnberg. | Bild: picture-alliance/dpa

Eigentlich wollten heute Muslime auf dem Müncher Marienplatz protestieren - weil ihnen die Gebetsräume ausgehen. Aus Sicherheitsgründen hat Initiator Massi Popal das öffentliche Freitagsgebet abgesagt.

Der Artikel über die Absage wurde sowohl auf Facebook als auch auf BR24.de stark geklickt und kommentiert. Allein auf Facebook schrieben die Nutzer innerhalb weniger Stunden mehrere hundert Kommentare.

Dabei gab es kaum verständnisvolle Reaktionen, sondern das Unverständnis der Kommentatoren überwog. Als Grund für die Absage nennt Massi Popal in einem Facebook-Post die Angst vor "Leib und Leben". Auf wenig Gegenliebe stößt generell der Wunsch der Muslime nach mehr und größeren Gebetsräumen.

"Mal den Klingelbeutel wandern lassen"

So schlugen Nutzer vor, dass die Muslime selbst für ihre Moscheen aufkommen sollten. Wenn der Klingelbeutel in der Weltgemeinschaft herum gewandert werden lasse, würde genug zusammen kommen, um Liegenschaften im teuren München zu erwerben.

"Früher trugen sie Miniröcke"

Nirak Rechaz kommentierte auf der BR24-Facebook-Seite, dass sie zwar dafür sei, dass es Moscheen gibt, sie besucht und gepflegt werden - aber noch mehr Moscheen und andere Gotteshäuser lehne sie ab. Ebenfalls auf Facebook macht sich Marlies Maria Kade Gedanken darüber, ob eine Islamisierung in Deutschland drohe. Mark Fit antwortete darauf, dass der Glaube in den Achtzigern und Neunzigern eine untergeordnete Rolle gespielt hätte. "Türkinnen trugen damals zum Teil noch Miniröcke", schreibt Fit.

Eine andere Nutzerin wirft Fragen auf: Welche konkreten Hinweise gebe es hinsichtlich der Gefahr für Leib und Leben? Gab es Verhaftungen? Weiter fordert sie: "Das ist ja kein Pappenstil, was der da (gemeint ist der Initiator, Anmerk. der Redaktion) an die Wand malt." Zwar sind dem BR bisher keine konkreten Drohungen bekannt, die Kommentare auch unter der Absage des Initiators sind aber teilweise bedrohlich und beleidigend.

"Wir werden keine Moschee bauen"

Offenbar treibt viele Kommentoren auch die Sorge um, dass sie mit ihren Steuergeldern den Bau von Moscheen finanzieren müssten. Für Nutzer Prinz Eisenherz steht fest: "Wir werden ihnen keine (Moschee) bauen. Und überhaupt, der Glaube gehört nicht auf die Straße. Und deswegen ist es nicht verwunderlich, wenn islamkritische Menschen zum Protest aufrufen."

BR-Expertin: Es gilt das Recht auf Religionsfreiheit

Karin Wendlinger, von der BR-Redaktion Religion und Orientierung, erklärt dazu: Die Initiative, die in München auf die Raumnot aufmerksam machen wollte, hatte nach eigenen Aussagen nicht die Intention, Geld für Moscheen zu sammeln oder die Stadt München in die Pflicht zu nehmen. Sie hatte vielmehr die Absicht, auf das Problem in der Öffentlichkeit aufmerksam zu machen.

Das ist mit dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit, das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (UN) im Artikel 18 zu finden ist, gedeckt. Dort heißt es wörtlich: "Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen."

Der Staat baut keine Moscheen

Zur Frage, wer Gotteshäuser baut, verweist BR-Redakteurin Wendlinger auf Artikel 3 des Grundgesetz:

"Der Staat baut oder bezahlt  weder Moscheen, Kirchen noch Räume für Weltanschauungsgemeinschaften, er hat aber dafür Sorge zu tragen, dass Bauvorhaben, die zu religiösen Zwecken dienen, nicht diskriminiert werden."

Art. 3 Abs. 3 GG

Zum Stand der juristischen Diskussion: Laut der Deutschen Islamkonferenz unter der Leitung von Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) verfolgt die Bundesregierung folgende Vorgehensweise: „…stand für Moscheen immer fest, dass es sich um Bauten zu religiösen, gottesdienstlichen Zwecken handelt. Soweit keine religionsbezogenen baurechtlichen Sonderbestimmungen einschlägig sind, gilt damit jedenfalls das strikte Gleichbehandlungsgebot des Art. 3 Abs. 3 GG. Die Diskriminierung eines Bauvorhabens deshalb, weil es religiösen Zwecken dient, kommt nicht in Betracht, weil eine Ungleichbehandlung aus religiösen Gründen ausscheidet. Moscheebauten dürfen deshalb jedenfalls nicht schlechter behandelt werden als im übrigen vergleichbare Vorhaben.“

Viele Kommentare mussten gelöscht werden

Der Eindruck der Autorin dieses Artikels ist, dass der Großteil der Nutzer eine ablehnende Haltung gegenüber des geplanten Protestgebets, der Absage aus Sicherheitsgründen sowie dem Wunsch nach mehr Gebetsräumen hat. Vielfach mussten Kommentare auf Facebook und auf BR24 gelöscht oder vom Social Media Redakteur richtig gestellt werden.

Einige versöhnliche Kommentare

Doch es gibt auch einige Nutzer, die einen versöhnlichen Ton anstimmen. So fragt Martin Jürgen Müller: "Was ist daran so schlimm, wenn diese Menschen auf dem Marienplatz beten? Die Katholiken halten dort ebenso ihre Prozessionen ab. Leben und Leben lassen."
Ein Kommentar, der vielfach geliked wird.

  • Vera Cornette | Bild: Vera Cornette/BR Vera Cornette

    Reporterin beim BR-Fernsehen und Autorin für Multimedia-Projekte.


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as140, Freitag, 19.Mai, 18:09 Uhr

6. Hass?

@ Leonida: Wenn das für Sie verfassungsfeindlich ist, dann wissen Sie offenkundig nicht, was in der Verfassung steht. Die Religionsfreiheit endet dort, wo andere Rechte eingeschränkt werden. Kein Demokrat stellt die Religionsfreiheit über alle anderen Grundrechte.

@Marienplatz: Ja? Wann haben saufende Fußballfans oder Junggesellenabschiede je zu Anschlägen geführt ( auch wenn ich ebenfalls beides nicht leiden kann).

Selim, Freitag, 19.Mai, 17:18 Uhr

5. ein grundsätzliches Problem

habe ich damit, dass eine Religion, aus der man nur mit Lebensgefahr austreten kann,
zu Deutschland gehören soll.
Ich glaube, dass viele Moslems das Recht auf Nichtglauben für sich in Anspruch nehmen würden,
vielleicht sogar zum Christentum übertreten würden,
wenn sie dadurch nicht
ihr Leben aufs Spiel setzen würden.
Und das ist mir einfach zuviel!
Das ist mir nicht geheuer.

Chiemgauer, Freitag, 19.Mai, 17:11 Uhr

4. Beten am Marienplatz

Als ich gestern im BR hörte, dass ein paar hundert als Protest auf dem Marienplatz beten wollen, habe ich mir das Bildlich vorgestellt. Wenn Besucher aus aller Welt an den Marienplatz kommen und dann vielleicht meinen, sie seinen irgendwo im tiefsten Arabien.
Sorry, habe null Verständnis....wenn es die Vereine nicht schaffen die Brandschutzvorschriften einzuhalten, dann muss man wohl das Gebetshaus schließen. Und dass bis jetzt nur 2 Postings bei diesen Brisanten Thema zu sehen sind, zeigt dass von der Redaktion vermutlich 95 % gelöscht werden. Meines auch ?

Leonia, Freitag, 19.Mai, 16:57 Uhr

3. Leider wie immer

Liebe Redakteure, Ihr wisst es doch selbst am besten: sobald ein Thema aufkommt, das auch nur im Entferntesten mit Muslimen zu tun hat, kommen die immer gleichen hetzerischen Kommentare aus einer (für mich) verfassungsfeindlichen Ecke. Denn Religionsfreiheit garantiert unser Grundgesetz und dazu gehört ebenfalls der Islam, was diese sogenannten "Islamkritiker" aber nicht akzeptieren wollen. Wenn man dann in die Diskussion geht, erhält man Einblick in eine pervertierte Christentums- und Demokratie-Vorstellung dieser Menschen, in der für alles jenseits des eigenen Gartenzauns kein Platz zu sein scheint.

  • Antwort von Wolf, Freitag, 19.Mai, 17:03 Uhr

    Leider wahr,siehe ersten Post.

  • Antwort von Sonja R.S., Freitag, 19.Mai, 17:23 Uhr

    ......kommen die immer gleichen hetzerischen Kommentare aus einer (für mich) verfassungsfeindlichen Ecke.
    Leonia, nicht nur für sie, da schließe ich mich an.

  • Antwort von miro, Freitag, 19.Mai, 17:29 Uhr

    Gehen Sie in die Türkei oder ein anderes stark islamisch geprägtes Land und stellen Sie einen Antrag eine Kirche zu bauen. Viel Glück

Erich, Freitag, 19.Mai, 16:52 Uhr

2. Lächerlich was als Hass gewertet wird!

Nach dem Maaschen Zensurgesetz können wir uns auf Löschorgien gefasst machen.
Die Demokratie ist hin und die DDR neu geboren!

  • Antwort von wm, Freitag, 19.Mai, 17:35 Uhr

    Erich,richtig!
    Basher,Schönredner u, Nachläufer werden von Löschorgien ausgeklammert.

    "(Meinungs) Freiheit die ich meine...........